Rottenberg: „Keine goldene Ananas“
DFB-Frauen am Boden der Tatsachen angekommen

Drei Jahre nach dem Sieg bei der Euromeisterschaft im eigenen Land und ein Jahr nach dem vielumjubelten WM-Titelgewinn in Los Angeles ist bei den Olympischen Spielen der märchenhafte Siegeszug der deutschen Fußball-Frauen jäh zu Ende gegangen. Beim Griff nach Gold versagten erneut die Nerven.

HB HERAKLION. Der dritte vergebliche Anlauf, das Endspiel eines olympischen Turniers zu erreichen, sorgte für einen abrupten Stimmungswechsel. "Am meisten ärgert mich, dass wir es den Amerikanerinnen viel zu leicht gemacht haben", klagte Stephanie Jones nach dem 1:2 (1:1, 1:0) n.V. im faden Halbfinale gegen die USA.

Von der Klasse vergangener Tage war der Turnierfavorit weit entfernt: Bis zum Last-Minute-Treffer von Einwechselspielerin Isabell Bachor, mit dem sich die DFB-Elf zumindest in die Verlängerung rettete, gab es vor 2000 Zuschauern im Pankritio-Stadion auf Kreta erschreckend wenig zu sehen. Noch an Ort und Stelle gelobte Jones Besserung: "Im Spiel um Platz drei werden wir uns aufreiben. Wir wollen uns und der Welt beweisen, dass wir es besser können."

Am Donnerstag besteht die Chance zur Ehrenrettung: Mit einem Sieg über Schweden könnte das olympische Turnier wie vor vier Jahren in Sydney mit dem Gewinn der Bronzemedaille versöhnlich abgeschlossen werden. Bedenken, dass die Mannschaft am Ende mit leeren Händen dastehen könnte, sind Torfrau Silke Rottenberg trotz der beiden schwachen Auftritte gegen Nigeria und die USA fremd: "Mit der goldenen Ananas will keiner von uns nach Hause fliegen. Wir haben diese Medaille verdient."

Ohne eine erhebliche Leistungssteigerung dürfte jedoch auch das Minimalziel in Gefahr geraten. Nur viel Glück verhinderte, dass der Goldfavorit auf der Urlaubsinsel Kreta nicht schon in der regulären Spielzeit mächtig unter die Räder kam. Nach dem Anblick der Videoaufnahmen am Dienstag fällte selbst Trainerin Tina Theune-Meyer ein hartes Urteil: "Wir haben nicht den Fußball gespielt, den wir spielen können und die Verantwortung einfach abgegeben."

Trotzdem hätte es fast noch zu einem Happy-End gereicht. Gerade als sich die deutsche Mannschaft anschickte, in der Verlängerung die Regie zu übernehmen, stellte Heather O'Reilly (99.) den verdienten Sieg der Amerikanerinnen sicher. Birgit Prinz trauerte der vergebenen Chance nach, dem Gegner wie schon im WM-Halbfinale vor einem Jahr den Knockout zu versetzen. "Wir haben sie viel stärker gemacht, als sie eigentlich sind", sagte die erfolgreichste Torschützin des Turniers.

Ein ähnliches Missgeschick will sich das Team im kleinen Finale unter allen Umständen ersparen. Theune-Meyer hat keine Sorge, dass die Luft nach der Halbfinalschlappe raus sein könnte. "Alle haben es noch in bester Erinnerung, wie schön es ist, auf dem Treppchen zu stehen. In Sydney haben einige Spielerinnen mit der Bronzemedaille unter dem Kopfkissen geschlafen."

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