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Roundup 2: Karstadt-Quelle senkt 2004-Prognosen - Quartal besser als erwartet

Knapp drei Wochen vor der überlebenswichtigen Hauptversammlung des Handelsriesen Karstadt-Quelle offenbart sich das ganze Ausmaß der Existenzkrise.

dpa-afx ESSEN. Knapp drei Wochen vor der überlebenswichtigen Hauptversammlung des Handelsriesen Karstadt-Quelle offenbart sich das ganze Ausmaß der Existenzkrise. Nach den am Mittwoch in Essen vorgelegten Zahlen für das dritte Quartal haben die Umsatzeinbrüche und Milliardenverluste die Substanz des Traditionsunternehmens tief angegriffen. Zugleich senkte der Konzern die Prognosen für das laufende Jahr, hielt aber an seinem Optimismus fest, bereits 2005 wieder in die Gewinnzone zurückzukehren. Allerdings fielen die Quartalszahlen nicht so schlecht aus, wie es Analysten erwartet hatten.

Das Konzerneigenkapital ist mit nur noch 82,7 Mill. Euro (Vorjahr: knapp 1,47 Mrd. Euro) fast völlig aufgezehrt; die Eigenkapitalquote ist damit auf gut 0,9 (14,8) Prozent zusammengeschmolzen. Die Aktien des Essener Traditionskonzerns notierten am Nachmittag mit 2,56 Prozent im Plus bei 8,82 Euro.

Kapitalerhöhung IST Dreh- und Angelpunkt

Ein Dreh- und Angelpunkt der Karstadt-Quelle-Sanierung ist zunächst die außerordentliche Hauptversammlung, die am 22. November eine Kapitalerhöhung um 500 Mill. Euro beschließen und damit das angegriffene Eigenkapital wieder auffüllen soll. "Die Mitglieder des Stimmrechtspools Madeleine Schickedanz sowie die Dresdner Bank AG haben sich grundsätzlich bereit erklärt, aus der Kapitalerhöhung neue Aktien für insgesamt rund 280 Mill. Euro zu beziehen", schreibt der Vorstand um Achenbach in seinem Quartalsbericht.

Außerdem müssen Kreditlinien im Umfang von 1,75 Mrd. Euro über das Jahresende hinaus auf eine Laufzeit von drei Jahren verlängert werden. "Hierzu befindet sich der Vorstand momentan in Verhandlungen mit einem Bankenkonsortium." Karstadt-Quelle-Sprecher Jörg Howe sagte am Mittwoch, die Verhandlungen seien auf gutem Wege. "Wir rechnen mit einem Ergebnis vor der Hauptversammlung". Ein Gutachten der Unternehmensberatung Roland Berger zu den Zukunftsaussichten des Sanierungspakets wird laut Howe voraussichtlich Mitte November vorliegen.

2005 Schwarze Zahlen Geplant

Trotz anhaltender Verluste und einer nach unten korrigierten Prognose für das zu Ende gehende Jahr bleibt Achenbach bei seinem Optimismus, bereits 2005 wieder schwarze Zahlen schreiben. "Wir halten an unseren Prognosen für 2005 und 2006 unverändert fest", sagte sein Sprecher. Bei der Vorlage des Sanierungsprogramms hatte Achenbach vor gut einem Monat für 2005 mit einem Konzernergebnis vor Steuern von 110 Mill. Euro die Rückkehr in die Gewinnzone angekündigt. Für 2006 hatte er ein Ergebnisplus auf 355 Mill. Euro in Aussicht gestellt.

Vor rund drei Wochen hatte sich das ums Überleben ringende Unternehmen nach einem Verhandlungsmarathon mit den Beschäftigten auf einen Rettungsplan geeinigt, der in den nächsten drei Jahren neben empfindlichen Lohneinbußen den Abbau von 5 500 der rund 100 000 Stellen im Konzern vorsieht. Dadurch sollen 760 Mill. Euro eingespart werden.

Post IST Favorit BEI Logistiksparte

Wichtig für die Gesundung von Bilanz und Gewinnrechnung ist neben dem laufenden Geschäft auch der geplante Verkauf von Geschäftsteilen, der mehr als eine Milliarde Euro einbringen soll. Nach Informationen der Tageszeitung "Die Welt" soll bereits an diesem Donnerstag über einen Verkauf der Logistiksparte entschieden werden. Die Deutsche Post sei der Favorit, ebenfalls im Rennen sei das Familienunternehmen Fiege aus Nordrhein-Westfalen. Als Kaufsumme für die gesamte Sparte würden 200 bis 300 Mill. Euro genannt. Post und Karstadt-Quelle wollten das Thema nicht kommentieren; Fiege bestätigte Interesse an einem Teil der Karstadt-Quelle-Logistik.

Beim erwarteten Verlust für 2004 erwies sich die Vorhersage des Konzernchefs als zu optimistisch: Statt eines angekündigten Fehlbetrags von 160 bis 200 Mill. Euro aus dem laufenden Geschäft soll das Minus für 2004 nun bei 280 bis 295 Mill. Euro liegen. Einschließlich der Sonderbelastungen aus dem laufenden Restrukturierungsprogramm lief bei Karstadt-Quelle in den ersten neun Monaten ein Minus vor Ertragssteuern und Firmenwertabschreibungen (Ebta) von 1,57 Mrd. Euro auf. Ohne diese Belastungen liege der Fehlbetrag im Konzern in den ersten neun Monaten bei 420 Mill. Euro nach 321 Mill. Euro im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Umsatzprognose Gesenkt

Auch beim Umsatz musste das Unternehmen seine Prognose mit einem jetzt erwarteten Minus von etwa sieben Prozent kräftig nach unten korrigieren. Ende September hatte Achenbach einen Umsatzrückgang für 2004 von nur 4,5 bis 5,0 Prozent in Aussicht gestellt. In den ersten neun Monaten 2004 brach der Konzernumsatz um sechs Prozent auf knapp 10,1 Mrd. Euro ein. Für kräftige Umsatzeinbußen besonders im Oktober machte der Sprecher die Negativschlagzeilen der vergangenen Wochen verantwortlich. "Nach zwei problematischen Wochen beginnt sich das Geschäft langsam wieder zu normalisieren", sagte Howe. Nun hoffe das Unternehmen auf ein "gutes Weihnachtsgeschäft".

Im dritten Quartal sank der Umsatz jedoch weniger stark als von Analysten und Unternehmen erwartet. Die Erlöse büßten 5,9 Prozent auf 3,2 Mrd. Euro (Vorjahr: 3,41 Mrd Euro) ein. Von dpa-AFX befragte Experten hatten mit einem etwas deutlicheren Rückgang auf 3,125 Mrd. Euro gerechnet. Konzernchef Christoph Achenbach selbst hatte Ende September allerdings angekündigt, dass der Quartalsumsatz nach vorläufigen Berechnungen um 8,2 Prozent sinken werde.

Der um Sonderfaktoren bereinigte Konzernverlust vor Ertragsteuern und Firmenwertabschreibungen (Ebta) verharrte im dritten Quartal überraschend bei 31 Mill. Euro. Die Belastungen durch den Umsatzrückgang seien durch die inzwischen fortgeschrittenen Programme zum Kostenabbau ausgeglichen worden, teilte Karstadt-Quelle mit. Analysten hatten hier allerdings mit einem viel deutlicheren Minus von 108 Mill. Euro gerechnet.

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