Rothenbaum unter Druck
Tennis-Spieler beschweren sich

Als hätten Boris Becker und seine Partner nicht schon genug Sorgen. Im Überlebenskampf am Hamburger Rothenbaum haben der "Chairman" und der gastgebende Deutsche Tennis Bund (DTB) einen neuerlichen Tiefschlag einstecken müssen.

HB/dpa DÜSSELDORF/HAMBURG. Verantwortlich dafür ist Mark Miles von der Spielerorganisation ATP-Tour, der im Konkurrenzkampf um den Erhalt der Traditionsveranstaltung am Mittwoch in Hamburg einmal mehr Druck ausübte und die Einführung eines kombinierten Zehn-Tage-Turniers von Damen und Herren forderte. Der Rothenbaum muss sich gegen Rom, Monte Carlo und Madrid durchsetzen. Vor allem die Spanier mit Turnierchef Ion Tiriac locken mit Millionen und behaupten: Wir können die Pläne sofort umsetzen.

Auch beim DTB liegen die Pläne fix und fertig in der Schublade. "Wir denken jetzt aber erst einmal an die laufende Veranstaltung", sagte Turnierdirektor Walter Knapper und versprach: "Auch im nächsten Jahr wird es dieses Masters-Turnier hier wieder geben. Das kriegen wir schon hin." Der deutsche Tennis-Markt ist trotz aller Probleme überaus wichtig. "Es wäre eine große Schande, wenn Hamburg die Chance nicht nutzen würde", meinte Miles. Eine Entscheidung erwartet der Amerikaner, der aus Rom kommend weiter nach Madrid flog, bis zu den US Open im Herbst dieses Jahres: "Dass wir ein solches Turnier schon 2005 haben werden, ist vielleicht zu optimistisch."

Es wird viel diskutiert im Welt-Tennis. Die Spieler beklagen sich über den stressigen Terminplan, die Veranstalter über zu hohe Preisgelder, die Wirtschaft über dramatische Einbrüche und das Fernsehen über schlechte Quoten. Kurzum: Reformen sind dringend notwendig. Als Titelverteidiger Roger Federer sein Auftaktmatch am Rothenbaum müde absolviert hatte, legte er den Finger in eine der Wunden: "Es ist nicht gut, dass wir zwei so wichtige Turniere direkt hintereinander spielen müssen." Erst Stunden vorher war er als Finalist aus Rom gelandet und musste sich schon wieder bei einem der neun wichtigsten Veranstaltungen neben den Grand Slams beweisen.

"Wir sind im Gespräch und wissen, dass sich einiges ändern muss", sagte Knapper. Ein weiteres Termin-Dilemma wird in Hamburg deutlich. Das Rothenbaum-Turnier muss sich lokal gegen Franziska van Almsick bei der Schwimm-DM und Tiger Woods beim Golf auf Gut Kaden behaupten - und im TV-Konkurrenzkampf überdies gegen die Formel 1 und den Bundesliga-Schlussspurt.

Die Zeiten sind härter geworden. Nur die Verantwortlichen der ATP und WTA hören und sehen die Signale offenbar nicht. Dass kaum ein Turnier die horrenden Preisgelder wie die 2,45 Mill. US-Dollar in Hamburg noch zahlen kann, ignorieren sie. Stattdessen wird darüber nachgedacht, den mit einer Konkurrenz-Vereinigung drohenden Spielern noch mehr zu zahlen. "Das Ende der Fahnenstange ist erreicht", sagte der deutsche Tennis-Präsident Georg von Waldenfels.

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