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Rot-Grün sucht Position zur Embryonen-Forschung

Vor Beratungen der rot-grünen Koalitionsspitzen hat sich der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Ernst-Ludwig Winnacker, gegen einen vorläufigen Einfuhrstopp für embryonale Stammzellen ausgesprochen.

rtr BERLIN. Ein solches Moratorium, wie es von der Union gefordert werde, wäre nur sehr schwer wieder aufzuheben, sagte er am Montag im Deutschlandradio Berlin. Der Bundestag berät am Donnerstag über den Antrag der CDU/CSU-Fraktion. SPD und Grüne wollten sich am Abend bei einem Treffen mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) um eine gemeinsame Linie bemühen. Während Schröder die Forschung an embryonalen Stammzellen befürwortet, lehnen die Grünen und andere SPD-Politiker diese ab.

"Wie soll so ein Moratorium wieder aufgehoben werden? Der Wahlkampf steht bevor, ein neues Embryonenschutzgesetz oder ein Fortpflanzungsmedizin-Gesetz braucht mindestens anderthalb bis zwei Jahre. Und das ist eine lange Zeit auf diesem Arbeitsgebiet", sagte Winnacker. Ein Abbruch der Diskussion über die Gentechnik, von der er sich eine vorsichtige Öffnung der Gesellschaft erwarte, wäre kontraproduktiv. Stattdessen brauche die Wissenschaft genaue Rahmenbedingungen für die Forschung an embryonalen Stammzellen.

Die Forschung an embryonalen Stammzellen ist quer durch alle Parteien moralisch und rechtlich umstritten, weil dafür Embryonen in der Größe weniger Zellen getötet werden müssen. Die Herstellung dieser Zellen zu Forschungszwecken ist in Deutschland verboten. Ein Institut der Universität Bonn will jedoch an embryonalen Stammzellen aus Israel experimentieren. Man erhofft sich davon neue Heilungserfolge bei schweren Krankheiten.

Grüne wollen rasche Bundestagsentscheidung

Die Koalitionspartner SPD und Grüne wollten am Abend versuchen, eine gemeinsame Haltung zu finden. Die Gentechnik-Expertin der Grünen, Ex-Gesundheitsministerin Andrea Fischer, rief die Wissenschaftler vor Beratungen des Grünen-Parteirats zur Zurückhaltung auf. Die Entscheidung müsse beim Bundestag liegen. Es gebe "kein Argument, dem Parlament den Respekt zu verweigern". Nach derzeitiger Gesetzeslage ist der Import von embryonalen Stammzellen zu Forschungszwecken nicht verboten. Der umweltpoltische Sprecher der Grünen-Fraktion, Reinhard Loske, plädierte für eine rasche Bundestagsentscheidung. Man brauche eine Entscheidung im Herbst, da man sonst dem von Schröder berufenen Ethikrat "in die Hände spielte".

SPD-Generalsekretär Franz Müntefering sagte im Westdeutschen Rundfunk, das Embryonenschutzgesetz sei von der Forschungsrealität überholt. Die Politik sei dringend aufgerufen, die Debatte weiter zu führen und sich zu positionieren. Es seien nun ein paar Wochen und Monate Zeit notwendig, "damit wir Klarheit schaffen untereinander, aber dann auch in der öffentlichen Akzeptanz".

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