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Roundup 2: Deutsche Exporte und Produktion schrumpfen im August

Der deutsche Exportmotor und die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe sind im August ins Stocken geraten. Die Konjunkturerholung dürfte ihren Zenit bereits überschritten haben, schlussfolgerten Volkswirte nach unerwartet schwachen Daten.

dpa-afx WIESBADEN/BERLIN. Der deutsche Exportmotor und die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe sind im August ins Stocken geraten. Die Konjunkturerholung dürfte ihren Zenit bereits überschritten haben, schlussfolgerten Volkswirte nach unerwartet schwachen Daten. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) senkte seine Wachstumsprognose für das dritte Quartal auf 0,3 Prozent.

Die Ausfuhren gingen saisonbereinigt um 1,4 Prozent zum Juli auf 56,3 Mrd. Euro zurück, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte. Dies sei ein Plus von 12,8 Prozent zum Vorjahr. Im Juli hatte das Exportwachstum gemessen am Vormonat noch mehr als drei Prozent betragen.

Die Produktion im deutschen Verarbeitenden Gewerbe vor allem wegen der anhaltenden Baukrise und einer schwachen Entwicklung auf dem Energiesektor überraschend deutlich gesunken. Sie sei saisonbereinigt um 1,0 Prozent zum Vormonat zurückgegangen nach einem Plus von 1,2 Prozent im Juli, teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit. Volkswirte hatten einen Rückgang von 0,5 Prozent erwartet.

'Trauriges Bild'

"Nimmt man die Augustdaten zusammen, so ergibt sich trotz verschiedener Sondereffekte ein eher trauriges Bild", sagte Volkswirt Andreas Scheuerle von der Dekabank. Die Commerzbank schrieb in einer Studie: "Angesichts der etwas geringeren weltwirtschaftlichen Dynamik dürfte das Expansionstempo in der Industrie in den kommenden Monaten weiter nachlassen." Nach Einschätzung der Experten von Hsbc Trinkaus & Burkhardt deuten die Daten darauf hin, "dass die Konjunkturerholung in Deutschland ihren Höhepunkt bereits überschritten hat".

Volkswirten zufolge ist der Export-Rückgang zumindest teilweise auf die Ferienzeit zurückzuführen, die in diesem Jahr überwiegend auf den August entfiel. Dessen ungeachtet dürfte sich das Exportwachstum im dritten Quartal deutlich abschwächen, sagte Chefvolkswirt Jörg Krämer von Invesco Asset Management.

AM Tropf DER Weltwirtschaft

Im Juli und August seien die Ausfuhren insgesamt um 0,5 Prozent gestiegen und damit deutlich schwächer als im ersten und zweiten Quartal (4,7%/3,3%). "Darin könnte sich bereits das schwächere globale Wachstum widerspiegeln", sagte Krämer.

Im August wurden Waren im Wert von 45,2 Mrd. Euro nach Deutschland eingeführt. Das ist ein geringfügiger Rückgang von 0,1 Prozent zum Juli und ein Zuwachs von 15,1 Prozent gemessen am Vorjahresmonat. "Die stärkere Zunahme der Wareneinfuhren sowie die zuletzt positive Entwicklung bei den Einzelhandelsumsätzen deuten darauf hin, dass sich die Inlandsnachfrage zunehmend belebt", heißt es in einer Analyse der Commerzbank.

Die Industrieproduktion verringerte sich im August um 0,7 Prozent. Im Energiebereich ging die Erzeugung um 2,7 Prozent und im Bauhauptgewerbe um 2,2 Prozent zurück. Die Entwicklung dürfte auch durch die Lage der Schulferien beeinflusst sein, hieß es. Im weniger schwankungsanfälligen Zweimonatsvergleich - also Juli/August und Mai/Juni - ergebe sich ein leichter Anstieg der Gesamtproduktion um 0,1 Prozent.

DIW Pessimistischer

Unterdessen rechnet das DIW nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 0,3 Prozent im dritten Quartal. Bislang war das Institut von 0,5 Prozent ausgegangen. Maßgeblich für die leicht verlangsamte Gangart sei die Beruhigung der weltwirtschaftlichen Nachfrage. Dadurch seien auch Großaufträge, anders als in den beiden Vorquartalen, nicht mehr in vermehrtem Ausmaß eingegangen. Aus dem Außenbeitrag habe sich daher kein Impuls mehr ergeben, hieß es.

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