Archiv
Roundup 2: Telekom-Autria-Verkauf an Swisscom platzt

Wien/Bern (dpa-AFX/APA) - Die in den vergangenen Tagen heiß diskutierte Übernahme der Telekom Austria (TA) durch die Schweizer Swisscom AG ist geplatzt: Der österreichische Finanzminister Karl-Heinz Grasser, der bisher als Befürworter des Deals galt, hat Donnerstagfrüh gemeinsam mit den Öiag-Spitzen entschieden, die Verhandlungen mit den Schweizern unmittelbar vor dem Abschluss zu stoppen. Die Öiag begründet den Rückzieher mit einer Reihe offener Fragen, die die für Sonntag anberaumte Entscheidung verunmöglicht hätten. Die Siwsscom hingegen spricht offen von einer "politischen Entscheidung" in Österreich.

Wien/Bern (dpa-AFX/APA) - Die in den vergangenen Tagen heiß diskutierte Übernahme der Telekom Austria (TA) durch die Schweizer Swisscom AG ist geplatzt: Der österreichische Finanzminister Karl-Heinz Grasser, der bisher als Befürworter des Deals galt, hat Donnerstagfrüh gemeinsam mit den Öiag-Spitzen entschieden, die Verhandlungen mit den Schweizern unmittelbar vor dem Abschluss zu stoppen. Die Öiag begründet den Rückzieher mit einer Reihe offener Fragen, die die für Sonntag anberaumte Entscheidung verunmöglicht hätten. Die Siwsscom hingegen spricht offen von einer "politischen Entscheidung" in Österreich.

Der Aktien der Telekom Austria, die zwischenzeitlich vom Handel ausgesetzt wurden, brach anschließend um mehr als 20 % ein. Das Unternehmen hat damit an einem Tag 1,4 Mrd. ? an Wert verloren. Nach den seit Ende vergangener Woche durchgesickerten Informationen über den Deal war es in den Tagen davor zu einem massiven Run auf das Papier gekommen.

Modell

Das zwischen Öiag und Swisscom ausverhandelte Modell hätten auch dem Streubesitz einen Stückpreis von etwa 15,45 ? pro Aktie gebracht. Stattdessen ist die TA-Aktie nach Platzen des Deals am Donnerstag mit 11,40 ? aus dem Handel gegangen.

Die Öiag will nun wie ursprünglich geplant ein Aktienpaket von 17 % über die Börse veräußern, danach hält die Staatsholding (ohne 5-Prozent-Wandelanleihe) noch 25 % an dem österreichischen Telekom-Konzern. Experten bezweifelten allerdings, dass die Börseplatzierung noch in diesem Jahr über die Bühne gehen kann. Öiag-Vorstand Peter Michaelis schloss daher eine Verschiebung der Platzierung auf 2005 nicht aus.

Über den eigentlichen Grund des Scheiterns des Deals mit der Schweiz gaben das Management von Öiag und Telekom Austria in einer eilig einberufenen Pressekonferenz in den Nachmittagsstunden nur vage Auskunft. Zwar seien "95 % der Hausaufgaben gemacht worden", sagte Öiag-Aufsichtsratschef Alfred Heinzel. Offene Punkte hätte es aber sowohl noch zwischen den Unternehmen als auch auf politischer Ebene gegeben. Oft seien eben "im Leben die Letzen 5 % die entscheidenden", meinte Telekom Austria-Chef Heinz Sundt.

'Politische Entscheidung'

Ganz anders sieht man das in der Schweiz: Die verbleibenden 5 % hätten seiner Meinung nach "keine wesentlichen Veränderungen mehr ergeben", sagte Swisscom-Chef Jens Alder. Letztendlich sei der Abbruch der Gespräche von österreichischer Seite eine "politische Entscheidung" in Österreich gewesen. Der Swisscom-Chef gesteht allerdings auch selbst mögliche Verhandlungsfehler in der Endphase ein. Die Swisscom habe zuletzt noch einmal eine Zeitverlängerung beantragt, was "bei so einem komplexen Deal nichts unübliches" sei, "bei dem sehr filigranen politischen Entscheidungsprozess" in Österreich aber vielleicht falsch aufgefasst worden sei.

Gröbere Differenzen - außer über die Fristverlängerung - soll es zwischen Öiag und Swisscom ansonsten nicht mehr gegeben haben, heißt es hinter vorgehaltener Hand auch in Wien. Vielmehr soll es eine Weisung von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) an Finanzminister Karl-Heinz Grasser gegeben haben. Auch Vizekanzler Hubert Gorbach (F) soll Bedenken im Zusammenhang mit den Vorarlberger Landtagswahlen im September angemeldet haben, hört man aus Verhandlungskreisen.

Finanzminister Grasser selbst sah das am Donnerstag anders. Er führt das Scheitern des Deals auf "eine ganze Reihe von harten österreichischen Bedingungen" zurück, über die "die Schweizer nicht drüberspringen" konnten. Vor allem soll es laut Wiener Regierungskreisen um ausreichenden Einfluss Österreichs gegangen sein, um Mitspracherechte, das Hauptquartier in Wien und die Sicherung von österreichischen Arbeitsplätzen. Der Swisscom-Vorstand habe dies zugesagt, der Verwaltungsrat der Swisscom hätte den Bedingungen aber nicht zustimmen wollen, hieß es.

Unverständnis

Völliges Unverständnis für diese Argumentation kommt von Swisscom-Chef Alder: Der Verwaltungsrat der Swisscom sei in den gesamten Entscheidungsprozess eingebunden gewesen und "voll und ganz" hinter den Verhandlungen gestanden. Und auch die Öiag hatte zuvor eigentlich betont, dass man sich über das Headquarter in Wien und die Mitspracherechte geeinigt habe.

Ohne Politik wäre es in Österreich allerdings nicht gegangen, denn für den Deal hätte das Öiag-Gesetz geändert werden müssen, was zwar mit einfacher Mehrheit möglich und daher mit Regierungsmehrheit machbar gewesen wäre. Die FPÖ hatte aber schon in den vergangenen Tagen massive Vorbehalte gegen die sich abzeichnende Verschränkung geltend gemacht. Heftige Kritik an den Übernahmeplänen der Schweizer hatten ebenso SPÖ, Gewerkschaft und auch Kleinaktionärsvertreter geübt.

Während der geplatzte Deal bei den TA-Belegschaftsvertretern Jubel auslöste, kündigte SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer eine Ministeranklage gegen Finanzminister Grasser an, da durch dessen Vorgehen dem österreichischen Kapitalmarkt, dem einzelnen Aktionär und dem Wirtschaftsstandort massiver Schaden zugefügt worden sei. Die Öiag-Spitze müsse wegen "nachweislicher Inkompetenz" sofort abgelöst werden. Vizekanzler Gorbach hingegen zeigte umgehend "großes Verständnis" für den Abbruch der Gespräche.

Bei den direkt beteiligten Verhandlern von Telekom, Swisscom und Öiag wird das Scheitern hingegen allseits bedauert. Das in dem ausgearbeiteten Modell vorgesehene Zusammengehen der beiden alpenländischen Unternehmen hätte zur Entstehung des siebtgrößten europäischen Telekomkonzerns mit ausgezeichneten Wachstumschancen in Ost- und Südosteuropa geführt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%