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Roundup 2: Karstadt-Quelle drängt auf Millionen-Einsparungen beim Personal

Der Karstadt-Quelle-Konzern drängt in den Sanierungsverhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern auf Personaleinsparungen in Höhe von mindestens 500 Mill. Euro. Dieses Einsparvolumen sei nicht diskutabel, sagte Karstadt-Quelle-Sprecher Jörg Howe am Donnerstag in Essen.

dpa-afx ESSEN. Der Karstadt-Quelle-Konzern drängt in den Sanierungsverhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern auf Personaleinsparungen in Höhe von mindestens 500 Mill. Euro. Dieses Einsparvolumen sei nicht diskutabel, sagte Karstadt-Quelle-Sprecher Jörg Howe am Donnerstag in Essen. Zudem seien Urlaubsverzicht, die Streichung von Weihnachts- und Urlaubsgeld, ein Gehaltsverzicht auch im tariflichen Bereich, eine Arbeitszeitverlängerung auf mindestens 40 Stunden pro Woche und die Möglichkeit betriebsbedingter Kündigungen in der Diskussion.

Laut Howe muss sich das Personal auf Gehaltkürzungen in der Größenordnung von fünf bis zehn Prozent einstellen. "Dies hängt davon ab, welche Zugeständnisse es gibt", sagte er. Fünf Prozent müssten es aber mindestens sein. Im Falle eines Entgegenkommens seitens der Arbeitnehmer könnte möglicherweise auch auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet werden. In Presseberichten wurde zuvor über Kündigungen in vierstelliger Größenordnung spekuliert.

'Keine Alternative ZUM Sanierungskonzept'

Die Verhandlungen mit der Gewerkschaft bezeichnete der Konzern als "schwierig" und "hart". Sie würden aber "in einem konstruktiven Miteinander" geführt. "Ich rechne fest damit, dass wir bis zum kommenden Donnerstag eine Einigung erzielen werden", sagte Howe weiter. "Es gibt keine Alternative zu dem von uns vorgelegten Sanierungsplan." Auch Konzernchef Christoph Achenbach drängte auf eine Einigung. Sonst "steht sowohl die Kapitalerhöhung auf dem Spiel als auch die Kreditvergabe der Banken. Und damit wäre die Zukunft des Konzerns in Gefahr", sagte er in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk.

Für Donnerstag hat der Traditionskonzern eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung auf dem Programm, die wiederum über eine außerordentliche Hauptversammlung beschließen soll. Auf dem für Ende November angepeilten Aktionärstreffen will sich der Konzern die Genehmigung für die geplante Kapitalerhöhung über 500 Mill. Euro holen.

Kapitalerhöhung

Die Maßnahme ist laut Sprecher Howe wiederum die Voraussetzung, dass die Banken die notwendigen Kreditlinien auf drei Jahre verlängern. Die Großaktionäre Allianz (10,5%) und der Pool Madeleine Schickedanz (41,55%) haben bereits erklärt, die Kapitalerhöhung entsprechend ihrem Anteil zu zeichnen. Die Riedel Holding, bei der rund neun Prozent der Anteile liegen, hält sich noch immer über eine Teilnahme bedeckt, unterstützt jedoch das Sanierungskonzept. "Wir sind vom Erfolg des Kurses überzeugt", sagte der Geschäftsführer der Holding, Karl Heinz Hörmann. Die Bayernlb, die wiederum als der größter Gläubiger des Konzerns gilt, hat eine Beteiligung an der Kapitalerhöhung abgelehnt.

Bankenexperte Wolfgang Gerke bescheinigte den Kreditinstituten eine Mitschuld an der Karstadt-Krise. "Die Banken hätten als Kreditgeber wie als Aufsichtsratsmitglieder eigentlich sehen müssen, dass bei Karstadt-Quelle insbesondere das zugekauft wird, was gerade am Markt zu haben ist, dass aber keine ganz echte Langfrist-Strategie gefahren wurde, wie es andere gemacht haben", sagte Gerke im Berliner Inforadio. Eine Insolvenz könnten sich die Banken aber nicht leisten: "Das passt absolut nicht in die Landschaft."

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