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Roundup 2: Sanierung bei Karstadt-Quelle kommt nur langsam voran

Die Sanierung des angeschlagenen Handelskonzerns Karstadt-Quelle kommt langsamer voran als gedacht. Angesichts der heftigen Umsatzrückgänge in den Warenhäusern reduzierte das Unternehmen am Montag erneut die Gewinnprognose für das kommende Jahr.

dpa-afx DÜSSELDORF. Die Sanierung des angeschlagenen Handelskonzerns Karstadt-Quelle kommt langsamer voran als gedacht. Angesichts der heftigen Umsatzrückgänge in den Warenhäusern reduzierte das Unternehmen am Montag erneut die Gewinnprognose für das kommende Jahr. Zwar gehe man weiterhin davon aus, 2005 in die schwarzen Zahlen zu kommen, sagte Vorstandschef Christoph Achenbach am Montag auf der außerordentlichen Hauptversammlung in Düsseldorf. Dies werde allerdings nur "knapp" gelingen, ergänzte ein Konzernsprecher. Das ursprünglich angestrebte, "deutlich" positive Ergebnis vor Ertragsteuern und Firmenwertabschreibungen (Ebta) werde nun voraussichtlich erst im Geschäftsjahr 2006 erreicht. Die im MDax notierte Karstadt-Aktie verlor zwischenzeitlich knapp zwei Prozent auf 9,95 Euro.

Achenbach gab Details für die Kapitalerhöhung bekannt, die noch am Montag von den Aktionären abgesegnet werden sollte. Da die Großaktionäre grünes Licht gegeben haben, gilt die Zustimmung der Hauptversammlung als Formsache. Insgesamt sollen rund 93,041 Mill. neue Aktien ausgegeben werden, um 500 Mill. Euro für die Sanierung des Unternehmens zu erlösen. Damit wird das Grundkapital fast verdoppelt. Die Hauptaktionärin Madeleine Schickedanz (Pool/41,55 Prozent) und die Dresdner Bank hätten zugesagt, sich mit insgesamt rund 280 Mill. Euro an der Kapitalerhöhung zu beteiligen, sagte Achenbach. Voraussetzung dafür sei aber, dass der mit den Banken vereinbarte Kredit von 1,75 Mrd. Euro für die nächsten Jahre auch tatsächlich umgesetzt werde. Weiterer Großaktionär des Handelsriesen ist die Allianz (10,5 Prozent), rund 36 Prozent der Aktien sind im Streubesitz.

Erwarteter Preis JE Aktie BEI 5,38 Euro

Mit dem Bankenkonsortium sei vereinbart worden, die neuen Aktien im Verhältnis acht zu sieben anzubieten. Für acht alte Karstadt-Quelle-Aktien können also sieben neue Aktien bezogen werden. Die Höhe des Bezugspreises hänge vom Marktumfeld ab, sagte Achenbach. Er erwarte einen Preis von mindestens 5,38 Euro. "Sollte der Bezugspreis unter 5,38 Euro liegen, wäre mit der heute zu beschließenden Kapitalerhöhung der geplante Emissionserlös von mindestens 500 Mill. Euro nicht auf direktem Weg zu erzielen." In diesem Fall werde der Vorstand mit Zustimmung des Aufsichtsrats mehr als die geplanten 93 041 375 Anteilsscheine platzieren.

Die Bezugsfrist für die neuen Aktien von Karstadt-Quelle soll am 30. November beginnen und am 13.Dezember enden. Das sagte Vorstandschef Christoph Achenbach am Montag auf der außerordentlichen Hauptversammlung in Düsseldorf. Am 29. November sei der Verkaufsprospekt bei den Banken zu erhalten. Der Bezugsrechtshandel laufe am 9. Dezember aus. Am 14. Dezember würden die neuen Aktien erstmals an der Börse gehandelt, sagte Achenbach.

Banken Wollen Sanierer

Karstadt-Quelle hat Gespräche mit den Banken über einen beratenden Sanierungsexperten für den Vorstand bestätigt. Es werde über diesen Punkt gesprochen, eine formale Anfrage gebe es aber nicht, sagte ein Konzernsprecher am Montag der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Die Banken wollen einen Experten im Umfeld von Karstadt-Chef Christoph Achenbach platzieren, um den Sanierungskurs zu begleiten. Achenbach betonte aber, dieser Sanierungsexperte werde keinen Vorstandssitz erhalten. Das Bankkonsortium hat dem Konzern für drei Jahre Kredite über 1,75 Mrd. Euro zugesagt.

In den ersten neun Monaten 2005 hatte der Konzern einen Verlust von 1,57 Mrd. Euro ausgewiesen und sich auf ein 760-Millionen-Euro-Sparpaket mit der IG Metall geeinigt. Im Warenhausbereich sollen 4 200 Stellen gestrichen werden. Bislang war der Wegfall von rund 4 000 Stellen im Warenhausbereich und 1 500 Stellen im Versandhandel die Rede. "Die wirtschaftliche Situation zwingt uns zu den tiefsten Einschnitten, denen sich Karstadt jemals unterziehen musste", meinte Achenbach. Die vom Karstadt-Quelle-Konzern geplante Trennung von Immobilien und Beteiligungen sei wegen zu niedriger Preisangebote aber komplizierter als gedacht.

Bald Erste Vertragsabschlüsse

"Da die gebotenen Preise für einzelne Objekte teilweise noch nicht unseren Vorstellungen entsprechen, werden wir zunächst noch mit der Veräußerung warten und weitere Angebote einholen", sagte Vorstandschef Christoph Achenbach am Montag in Düsseldorf. Deshalb werde der erwartete Liquiditätszufluss nicht je zur Hälfte in 2004 und 2005 erfolgen, sondern "zu größeren Teilen" auf das Jahr 2005 entfallen. Insgesamt will das Unternehmen aus den Verkäufen eine Milliarde Euro erzielen. Mehrere Logistikkonzerne sollen an der Logistiksparte der Essener interessiert sein.

Beim geplanten Verkauf der Facheinzelhändler rechnet Achenbach in den kommenden Wochen und Monaten mit ersten Vertragsabschlüssen. Dies betreffe vor allem die "Wehmeyer"-Linie "Ladies Point" mit 16 Standorten. Es gebe "eine rege Nachfrage vieler Interessenten". Auch ist Karstadt optimitisch, die Fitness-Studios verkaufen zu können. Für die 77 kleineren Warenhäuser, die im Paket verkauft werden sollen, gibt es früheren Angaben zufolge fünf ernsthafte Interessenten aus dem In- und Ausland.

Auf der Verkaufsliste stehen auch die Fachhändler "Runners Point", "Golf House", "Wehmeyer" und "Sinn-Leffers". Festhalten will Karstadt-Quelle an der Beteiligung am Reisekonzern Thomas Cook. Bei einem guten Preis veräußert werde könne unter Umständen auch die 40-Prozent-Beteiligung am TV-Sportsender DSF. Nach der Sanierung soll der Konzern nur noch aus 89 Warenhäusern und 32 Sporthäusern bestehen.

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