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Roundup 2: Deutsche Bank übertrifft mit Gewinnplus im 3. Quartal Erwartung

Die Deutsche Bank hat zwischen Juli und September mit einem deutlich höheren Gewinn als im Vorjahr die Markterwartungen übertroffen.

dpa-afx FRANKFURT. Die Deutsche Bank hat zwischen Juli und September mit einem deutlich höheren Gewinn als im Vorjahr die Markterwartungen übertroffen. Der besser als erwartet ausgefallene Gewinn im dritten Quartal sei größtenteils auf eine niedrigere Steuerquote sowie Einmaleffekte zurückzuführen, teilte die Gesellschaft am Freitag in Frankfurt mit. Zudem blieben die Erträge weiter schwach. Die meisten Experten sehen die größte deutsche Bank trotz des höheren Gewinns weit von ihrem Renditeziel entfernt und gehen nicht davon aus, dass dieses im kommenden Jahr erreicht wird. An der Börse waren die Zahlen praktisch ein Nullsummenspiel. Die Aktie gab in einem nahezu unveränderten Gesamtmarkt leicht nach.

Die Eigenkapitalrendite werde im kommenden Jahr maximal auf 21 Prozent statt der angepeilten 25 Prozent steigen kann, schreibt JP Morgan-Experte Kian Abouhossein in einer Analyse. "Unserer Einschätzung nach ignoriert der Finanzmarkt die Prognose ohnehin schon seit einiger Zeit." Alexander Plenk von der Bankgesellschaft Berlin sah weder in den Zahlen noch in den Aussagen des Finanzvorstands Clemens Börsig bei der Telefonkonferenz neue Erkenntnisse für seine "Halten"-Empfehlung und sein Kursziel von 60 Euro. Am Freitag sank das Papier um 0,35 Prozent auf 59,25 Euro. Mit einem Verlust von knapp zehn Prozent im Jahresverlauf hinkt die Deutsche Bank-Aktie den Titeln der internationalen Konkurrenz hinterher.

Einzelheiten ZU Konzernumbau Anfang

Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann bestätigte in einem Brief an die Aktionäre die Prognose: "Wir fühlen uns Ihnen, unseren Aktionären, gegenüber verpflichtet, eine attraktive Rendite zu erwirtschaften. Dies bleibt oberstes Ziel auf unserer Agenda. Unsere Ertragskraft in diesem Quartal spiegelt die erzielten Fortschritte wider. Wir sind gleichwohl davon überzeugt, dass wir noch mehr erreichen können." Einzelheiten zur Umstrukturierung und wie die Bank ihr Renditeziel erreichen will, kündigte Finanzvorstand Clemens Börsig für Anfang Februar bei der Vorlage der 2004er-Zahlen an. Der anstehende Umbau könnte den Gewinn im vierten Quartal belasten. Die Deutsche Bank hatte im September den Umbau des erweiterten Konzernvorstands (Group Executive Committee) bekannt gegeben und dabei eine Neuordnung im Investmentbanking sowie den regionalen Zuständigkeiten angekündigt.

Der Gewinn vor Steuern stieg im dritten Quartal von 755 Mill. Euro im Vorjahr auf 1,006 Mrd. Euro und lag damit über der durchschnittlichen Analystenprognose von 912 Mill. Euro. Die Eigenkapitalrendite vor Steuern habe 16 Prozent nach elf Prozent im Vorjahr betragen. "Das Rentabilitätsniveau habe sich nur unzureichend verbessert", schreibt Helabatrust-Experte Sebastian Reuter. Das Institut litt seiner Einschätzung nach unter den schwierigen Kapitalmarktbedingungen. "Eine deutlich niedrigere Risikovorsorge, hohe Ergebniszuwächse im Privatkundengeschäft sowie erneute Kostenreduzierungen sorgten jedoch teilweise für Kompensation."

Der Überschuss legte von 576 Mill. Euro im Vorjahr auf 680 (Prognose: 548) Mill. Euro zu. Im Kreditgeschäft konnte die Risikovorsorge erneut gesenkt worden und soll auf dem niedrigen Niveau bleiben. Auf der Ertragsseite sah die Bilanz weniger gut aus. Der deutsche Branchenprimus erwirtschaftete mit 5,056 Mrd. Euro weniger Erträge als im Vorjahresquartal (5,161 Mrd. Euro). Dabei fiel das stark vom Finanzmarkt abhängige Handelsergebnis etwas besser als erwartet aus, während die stabileren Größen, Zins- und Provisionsüberschuss, enttäuschten.

JP Morgan: Cartellieri-Rücktritt IST Sieg FÜR Ackermann

Der von den Experten kritisierte zuletzt sehr hohe Gewinnanteil der Investmentbanksparte CIB sank zugunsten des ertragsstabileren Segments Private Kunden und Vermögensverwaltung (Pcam). Beim Kostenabbau machte die größte deutsche Bank weitere Fortschritte. Die zinsunabhängigen Aufwendungen seien um 6,3 Prozent auf 3,967 Mrd. Euro zurückgegangen. Das Verhältnis Kosten zu Ertrag (cost income ratio) fiel mit 83 Prozent nach Einschätzung der Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein (DrKW) trotzdem schlechter aus als erwartet. Die Deutsche Bank teilte außerdem mit, dass im dritten Quartal 16 Mill. Aktien für 919 Mill. Euro zurückgekauft wurden. Zudem seien die zuletzt vielfach kritisierten Marktrisiken im Eigenhandel zurückgefahren worden.

Zur künftigen Strategie machte die Bank bei der Vorlage der Zahlen keine Angaben. Im Streit um den Kurs der Bank war am Donnerstagabend das langjährige Aufsichtsratsmitglied Ulrich Cartellieri wegen "unterschiedlicher Auffassungen zur Strategie der Bank" zurückgetreten. Sein Nachfolger soll der renommierte Steuerrechtler und Ex-Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhof werden. Wie aus Bankenkreisen verlautete, wollte Cartellieri den Kurs von Vorstandschef Ackermann nicht länger mittragen. JP Morgan stufte den Rücktritt Cartellieris als Sieg Ackermanns ein. Bei der Suche nach einem Nachfolger sollte die Bank jedoch auf eine internationale Besetzung achten.

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