Rot-Kreuz-Helfer begraben Leichen
CNN meldet 600 Tote bei Massaker der Nordallianz in Masar-i-Scharif

Kämpfer der Nordallianz haben nach der Einnahme der nordafghanischen Stadt Masar-i-Scharif nach Informationen des Nachrichtensenders CNN 600 Menschen ermordet. Das berichtete ein Reporter am Dienstag unter Berufung auf Angaben von Hilfsorganisationen in Masar-i-Scharif.

ap/dpa GENF/WASHINGTON. In ersten Berichten war zunächst von einem Massaker mit 100 Toten die Rede gewesen. Nach Angaben von CNN handelt es sich bei den Opfern unter anderem um Pakistanis, die auf Seiten der Taliban gekämpft hatten, und Familienangehörige von tschetschenischen Kämpfern.

Auch das Rote Kreuz spricht von hunderten von Toten allein in Masar-i-Scharif. Die Helfer hätten sich "aus Gründen der Hygiene und der Würde" bereit erklärt, die Toten zu begraben. Sie würden in markierten Gräbern beigesetzt, damit sie später von Angehörigen identifiziert werden könnten, sagte Frau Notari. Dabei sei in vielen Fällen unklar, ob es sich bei den Toten um Zivilpersonen oder Taliban-Kämpfer handelt. Auch habe sie keine konkreten Informationen oder Schätzungen über das tatsächliche Ausmaß der Opfer.

Unterdessen äußerte sich das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) sehr besorgt über das Schicksal von rund 6 000 afghanischen Zivilisten, die sich in einem Lager im Südwesten Afghanistans nahe der iranischen Grenze aufhalten sollen. Es sei zu befürchten, dass die Lagerinsassen von Taliban-Kämpfern, die sich unter die Zivilisten mischten, als Geiseln oder menschliche Schutzschilde benutzt würden. Berichten zufolge haben Truppen der Nordallianz das Lager bei Makaki eingekesselt. Im Lager selbst befänden sich schwere Waffen der Taliban. UNHCR-Helfer hätten sich wegen der Anwesenheit der Taliban-Kämpfer geweigert, das Lager zu betreten. Ähnliches gelte auch von anderen Lagern im von den Taliban kontrollierten Gebiet.

Die Vereinten Nationen berichteten am Dienstag auch über Ausschreitungen und Kriegsverbrechen von Kämpfern der Nordallianz. So seien nach der Eroberung von Masar-i-Scharif rund 100 junge Taliban-Rekruten, die sich in einer Schule versteckt hielten, von oppositionellen Kämpfern erschossen worden. Eine Sprecherin des Welternährungsprogramms (WFP) berichtete von Meldungen über Plünderungen und Entführungen durch außer Kontrolle geratene Kämpfer in Masar-i-Scharif. «Wir hoffen, dass sich die Lage bald stabilisiert», sagte WFP-Sprecherin Christiane Berthiaume in Islamabad. Übers Wochenende seien in der Stadt 89 Tonnen Lebensmitteln aus Lagern des WFP gestohlen worden.

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