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Roundup 2: MLP mit teils unerwartet guten Zahlen - Aber auch Wermutstropfen

Der Finanzdienstleister MLP hat seinen Quartalsgewinn dank der Nachfrage nach Altersvorsorgeprodukten sowie Kostensenkungen überraschend kräftig gesteigert und blickt optimistisch in die Zukunft. Allerdings meldete die im Mdax notierte Gesellschaft am Mittwoch einen geringeren Erlöszuwachs im zweiten Quartal als von Analysten erwartet. Außerdem zählte MLP für das abgelaufene Jahresviertel 8 000 Neukunden und damit weniger als noch zum Jahresauftakt (9 500). Die Zahl der Berater sank erneut. Seit Jahresanfang schrumpfte sie damit um 5,3 % auf 2 625 Berater.

dpa-afx HEIDELBERG. Der Finanzdienstleister MLP hat seinen Quartalsgewinn dank der Nachfrage nach Altersvorsorgeprodukten sowie Kostensenkungen überraschend kräftig gesteigert und blickt optimistisch in die Zukunft. Allerdings meldete die im Mdax notierte Gesellschaft am Mittwoch einen geringeren Erlöszuwachs im zweiten Quartal als von Analysten erwartet. Außerdem zählte MLP für das abgelaufene Jahresviertel 8 000 Neukunden und damit weniger als noch zum Jahresauftakt (9 500). Die Zahl der Berater sank erneut. Seit Jahresanfang schrumpfte sie damit um 5,3 % auf 2 625 Berater.

Für die zweite Jahreshälfte gab sich der Finanzplaner und Versicherungsmakler dennoch zuversichtlich. Im Gesamtjahr strebt MLP weiter zweistellige Zuwächse bei Umsatz und Ergebnis an. Die Gewinne sollen dabei deutlicher zulegen als die Erlöse. Unternehmenschef Uwe Schroeder-Wildberg kündigte bei einer Telefonkonferenz an, dass MLP Berater einstellen werde. Gegenwärtig betreue ein Berater im Schnitt etwa 220 Kunden. "Das ist eine Größenordnung, die gut zu bewältigen ist." Im nächsten Jahr solle die Zahl der Berater unter dem Strich um 200 bis 350 steigen. Analysten sehen die Zahl der Berater als Indikator für künftiges Wachstum.

MLP hält laut Schroeder-Wildberg am Jahresziel fest, die Kundenzahl prozentual zweistellig zu steigern. "Es bleibt aber ambitioniert, wir müssen da noch mehr tun." Ende Juni zählte MLP 579 000 Kunden - 3,1 % mehr als Ende 2003. Die Heidelberger setzen auf die traditionell stärkere zweite Jahreshälfte. Zielgruppe der MLP AG sind Akademiker. Vergangenen Donnerstag hatte der Wettbewerber AWD mit überraschend guten Zahlen aufgewartet und anders als MLP seine Jahresprognosen aufgestockt. Die MLP-Aktie sank bis Mittwochnachmittag um 0,59 % auf 11,73 ?. Am Morgen hatte sie sich um mehr als zwei Prozent verteuert, war dann aber am Vormittag um über ein Prozent ins Minus gerutscht. In den vergangenen Tagen hat der Titel insgesamt aber an Wert gewonnen.

Wermutstropfen IM Geschäftsbericht

Analysten bewerteten die Zahlen als gut, wiesen aber auf Wermutstropfen im Halbjahres-Bericht hin. "Der überraschende Rückgang bei den Neukunden wirft Fragen auf, ob die vom Unternehmen geplanten zweistelligen Wachstumsraten mittelfristig zu halten sind", schrieb Helaba-Experte Karsten Keil. Der Finanzdienstleister dürfte zwar bis Jahresende von der Abschaffung des Steuerprivilegs für Kapital bildende Lebensversicherungen ab 2005 profitieren. Allerdings könnte sich der weitere Aderlass bei den Beratern noch belastend auswirken.

Auch die Experten der Landesbank Rheinland-Pfalz äußerten sich kritisch. Als enttäuschend werteten sie den anhaltenden Trend sinkender Beraterzahlen. "Trotz des guten Ergebnisses sehen wir die weiterhin hohe Fluktuation unter den MLP-Beratern als Belastungsfaktoren für künftiges Wachstum. Auf Dauer kann MLP diese Ergebnissteigerungen nicht durch Kosteneinsparungen erzielen." HVB-Analyst Lucio Di Geronimo mahnte: "Im zweiten Halbjahr muss MLP den Berater-Abgang stoppen und das Kundenwachstum beschleunigen."

Ausblick

Der Finanzdienstleister stellte für das Gesamtjahr auf Nachfrage einen Vorsteuergewinn von 85 bis 90 Mill. ? in Aussicht. Mit dieser Analysten-Prognose komme MLP gut zurecht, sagte Schroeder-Wildberg. Wegen den ab 2005 wegfallenden Steuervergünstigungen bei Lebensversicherungen sieht MLP im nächsten Jahr eine Nachfrageverlagerung hin zu Rentenversicherungen. "Das Alterseinkünftegesetz ist die größte Rentenkürzung in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland", sagte der Konzernchef. Die Menschen würden daher mehr Geld in die private Altersvorsorge stecken. MLP sei darauf wegen seiner "ganzheitlichen Beratung" gut vorbereitet.

MLP plant neue Produkte sowie Dienstleistungen und setzt auf neue Wachstumsbereiche. Derzeit werden die betriebliche Altersvorsorge sowie die Vermögensverwaltung wohlhabender Privatkunden aufgebaut. Die betriebliche Altersvorsorge soll in fünf bis sechs Jahren einen prozentual zweistelligen Beitrag zum Umsatz liefern. Anfang August hatte der Finanzdienstleister gemeldet, sein Angebot für vermögende Privatkunden auszubauen und dazu mit der Berenberg Bank zusammenzuarbeiten. Für das defizitäre Auslandsgeschäft peilt MLP 2005 die Gewinnschwelle an.

Im laufenden Jahr fallen bei den Heidelbergern Umstrukturierungskosten von etwa zehn Mill. ? an. HVB-Analyst di Geronimo verwies darauf, dass davon im zweiten Quartal lediglich 1,6 Mill. ? verbucht worden seien. Das Wertsteigerungsprogramm "MLP Best Value" zeigte in den ersten sechs Monaten Wirkung. Fokus des Programms sind interne Prozesse, die Ausbildung der Berater und das Geschäftsstellennetz. Der Halbjahres-Ertrag je Geschäftsstelle stieg um 59,4 % auf 672 918 ?. Der Umsatz pro MLP-Berater wuchs um 47,7 % auf 81 006 ?. Im zweiten Quartal senkte MLP die betrieblichen Aufwendungen im Jahresvergleich um rund 6,5 Mill. ?.

Quartals- UND Halbjahres-Ergebnisse

Im zweiten Quartal stiegen die Gewinne im Jahresvergleich teils unerwartet deutlich. Die Erlöse kletterten dagegen nicht so stark wie von Analysten erwartet. Der Überschuss stieg um 45 % auf 10,0 Mill. ? (Halbjahr +54,9% auf 18,9 Mio). "Hauptwerttreiber" war wie zum Jahresauftakt laut Schroeder-Wildberg das Segment Beratung und Vertrieb. Die Gesamterträge wuchsen um 12,4 % auf 138,5 Mill. ? (Halbjahr +26,7% auf 286 Mio). Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte wie erwartet um 9,2 % auf 17,8 Mill. ? zu (Halbjahr +23,4% auf 35,3 Mio). Der Vorsteuergewinn (EBT) wuchs um rund ein Drittel auf 16,2 Mill. ? (Halbjahr +43,3% auf 30,8 Mio).

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