„Rote Riesen“ unschlagbar
Ferrari-Siege schwächen die Formel 1

Selbst Michael Schumacher sehnt das Ende herbei. "Solange Rubens nicht Vize-Weltmeister ist, werden wir ihm keine Punkte wegnehmen.

Budapest (dpa/HB BUDAPEST. Hoffen wir also, dass wir diesen Titel schnell im Sack haben, damit wir noch ein wenig Spaß miteinander haben", sagte der fünfmalige Weltmeister nach dem Ferrari-Doppelschlag in Budapest.

Nach neuesten Hochrechnungen darf "Schumi", der in den vergangenen Wochen von der noch weit extremeren Schützenhilfe seines Teamkollegen Barrichello profitierte, so schnell nicht wieder Vollgas geben. Wohl erst im allerletzten Grand Prix des Jahres am 13. Oktober in Suzuka darf der Kerpener den zehnten Saison-Sieg und damit den Rekord für die Ewigkeit einfahren.

Auch in der Stunde des zweiten großen Erfolges binnen fünf Wochen rückte Teamchef Jean Todt keinen Millimeter von der umstrittenen Strategie ab. "Unser Hauptziel, den Gewinn des Marken-Titels haben wir geschafft, jetzt werden wir Rubens unterstützen." Bei der rauschenden Siegesparty in familiärer Atmosphäre in einem noblen Hotel in Ungarns Hauptstadt war Starpilot Schumacher trotzdem bestens gelaunt.

Seit dem Stallorder-Skandal von Österreich, als Barrichello kurz vor dem Ziel für seinen Teamkollegen auf die Bremse treten musste, findet dieses Geschäftsgebaren der Italiener nicht überall Zustimmung. "Schade, dass sie nicht so gegeneinander kämpfen dürfen, wie einst Senna und Prost", kritisierte BMW-Motorsport-Direktor Gerhard Berger. 1988 und 1989 zeigten der Brasilianer und der Franzose im McLaren, dass es auch anders geht: Zuerst wurde Senna Weltmeister vor Prost, ein Jahr später war es umgekehrt.

"Es ist der größte Moment in der Geschichte unseres Unternehmens. Ferrari war noch nie so stark und als Hersteller freuen wir uns sehr über den vierten Marken-Titel in Folge", jubelte Präsident Luca di Montezemolo. "Wenn diese Dominanz anhält, dann haben wir bald keine Zuschauer mehr", warnte Jaguar-Sportchef Niki Lauda nach dem 11. Sieg des Konkurrenten im 13. Rennen. Selbst das Duell um den Vize-Titel der Fahrerwertung wird in den letzten vier Rennen kaum für Spannung sorgen: Barrichello hat bereits fünf Punkte Vorsprung vor den Williams-BMW-Piloten Ralf Schumacher und Juan Pablo Montoya (Kolumbien). In der Konstrukteurs-WM hat Williams-BMW (80 Punkte) Platz zwei vor McLaren-Mercedes (54) fast in der Tasche.

Kein Wunder, dass die Fernseh-Einschaltquoten in Deutschland mit einem Spitzenwert von 8,05 Millionen Zuschauern beim Start des Großen Preises von Ungarn nicht überwältigend waren. "Nach der Hälfte des Rennens hat uns der Schlaf übermannt", gab die italienische Sportzeitung "Gazzetta dello Sport" zu. "Was kann Ferrari dafür, dass die anderen nicht in die Hufe kommen", fragte Schumacher-Manager Willi Weber. "Man darf denen keinen Vorwurf machen, dass sie so gut arbeiten. Den muss man doch eher den anderen machen." Wenigstens steckt die Konkurrenz den Kopf nicht in den Sand: "Wir wollen im nächsten Jahr um den Titel kämpfen. Das ist unser Ziel.

Über den Winter werden die Karten neu gemischt", hofft BMW-Manager Mario Theissen auf die Wende. "Eine Ansage kann man nicht machen", so Mercedes-Motorsport-Direktor Norbert Haug, "aber die Formel 1 ist immer für Überraschungen gut. Manchmal ändern sich Dinge schneller als man denkt." Formel-1-Boss Bernie Ecclestone erwartet das Ende der Ferrari-Schumacher-Ära erst "in zwei bis drei Jahren".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%