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Roundup 2: Karstadtquelle kämpft 'ums Überleben' - 'Spiegel': Kapitalerhöhung

Karstadtquelle AG zieht die Notbremse und tausende Mitarbeiter bangen um ihren Job: Nach "Spiegel"-Informationen plant der Vorstand unter Christoph Achenbach, 77 der 181 Warenhäuser abzustoßen. Zudem soll es enorme Wertberichtigungen geben, die mit einer kräftigen Kapitalerhöhung aufgefangen werden sollen, weil dem Unternehmen sonst die Pleite drohe, so das Magazin unter Berufung auf Aufsichtsratskreise. Unter anderem solle auch die Textilhaus-Kette Sinnleffers abgestoßen werden. Ein Karstadt-Sprecher wollte den Bericht nicht kommentieren. Nach Information der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" soll der Stellenabbau drastischer ausfallen als bislang bekannt.

dpa-afx ESSEN. Karstadtquelle AG zieht die Notbremse und tausende Mitarbeiter bangen um ihren Job: Nach "Spiegel"-Informationen plant der Vorstand unter Christoph Achenbach, 77 der 181 Warenhäuser abzustoßen. Zudem soll es enorme Wertberichtigungen geben, die mit einer kräftigen Kapitalerhöhung aufgefangen werden sollen, weil dem Unternehmen sonst die Pleite drohe, so das Magazin unter Berufung auf Aufsichtsratskreise. Unter anderem solle auch die Textilhaus-Kette Sinnleffers abgestoßen werden. Ein Karstadt-Sprecher wollte den Bericht nicht kommentieren. Nach Information der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" soll der Stellenabbau drastischer ausfallen als bislang bekannt.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Karstadtquelle AG, Thomas Middelhoff, stimmte die insgesamt etwa 100 000 Mitarbeiter starke Belegschaft kurz vor der Entscheidung über das Sanierungskonzept auf Opfer ein. "Es geht ums Überleben", sagte er dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Über die Einzelheiten des Sanierungskonzeptes berät der Aufsichtsrat an diesem Montag. Mit harten Einschnitten in Personal- Kosten, Filialnetz und Firmenbeteiligungen soll die Talfahrt des Essener Handelsriesen gestoppt werden.

In allen drei Kernbereichen des Essener Konzerns, im Versand- und stationären Handel sowie bei den Dienstleistungen sei die Lage "sehr ernst". Alles, was nicht Stammgeschäft sei, stehe zur Disposition. Middelhoff forderte "einen echten Solidarpakt von Mitarbeitern wie Führungskräften, Gesellschaftern und Banken". Die nahe Zukunft des Handelsriesen werde "von tiefen Schnitten und weit reichenden Schritten geprägt sein". Auch der Versandhandel von Neckermann und Quelle müsse sich auf einen "schmerzhaften Personalabbau" einstellen.

Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" stehen 8 500 Stellen auf der Streichliste, davon bis zu 6 000 im Warenhausbereich, berichtete die Zeitung am Samstag. Bisher hatte das Unternehmen angekündigt, dass die Personalkosten um einen Betrag gesenkt werden sollen, der etwa 4 000 Stellen entspricht. Offen war, ob längere Arbeitszeiten den Stellenabbau oder Verzicht auf Urlaubstage mindern werden. In Unternehmenskreisen verlautete am Sonntag, dass es nicht um eine Entlassungswelle gehe, sondern dass die Stellenzahl auch durch Firmenverkäufe und-ausgliederungen sinke.

Zuvor hatte die "Westdeutschen Allgemeine Zeitung" berichtet, dass nur 89 Warenhäuser im bisherigen Stil betrieben werden sollen. Von den restlichen 15 Warenhäuser sollen angeblich fünf geschlossen werden. Bei den 77 auszugliedernden Häusern handelt es sich dem Vernehmen nach um Filialen mit Verkaufsfläche von bis zu 8 000 Quadratmetern. Bei einem einheitlichen Konzept sollte das größte Haus nicht mehr als fünf mal größer sein als das kleinste Haus, meinte ein Unternehmens- Berater. Bei Karstadt gebe es Größenunterschiede mit dem Faktor 30. Bei kleinen Filialen wird nun eine Sortimentsbereinigung erwartet.

Auf der Verkaufsliste stehen bereits eine Mehrheitsbeteiligung (rund 75 Prozent) an der Karstadt Hypothekenbank und Anteile der Nürnberger Druckerei Maul Belser, die mehrheitlich dem Bertelsmann-Konzern gehört. Dagegen ist ein Verkauf der Beteiligung am Sport-TV-Sender DSF derzeit kein Thema, erfuhr dpa am Sonntag. Der Sender schreibe schwarze Zahlen. Beim Anteilsverkauf vor dem Ende des kommenden Jahres hätte Karstadtquelle nichts davon - der Mehrerlös müsste dem Insolvenzverwalter von Kirchmedia zufließen.

Auch die Beteiligung am Touristikkonzern Thomas Cook (50 Prozent), an die Lufhansa die andere Hälfte besitzt, stehe nicht auf der Verkaufsliste. Mit Verlusten hatte der zweitgrößte deutsche Reisekonzern Karstadtquelle im vergangenen Jahr einen Strich durch die Gewinnrechnung gemacht. Mit der US-Cafe-Kette Starbucks Corp. sollen die Verträge zum deutschen Gemeinschaftsunternehmen dem Vernehmen nach jetzt nachverhandelt werden. Bei Karstadtquelle lägen neben der Anteilsmehrheit auch Kosten und Risiken. Das Abstoßen von zahlreichen Randaktivitäten gilt als zentrales Element des Sanierungskonzeptes.

Die Kaufzurückhaltung der Verbraucher hatte Karstadtquelle in eine Schieflage gebracht. Anders als der größte deutsche Handelskonzern Metro AG verfügt Karstadtquelle im stationären Geschäft über keinen Wachstumsmotor im Ausland. Außerdem wurde Gewerkschaftskritik am damaligen Vorstandschef Wolfgang Urban laut, der Ende Mai seinen Schreibtisch räumte. Zu viele Randprojekte hätten erhebliche Kräfte gebunden und vom Kerngeschäft abgelenkt. Aktionärsschützer riefen dazu auf, bei der Sanierung nicht allein die Arbeitnehmer die Zeche bezahlen zu lassen. Der Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Marc Tüngler, sprach von einem "Schicksalstag".

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