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Rote Karte für Schwarzfahrer

München/Düsseldorf (dpa/gms) - Schwarzfahren kostet Geld, Zeit und Nerven: Wer erwischt wird, muss mittlerweile überall tief in die Tasche greifen. «Das kostet 40 Euro», sagt zum Beispiel der Kontrolleur Detlef Karneboge vom Unternehmen Regionalbus Braunschweig.

München/Düsseldorf (dpa/gms) - Schwarzfahren kostet Geld, Zeit und Nerven: Wer erwischt wird, muss mittlerweile überall tief in die Tasche greifen. «Das kostet 40 Euro», sagt zum Beispiel der Kontrolleur Detlef Karneboge vom Unternehmen Regionalbus Braunschweig.

Und meist bleibt es nicht allein bei der Strafe: «Kontrolleure haben das Recht, Schwarzfahrer aus dem Zug zu werfen», sagt Joachim Kemnitz vom Fahrgastverband Pro Bahn in München. So sei es in U-Bahnen üblich auszusteigen, um die Personalien festzuhalten.

Wie massiv ein Kontrolleur auftritt, hängt nicht zuletzt vom Verhalten des Fahrgastes ab. «Je mehr man das Personal davon überzeugen kann, dass man nicht die Absicht hatte, schwarz zu fahren, desto eher kann man auf Kulanz hoffen», erläutert Kemnitz. «Aber je mehr man den Eindruck erweckt, dass man es darauf angelegt hat, desto unnachgiebiger ist das Personal.»

Ausreden lassen die Kontrolleure nicht gelten. Wer seine Fahrkarte angeblich vergessen oder einfach nicht abgestempelt hat, gilt zunächst als Schwarzfahrer. Eine Ausnahme bilden die Fernverbindungen der Bahn. «Im Fernverkehr kann man einfach einen Fahrschein nachlösen, das kostet nur ein paar Euro mehr», sagt Kemnitz. Im Nahverkehr und in den Verkehrsverbünden sei es hingegen üblich, sich die Fahrkarte vor Fahrtantritt zu besorgen.

Glimpflich kommen Besitzer so genannter personenbezogener Karten davon, wenn sie ohne Ticket erwischt werden. Wer eine auf seinen Namen ausgestellte Monats- oder Jahreskarte hat, kann sie nachträglich vorlegen, sagt Karneboge. In solchen Fällen muss dann nur eine geringere Strafe gezahlt werden.

Gute Karten haben Fahrgäste, wenn die Fahrkartenautomaten oder Entwerter an ihrer Station kaputt waren. «In solchen Fällen muss man kein erhöhtes Beförderungsentgelt bezahlen», sagt Udo Sieverding von der Schlichtungsstelle Nahverkehr in Düsseldorf. «Das gilt aber nur, wenn die überwiegende Zahl der Automaten an einer Station defekt ist.» Als Nachweis sollte sich der Fahrgast Uhrzeit und Automatennummer notieren. Kemnitz empfiehlt, in solchen Fällen direkt nach Fahrtantritt den Kontrolleur anzusprechen.

Weigert sich ein Schwarzfahrer, die 40 Euro zu zahlen, muss er mit Mahnungen und Mahngebühren rechnen. «Dann geht das in der Regel zum Inkassobüro. Die ziehen das durch bis zum Gerichtsvollzieher», so Sieverding.

Für Fahrgäste, die wirklich knapp bei Kasse sind, hat Karneboge einen Tipp: «Wir lassen mit uns handeln. Vielleicht gibt es einen Zahlungsaufschub, oder wir vereinbaren Ratenzahlungen. Dann wird das mit vier Mal zehn Euro bezahlt.«

Wiederholungstäter landen irgendwann vor Gericht. «Die meisten Verkehrsunternehmen behalten sich vor, nach dem dritten Mal Strafanzeige zu erstatten», sagt Kemnitz. Damit drohen Geldstrafen, in schweren Fällen sogar Gefängnis. Wird ein Schwarzfahrer verurteilt, ist er vorbestraft.

Die meisten Verkehrsunternehmen ziehen das Strafgeld bargeldlos ein. «Die wollen so die Personalien festhalten», erläutert Kemnitz. Doch nicht alle Verkehrsunternehmen legen Wert auf die Angaben der Schwarzfahrer. «Wer bei uns gleich zahlt, muss sich nicht ausweisen», sagt Karneboge. Auf Barzahlung pochen können Schwarzfahrer allerdings nicht. «Das liegt im Ermessen des Verkehrsunternehmens», so Sieverding.

Nicht verweigern dürfen Schwarzfahrer die Herausgabe ihres Ausweises. «Es besteht eine Ausweispflicht gegenüber dem Kontrollpersonal», erläutert Sieverding. Kann oder will sich der Fahrgast nicht ausweisen, müsse er damit rechnen, dass der Kontrolleur die Polizei ruft.

Bis die Polizei kommt, darf der Kontrolleur einen Schwarzfahrer festhalten. Kemnitz empfiehlt, sich in einer solchen Situation ruhig zu verhalten: «Wenn man mit dem Kontrolleur eine Rauferei anfängt, kann das viel eher zu einem strafrechtlichen Delikt werden.»

Mit Beschwerden können sich Fahrgäste an das Verkehrsunternehmen wenden. «Der Fahrgast sollte möglichst korrekt auftreten», rät Kemnitz. Abfällige Formulierungen über das Personal seien wenig hilfreich, ebenso wenig sollte der Fahrgast ganze Romane schreiben. «Wenn man sich wegen einer Sache beschwert, sollten nicht gleich noch drei andere Sachen angeführt werden. Dann hat man am ehesten die Aussicht, ernst genommen zu werden.»

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