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Roundup 2: Deutsche Börse und Euronext wetteifern um Londoner Börse

Um die Londoner Börse (LSE) bahnt sich ein Übernahmewettstreit zwischen Euronext und der Deutschen Börse an. Wie von vielen Beobachtern erwartet hat nun auch der Börsenbetreiber Euronext Übernahmegespräche mit der Londoner Börse eingeleitet.

dpa-afx FRANKFURT. Um die Londoner Börse (LSE) bahnt sich ein Übernahmewettstreit zwischen Euronext und der Deutschen Börse an. Wie von vielen Beobachtern erwartet hat nun auch der Börsenbetreiber Euronext Übernahmegespräche mit der Londoner Börse eingeleitet. Es habe einen ersten Kontakt "mit Blick auf die Aufnahme vorläufiger Gespräche" über ein Kaufangebot gegeben, teilte die Euronext am Montag mit.

Es könne derzeit aber "keine Garantie gegeben werden, dass ein solches Angebot vorgelegt wird", hieß es in der Euronext-Mitteilung weiter. Die Aktie der Euronext verlor am Montag zuletzt 3,07 Prozent auf 21,75 Euro. Der Titel der Deutschen Börse fiel um 1,22 Prozent auf 43,69 Euro und besetzte damit den letzten Rang im Dax . Die LSE-Aktie verteuerte sich um 3,6 Prozent auf 576 Pence.

'Frühes Stadium' - Weiter Gespräche MIT Deutscher Börse

Die LSE teilte mit, die Gespräche befänden sich in einem "frühen Stadium". Daher sei eine Antwort derzeit nicht notwendig. Die Gespräche mit der Deutschen Börse aber würden fortgeführt. Börsenchef Werner Seifert war Medienberichten zufolge in der vergangenen Woche eigens nach London geflogen, um bei LSE-Chefin Clara Furse für sein Übernahmeangebot noch einmal zu werben. Die LSE hatte jedoch schon zuvor Seiferts Angebot von 5,30 Pfund je Aktie als zu niedrig abgelehnt. Insgesamt will die Deutsche Börse derzeit 1,9 Mrd. Euro für die Akquisition der LSE ausgeben.

Die Deutsche Börse wollte sich am Montag nicht zu dem Vorgehen der Euronext äußern. Auch die Frage, ob der Frankfurter Börsenbetreiber sein Angebot eventuell aufstocken werde, ließ ein Börsensprecher ebenfalls unbeantwortet. Anscheinend malt sich die Deutsche Börse aber immer noch Chancen aus. In Branchenkreisen hieß es, es müsse nun erst einmal abgewartet werden, wie ein mögliches Angebot konkret ausfalle. "Es stellt sich aber auch die Frage, wie die Euronext die Übernahme finanzieren will", hieß es. Möglicherweise werde die Euronext eine Kapitalerhöhung oder einen Bond ankündigen.

Gespräche MIT Furse

Nach Angaben der "Financial Times" (Montagausgabe) wird sich Euronext-Chef Jean-Francois Theodore in der laufenden Woche mit LSE-Chefin Furse treffen. Das Angebot werde voraussichtlich über dem Schlusskurs der LSE-Aktie vom Freitag (5,56 britische Pfund) und damit deutlich über der Offerte der Deutschen Börse liegen.

Damit geriete die Deutsche Börse unter Zugzwang, wenn sie bei der LSE noch punkten will. Die meisten Analysten wollen derzeit aber noch keine konkrete Prognose wagen, welcher der beiden Konkurrenten den Sieg davontragen könnte. "Zunächst hat die Euronext noch kein Angebot abgegeben. Und es bleibt abzuwarten, wie sie sich gegenüber der LSE positionieren und welche Punkte sie ins Spiel bringen wird", sagte ein Frankfurter Analyst. Ein Zusammengehen von Euronext und LSE mache gleichwohl Sinn, da es zwischen beiden bereits eine Partnerschaft bei der Abwicklung gebe.

Auch nach Meinung von Aktienanalyst Jörn Kissenkötter von MM Warburg sind die möglichen Synergien zwischen der Deutschen Börse und der LSE geringer einzuschätzen als die zwischen Euronext und LSE. "Die Deutsche Börse will die Marktstrukturen der beiden Börsen erhalten. Entsprechend bleiben zwei verschiedene elektronische Handelssysteme und zwei verschiedene Plattformen - es würden keine Synergien im Clearing und beim Settlement entstehen."

Übernahmekandidat

Die LSE gilt unter Beobachtern als eindeutiger Übernahmekandidat. Zwar verfügt sie über den größten Kassamarkt Europas und die Gewinne dort sind beachtlich, doch den Weg hin zu einer breiteren Aufstellung und damit zur Erschließung neuer Gewinnquellen hat sie versäumt. Und die Entwicklungschance für den künftigen Eigner scheint hervorragend. "Wer London gewinnt, wird eindeutig Nummer Eins unter Europas Börsen", sagte LRP-Analyst Olaf Kayser.

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