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Roundup 2: Deutsche Börse und FSE wollen Übernahmegespräche vertiefen

Die Deutsche Börse AG und die Londoner Stock Exchange (LSE) werden sich in Kürze zu tiefergehenden Gesprächen wegen einer Übernahme der britischen Börse durch die Frankfurter treffen.

dpa-afx FRANKFURT. Die Deutsche Börse AG und die Londoner Stock Exchange (LSE) werden sich in Kürze zu tiefergehenden Gesprächen wegen einer Übernahme der britischen Börse durch die Frankfurter treffen. Zwar haben die Londoner das mehr als 50 Prozent über dem Freitagskurs der LSE-Aktie liegende Angebot des deutschen Börsenbetreibers von 530 Pence je Aktie (insgesamt 1,9 Mrd. Euro) als zu niedrig abgelehnt, doch streben die Londoner Gespräche über eine "abgestimmte Transaktion" an. Näheres wollten weder die Frankfurter noch die Londoner Börse am Montag mitteilen. Nach wie vor sei aber offen, ob ein rechtlich verbindliches Übernahmeangebot gemacht würde, so die Deutsche Börse weiter.

Die Aktie der Deutschen Börse reagierte auf den von Analysten als teuer beurteilten Übernahme-Plan bis 13.50 Uhr mit kräftigen Kursverlusten. Sie verlor 4,15 Prozent auf 42,68 Euro und war mit Abstand schwächster Dax-Wert . Die Aktie der LSE sprang zugleich um 22,67 Prozent auf 527,50 Pence nach oben.

'Konsolidierung DER Branche Überfällig'

Eine Konsolidierung der europäischen Börsenlandschaft halten die Branchenexperten allerdings für längst fällig, da die Synergieeffekte in den Bereichen Handel und Abwicklung hoch sind. Nachdem aber die Fusion der Deutschen Börse mit den Londonern zur "iX" im Jahr 2000 platzte, wurde das Ringen um eine Bereinigung der europäischen Börsenlandschaft zunehmend zäher. Bislang waren weitere Vorstöße der Frankfurter gescheitert, zuletzt eine Fusion mit der Schweizer SWX im November dieses Jahres. "Der Preis ist zwar hoch und belastet die Aktie der Deutschen Börse kurzfristig, er ist aber zu stemmen", sagte ein Experte.

Ob er noch weiter nach oben getrieben werde könnte durch einen Bieterstreit - potenzielle Interessenten sind die Vierländerbörse Euronext NV und die schwedisch-finnische OMX - ist unter den Fachleuten auf Grund der Höhe strittig. Die Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) erwartet dies etwa, Merrill Lynch geht nicht davon aus. Sowohl die Euronext als auch die OMX lehnten diesbezüglich einen Kommentar ab. "Die Wahrscheinlichkeit, dass die LSE ein Übernahmeangebot in der genannten Höhe akzeptiert, ist als gering einzustufen. Insofern besteht das Risiko, dass die Frankfurter ein deutlich erhöhtes Kaufangebot auf den Tisch legen", sagte Analyst Karsten Keil von der Helabatrust. "Ein aber nochmals erhöhter Preis wäre aus unserer Sicht kaum zu rechtfertigen, zumal die Durchführung der Akquisition hohe Risiken birgt."

Deutsche Börse MIT Hohen Barmitteln

"Die Euronext hat erst allerdings kürzlich Aktien 9,5 Mill. Aktien zurückgekauft, während die Deutsche Börse bislang Aktienrückkäufe abgelehnt hatte und daher über hohe Barbestände verfügt", sagte ein Analyst. Die Barmittel der Frankfurter belaufen sich mit Stand zum dritten Quartal 2004 auf rund 600 Mill. Euro. Hinzu kommen nach Einschätzung von Analysten nicht ausgeschöpfte Kreditlinien der Banken von rund 1,2 bis zwei Mrd. Euro.

Das Interesse, sich die Londoner Börse einzuverleiben, dürfte für die Großen der Branche in jedem Fall sehr hoch sein. "Wer London gewinnt, wird eindeutig die Nummer eins unter Europas Börsen", urteilt etwa LRP-Analyst Olaf Kayser. "Wenn nicht die Deutsche Börse bietet, finden sich andere Interessenten in Europa, beispielsweise Euronext",sagte der auf Banken- und Börsenwesen spezialisierte Professor Wolfgang Gehrke von der Universität Erlangen-Nürnberg dem "Handelsblatt".

LSE - NR.1 Eins IM Europäischen Kassamarkt

In puncto Marktkapitalisierung steht die Deutsche Börse bereits an erster Stelle in Europa. Ihre Marktkapitalisierung ist mit 4,8 Mrd. Euro etwas größer als die der beiden anderen Börsen LSE (1,9 Mrd. Euro) und Euronext (2,7 Mrd. Euro) zusammen. Ein weltweiter Vergleich ist schwierig, da weder die großen US-amerikanischen Börsen noch die asiatischen börsennotiert sind. Sollte die Übernahme der LSE glücken, würden die Frankfurter aber auf jeden Fall die Nummer eins im europäischen Kassamarkt werden und weltweit Marktführer im vollelektronischen Kassamarkt. Der Terminmarkt Eurex, den die Deutsche Börse gemeinsam mit der Schweizer Börse betreibt, ist hingegen bereits der größte der Welt.

Zum Gelingen ihrer Übernahme wollen die Frankfurter diesmal - anders als es im Jahr 2000 geplant war - die Marktstrukturen erhalten und die regulatorischen Rahmenbedingungen unverändert lassen. Ihr Ziel ist es eigenen Angaben zufolge, vor allem eine "wesentliche Reduzierung der gegenwärtigen Tarife für den Handel im elektronischen Orderbuch in Großbritannien herbeizuführen". Bestehende Verträge zwischen der LSE und Dienstleistern im Bereich Clearing und Abwicklung sollen daher anerkannt werden. Das bedeutet, dass die Deutsche Börse nach einer Übernahme der LSE zunächst weiterhin die Transaktionen der Londoner über den Konkurrenz-Abwickler LCH. Clearnet abwickeln würde. Dieses Clearinghaus ging Ende 2003 aus einer Fusion zwischen dem London Clearing House und der Euronext-Tochter Clearnet hervor.

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