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Roundup 2: Spanische Hotelketten steigen bei Tui ein - WestLB verkauft Anteil

Nach monatelangen Spekulationen hat sich die WestLB von ihrem Anteil an Europas größtem Touristikkonzern Tui getrennt und den Weg für den Einstieg spanischer Hotelketten frei gemacht.

dpa-afx HANNOVER. Nach monatelangen Spekulationen hat sich die WestLB von ihrem Anteil an Europas größtem Touristikkonzern Tui getrennt und den Weg für den Einstieg spanischer Hotelketten frei gemacht. Die Düsseldorfer Bank veräußerte am Mittwoch ihr Aktienpaket von 31,3 Prozent für fast eine Milliarde Euro an die Deutsche Bank , die wiederum 17,3 Prozent direkt an ein Konsortium unter der Führung der RIU Hotel Gruppe weiter verkaufte.

Die restlichen 14 Prozent will die Deutsche Bank in Kürze bei Investoren in Europa und den USA platzieren. Der Einstieg von der RIU Gruppe, die zehn Prozent am Grundkapital übernehmen, dürfte Tui-Chef Michael Frenzel nicht überrascht haben: Die Hannoveraner sind zu 50 Prozent an der RIU Hotel-Holding beteiligt. Allerdings habe RIU die 10-Prozent Beteiligung über eine Familiengesellschaft gekauft, an der Tui nicht beteiligt sei, sagte ein Konzernsprecher. Von einem "indirekten Aktienrückkauf" könne daher keine Rede sein.

Die WestLB hatte bereits vor Monaten den Ausstieg bei Tui angekündigt. Nach Informationen aus Bankenkreisen verkauften die Düsseldorfer das Aktienpaket über dem Buchwert von knapp 922 Mill. Euro. Das erfuhr die Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. In der WestLB-Bilanz stand der Anteil von rund 55,86 Mill. Aktien zu einem Preis von je 16,50 Euro. Das gesamte Tui-Grundkapital umfasste Ende September rund 178,47 Mill. Aktien.

RIU Langjähriger Partner

Unternehmenschef Frenzel begrüßte den Anteilsverkauf als eine "sehr gute Lösung". Mit RIU arbeite man seit Jahren zusammen, die Gruppe sei ein vertrauensvoller Partner. Die gefundene Lösung nehme die Unsicherheit aus den Märkten. "Der Konzern kann sich wieder voll auf das operative Geschäft konzentrieren. Der mit dem 3. Quartal veröffentlichte positive Trend setzt sich fort, die Buchungsentwicklung ist weiterhin stark", sagte er.

Etwa zehn Prozent der Anteile gehen nach Angaben der Deutschen Bank mit einem Aufschlag gegenüber dem Schlusskurs der Tui-Aktie vom Dienstag (16,75 Eruo) an RIU, rund sieben Prozent erwerben die Kette Grupo de Empresas Matutes und die Bank Caja de Ahorros del Mediteraneo.

Über den Einstieg der Spanier bei Tui war bereits seit Monaten spekuliert worden. Tui selbst ist mit 50 Prozent an der RIU-Hotel-Holding beteiligt und arbeitet seit Jahren eng mit der Gruppe zusammen. Die Spanier haben weltweit rund 110 Hotels mit über 60 000 Betten und wollen in diesem Jahr rund 900 Mill. Euro umsetzen. Nach Brancheninformationen wollte RIU unbedingt einen Einstieg des spanischen Rivalen Barcelo bei Tui verhindern.

Aktie Verliert

Die verbleibenden 14 Prozent an dem im Dax notierten Unternehmen will die Deutsche Bank in einem beschleunigten Bookbuilding-Verfahren an institutionelle Investoren in Europa und den USA weiterverkaufen. Die zweite Tranche könne noch am Mittwoch oder Donnerstag abgeschlossen werden, war in Frankfurt zu erfahren.

Die Tui-Aktien gaben zunächst deutlich nach. Das kurzfristige Überangebot an Tui-Aktien habe den Kursrutsch ausgelöst, sagten Händler am Frankfurter Aktienmarkt. Außerdem hätten sich die Übernahmespekulationen erledigt. Tui-Papiere verloren am Mittwochvormittag bis zu drei Prozent, konnten sich aber bis zum Mittag wieder leicht erholen. Zuletzt notierten sie in einem behaupteten Gesamtmarkt mit einem Abschlag von 1,49 Prozent bei 16,50 Euro.

Die Landesbank Rheinland Pfalz (LRP) wertete den Einstieg von RIU positiv. Schließlich sei "die RIU-Gruppe kein ungeduldiger Finanzinvestor, sondern könnte als strategischer Partner zum operativen Konzerngeschäft beitragen", hieß es in einer Analyse. Die Aufteilung der bisherigen WestLB-Anteile in zwei Tranchen bedeute zudem, dass eine feindliche Übernahme von Tui erschwert worden sei.

Anteilspreis BIS ZU Eine MRD Euro

Bei einer Marktkapitalisierung von rund drei Mrd. Euro liegt der Wert des WestLB-Anteils an der Tui bei fast einer Milliarde Euro. Über finanzielle Details wurden offiziell keine Angaben gemacht. "Die im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat vorgenommene Veräußerung der Tui-Beteiligung von insgesamt rund 31,3 Prozent steht im Einklang mit der Unternehmensstrategie der WestLB, nicht-strategische Beteiligungen der Bank abzubauen", teilte die Düsseldorfer Bank mit.

"Wir haben unser Ziel, die Tui-Aktien noch in diesem Jahr zu einem angemessenen Preis in verantwortungsvolle Hände abzugeben, vollauf erreicht", sagte WestLB-Vorstandschef Thomas Fischer. "Durch die Veräußerung von Tui ist die geplante Konzentration der WestLB auf das eigentliche Bankgeschäft ein wesentliches Stück voran gekommen." Die WestLB werde ihre Mandate im Tui-Aufsichtsrat vorerst weiter ausüben.

Spekulationen

Vor einigen Monaten hatte es wegen des bevorstehenden Verkaufs des WestLB-Anteils Spekulationen über eine mögliche feindliche Übernahme von Tui gegeben. Die Gerüchte waren seinerzeit durch den Aufkauf von Tui-Aktien durch die Investmentbank Morgan Stanley angeheizt worden. Ende September hatte die Bank dann aber mitgeteilt, dass sie ihre Beteiligung von 10,1 Prozent auf 0,23 Prozent reduziert habe. Als potenzieller Käufer wurde ebenfalls RIU genannt, eine offizielle Bestätigung gab es jedoch nicht. In Folge der Spekulationen hatte die Tui-Aktie zu einem Höhenflug angesetzt und das Unternehmen damit den zuvor unsicheren Verbleib in der Börsen-Bundesliga Dax geschafft.

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