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ROUNDUP 2: Bund will bis zu fünf Milliarden Euro Russland-Schulden verkaufenDPA-Datum: 2004-06-30 17:18:43

BERLIN/LONDON (dpa-AFX) - Der Bund wird voraussichtlich bis zu fünf Milliarden Euro der russischen Schulden bei Deutschland über Anleihen an Privatinvestoren verkaufen. Dies sei in Investorengesprächen in London angedeutet worden, bestätigten Finanzkreise am Mittwoch. Die endgültige Entscheidung über das in drei Tranchen zu platzierende Volumen und die Preise der Papiere werde voraussichtlich bereits an diesem Donnerstag bekannt gegeben, hieß es.

BERLIN/LONDON (dpa-AFX) - Der Bund wird voraussichtlich bis zu fünf Milliarden Euro der russischen Schulden bei Deutschland über Anleihen an Privatinvestoren verkaufen. Dies sei in Investorengesprächen in London angedeutet worden, bestätigten Finanzkreise am Mittwoch. Die endgültige Entscheidung über das in drei Tranchen zu platzierende Volumen und die Preise der Papiere werde voraussichtlich bereits an diesem Donnerstag bekannt gegeben, hieß es.

Die Erlöse aus dem Verkauf der Russland-Forderungen Deutschlands an institutionelle Anleger will Finanzminister Hans Eichel (SPD) noch im Haushalt für 2004 verbuchen. Seine Einnahmen werden auf Grund von Abschlägen aber unter dem gesamten Emissionsvolumen liegen und sich möglicherweise auf bis zu 3 Milliarden Euro belaufen.

Die drei Tranchen bestehen aus Anleihen mit Laufzeiten von 3, 5 und 10 Jahren. Am Finanzmarkt wird davon ausgegangen, dass die Dreijahrespapiere ein Volumen von zwei Milliarden Euro haben. Eine fünfjährige Anleihe dürfte eine Milliarde umfassen, das zehnjährige Papier ein Volumen von 2,4 Milliarden Dollar. Unterm Strich würde sich so ein Volumen von 5 Milliarden Euro ergeben. Bei den mit der Emission betrauten Banken war keine Stellungnahme zu erhalten.

14 MILLIARDEN EURO SCHULDEN

Russland schuldet Deutschland nach deutschen Angaben insgesamt 14 Milliarden Euro. Durch die geplante Transaktion kann Eichel die Rückzahlungen mit den Abschlägen sofort einstreichen statt halbjährlicher Zins- und Tilgungszahlungen Russlands. Auch wird ein Teil des Kredit-Risikos auf den Kapitalmarkt übertragen.

Dabei dürfte es Probleme für deutsche Fondsgesellschaften geben, die solche Ahleihen kaufen wollen. Mehrere deutsche Fondshäuser zeigten sich im Gespräch mit der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX interessiert, verwiesen jedoch auf rechtliche Barrieren. "Der Haken an der Sache ist, dass Kapitalanlagegesellschaf ten Kreditforderungen nicht kaufen dürfen. Das ist die Aussage von unserem Wirtschaftsprüfer", sagte Rentenfondsmanager Frank Ehrich von der Union Investment.

FONDS

Michael Ganske, DWS-Fondsmanager für Schwellenländer, sagte, die neuen Anleihen könnten nur Fonds erwerben, die nach den Regeln des neuen Finanzmarktgesetzes umgestellt worden seien. Deutsche Fondsgesellschaften hätten ein Gespräch mit mit Finanzstaatssekretär Caio Koch-Weser geführt. Allerdings werde die Bundesregierung wohl für einen einzelnen Deal nicht das Reglement ändern.

Einige Fondsgesellschaften nehmen unterdessen einen Umweg. "Unter Luxemburger Recht ist ein Kauf einfacher", sagte ein Portfolioverwalter einer großen deutschen Fondsgesellschaft. "Daher weichen einige Investmenthäuser auf ihre Luxemburger Fonds aus, um doch noch bei den Russland-Schulden zum Zuge zu kommen."

EINNAHMEN SIND DRINGEND NÖTIG

Eichel ist auf die Einnahmen dringend angewiesen, da er für 2004 in seinem Haushalt Privatisierungserlöse von rund 10 Milliarden Euro unterstellt hat. Bisher wurden jedoch kaum Erlöse verbucht. Im Etat 2004, für den eine Netto-Kreditaufnahme von 29,3 Milliarden Euro veranschlagt ist, klafft noch eine Lücke von rund 10 Milliarden Euro. Wird die nicht geschlossen, könnte die Neuverschuldung auf die Rekordsumme von 40,5 Milliarden Euro steigen.

Es ist das erste Mal, dass Schulden aus Vereinbarungen der im "Pariser Club" versammelten Geldgeber über eine öffentliche Anleihe an den Kapitalmarkt gebracht werden. Zwischen dem 28. Juni und 2. Juli waren Investorengespräche in Europa und den USA geplant. Die Nachfrage wurde bisher als sehr groß bezeichnet. Der Preis wird nach den jeweiligen Angeboten der potenziellen Investoren bestimmt.

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