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Roundup 2: Commerzbank stampft defizitäre Investmentbank ein - Aktie steigt

Die Commerzbank hat die zuletzt Verlust bringende Investmentbanksparte drastisch eingestampft und streicht dort vor allem in Tokio, New York und London rund 900 Stellen.

dpa-afx FRANKFURT. Die Commerzbank hat die zuletzt Verlust bringende Investmentbanksparte drastisch eingestampft und streicht dort vor allem in Tokio, New York und London rund 900 Stellen. Vor allem im Eigenhandel will die drittgrößte börsennotierte Bank in Zukunft deutlich kürzer treten, sagte Commerzbank-Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller am Dienstag in Frankfurt. Die Konzentration gelte ganz den profitablen Kernsegmenten Firmenkunden- und Privatkundengeschäft. Dazu rücke der bisherige Chef der Tochter comdirect , Achim Kassow, in den Vorstand der Mutter auf. Deshalb aufgekommene Gerüchte, die Commerzbank wolle ihre Tochter ganz übernehmen, dementierte Müller entschieden.

Zwischen Juli und September schrieb die Commerzbank wegen der Kosten für den Abbau im Bereich Investmentbanking, einem Verlust im Eigenhandel sowie enttäuschenden Erträgen im Zins- und Provisionsgeschäft nach zuletzt zwei profitablen Quartalen wieder rote Zahlen. Die ursprünglich für 2004 angepeilten Ziele bei der Eigenkapitalrendite sollen jetzt im kommenden Jahr erreicht werden. Die Aktie legte am Dienstag trotzdem deutlich zu und gewann in einem knapp behaupteten Gesamtmarkt bis Handelsende 1,67 Prozent auf 15,22 Euro. Der Kurs profitierte nach Einschätzung von Postbank-Händler Norbert Pütz von einem Vertrauensvorschuss des Markts für das neue Management und der Hoffnung, die Commerzbank werde auf lange Sicht operativ wieder besser aufgestellt sein.

Standort Frankfurt Kommt BEI Stellenabbau AM Besten WEG

Im Investmentbanking steht das Kreditinstitut vor dem erwarteten Neuanfang. Auch der Name Commerzbank Securities soll verschwinden. Das Segment geht künftig in der Sparte Corporate & Markets, das vom bisher für Firmenkunden zuständigen Vorstand Nicholas Teller übernommen wird. "Für das operative Minus von 171 Mill. Euro von Juli bis September gibt es trotz angespannter Marktverhältnisse keine akzeptable Entschuldigung", betonte Müller und gab den Händlern der Bank die Hauptschuld an dem Desaster in der Sparte. Die Verluste seien unter anderem im spekulativen Eigenhandel angefallen.

Die Abteilung in Tokio wird komplett geschlossen, in New York bleiben von 118 Jobs nur 29 übrig. Ein Vergleich zwischen den Standorten London und Frankfurt habe einen "Produktivitätsvorteil" zugunsten des deutschen Finanzzentrums ergeben, in der britischen Hauptstadt fällt der Stellenabbau daher mit rund 275 von 576 Stellen besonders hoch aus. In Frankfurt werden nur 30 Jobs von insgesamt 425 gestrichen. Die komplette Schließung des Investmentbankings habe nie zur Diskussion gestanden, sagte Müller. Der verantwortliche Vorstand Mehmet Dalman hatte die Bank im September verlassen.

Stühlerücken IM Vorstand

Durch den neu aufgerückten Kassow, der sich jetzt um die Privatkunden kümmert und die neue Aufgabe für Teller kommt es zu weiteren Verschiebungen in der Konzernspitze. Martin Blessing, bisher für Privatkunden zuständig, ist ab sofort für die "Mittelstandsbank" sowie Mittel- und Osteuropa verantwortlich. "Es bleibt unser Ziel, uns als die Mittelstandsbank in Deutschland und Europa zu positionieren", sagte Müller. Nach Einschätzung von Beobachtern bringt der Commerzbank-Chef, dessen Vertrag noch bis 2006 läuft, mit Teller und Blessing auch zwei seiner möglichen Nachfolger in Position.

In den drei Monaten bis Ende September erlitt die Commerzbank einen Verlust von 208 Mill. Euro nach einem Gewinn von 248 Mill. Euro im zweiten Quartal verbuchen. Im dritten Quartal des Vorjahres hatte die Bank wegen einer Abschreibung auf Firmenwerte einen Verlust von 2,31 Mrd. Euro verbuchen müssen. Im abgelaufenen Quartal schlugen die Kosten für den deutlichen Einschnitt beim Investmentbanking, das in Zukunft in der Sparte Corporates & Markets eingegliedert wird, mit 132 Mill. Euro zu Buche. Außerdem verfehlte die Bank sowohl Zins- als auch der Provisionsüberschuss die Marktprognose. Das Handelsergebnis rutschte sogar ins Minus rutschte.

Müller Bekennt Sich ZUR Dividende und Sieht Besseres 4. Quartal

Müller bestätigte trotz des Verlusts im dritten Quartal seine Aussagen, für das laufende Jahr eine Dividende auszuschütten. Im vierten Quartal rechnet der Bankchef mit einem "insgesamt höheren Gesamtergebnis". Auch das Handelsergebns soll wieder besser ausfallen. Er sieht die Commerzbank zudem auf dem Weg, die mittelfristigen Ertragsziele der Bank. Demnach soll die Eigenkapitalrendite nach Steuern 2005 auf mindestens acht Prozent und 2006 auf 10,3 Prozent steigen. Ursprünglich hatte die Bank die acht Prozent Eigenkapitalrendite schon für 2004 angepeilt.

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