„Rote Teufel“ setzen auf Sieg gegen Russland
Sieglos, aber glücklich

Die "Roten Teufel" stehen nach dem Fehltritt gegen Tunesien vor dem Sturz in die Hölle, doch das lässt sie offenkundig kalt. Nach dem eigentlich deprimierenden 1:1 im zweiten Vorrundenspiel der Gruppe H trugen die weiterhin sieglosen belgischen WM-Fußballer ihr Pokerface zur Schau.

dpa OITA/JAPAN. Allen voran Kapitän Marc Wilmots, der in der 13. Minute per Kopf das 1:0 erzielt hatte. "Nun wissen wir wenigstens, woran wir sind. Jetzt ist alles ganz einfach. Ein Taktieren gibt es nicht mehr. Wir müssen gewinnen, wenn nicht, fahren wir eben nach Hause", sagte der Bundesliga-Profi von Schalke 04 scheinbar völlig gelassen. Wie Belgien am Freitag gegen Russland, so muss auch Tunesien gegen Japan unbedingt gewinnen, um doch noch erstmals bei einem WM-Championat in das Achtelfinale einzuziehen.

Im Gegensatz zu den selbstbewussten Europäern glauben die Nordafrikaner kaum noch an den historischen Einzug in die zweite Runde. "Natürlich haben wir unsere Chance, doch das wird unheimlich schwer. Japan ist vor diesem Publikum kaum zu schlagen", meinte der bei Bundesliga-Absteiger SC Freiburg kickende Adel Sellimi, der erst in der 67. Minute ins Spiel kam. Die Tunesier waren schon happy, dass sie gegen den Favoriten ihren ersten WM-Punkt erkämpfen konnten - und dass sogar mit einem Torerfolg.

Vier Minuten nach dem Führungstor hatte Raouf Bouzaiene mit einem sehenswerten Freistoß aus 22 Metern für den Ausgleich gesorgt. Es war erst das zweite Tor im zehnten diesjährigen Länderspiel, entsprechend wurde es auch von den Spielern im nagelneuen Stadion Stadion "Big Eye" in Oita zelebriert. "Ich bin generell sehr zufrieden. Die Spieler zeigten großen Geist, großen Charakter und spielten auch teilweise technisch großartig", befand Tunesiens Coach Ammar Souayah.

Mit einem gequälten Lächeln räumte sein belgischer Kollege Robert Waseige ein, dass er vor allem über die technischen Defizite, die sein Team offenbarte, erschrocken war. "Kaum ein Pass kam an, kein Dribbling gelang, dass war schon enttäuschend". Auch von dem angekündigten Offensivgeist, den die Belgier an den Tag legen wollten, war nur in der ersten Hälfte hin und wieder etwas zu sehen. Der Ball wurde zumeist zwischen den Strafräumen bewegt, vor dem Tor waren die Akteure mit ihrem Latein am Ende. Einschussmöglichkeiten ließen sich auf beiden Seiten beinahe an einer Hand abzählen.

Die beste Gelegenheit besaß noch Bart Goor in der 64. Minute. Den Schuss des Mittelfeldakteurs von Hertha BSC wehrte Tunesien Torhüter jedoch glänzend mit dem Fuß ab. "Warum wir unser Vorhaben nicht umsetzen konnten, wird ein Rätsel bleiben. Der Druck gegen Russland ist nicht größer als gegen Tunesien. Wir haben es sogar leichter als Weltmeister Frankreich, der 2:0 gewinnen muss. Wir brauchen nur ein Tor mehr schießen. Und das werden wir tun", versprach Goor und fügte hinzu: "Mit drei Unentschieden, wie vor vier Jahren in Frankreich, werden wir diesmal nicht ausscheiden".

Mannschaften und Statistik

Tunesien: Boumnijel - Trabelsi, Jaidi, Badra, Bouzaiene - Ben Achour, Gabsi (67. Sellimi), Bouazizi, Ghodhbane - Jaziri (78. Zitouni), Melki (88. Baya)
Belgien: de Vlieger - Deflandre, de Boeck, van Byuten, van der Heyden - Verheyen (46. Vermant), Vanderhaeghe, Simons (74. Mpenza), Goor - Strupar (46. Sonck), Wilmots
Schiedsrichter: Shield (Australien)
Zuschauer: 39 700
Tore: 0:1 Wilmots (13.), 1:1 Bouzaiane (17.)
Gelbe Karten: Gabsi, Ghodhbane, Trabelsi, Melki / van Buyten
Beste Spieler: Jaziri, Ben Achour / Wilmots, Goor

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