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Roundup 2: Thyssen-Krupp will Stahlgeschäft Milliarden-Investitionen ausbauen

Mit Mrd.-Investitionen will sich Deutschlands größter Stahlhersteller Thyssen-Krupp einen Spitzenplatz in der boomenden Branche sichern. Das Unternehmen prüfe derzeit den Neubau eines Stahlwerks mit Investitionskosten von rund 1,5 Mrd. Euro, kündigte der Vorstandsvorsitzende der Thyssen-Krupp Steel AG, Ulrich Middelmann, am Dienstag bei der Weltstahlkonferenz in Istanbul an.

dpa-afx ISTANBUL. Mit Mrd.-Investitionen will sich Deutschlands größter Stahlhersteller Thyssen-Krupp einen Spitzenplatz in der boomenden Branche sichern. Das Unternehmen prüfe derzeit den Neubau eines Stahlwerks mit Investitionskosten von rund 1,5 Mrd. Euro, kündigte der Vorstandsvorsitzende der Thyssen-Krupp Steel AG, Ulrich Middelmann, am Dienstag bei der Weltstahlkonferenz in Istanbul an.

Als mögliche Standorte für das neue Werk kämen Brasilien, Australien oder Russland in Betracht, sagte Middelmann. Die endgültige Entscheidung über die Großinvestition sei noch "eine Frage von Monaten". Analysten werteten den geplanten Bau "leicht negativ", da ein teurer Kapazitätsausbau langfristig die Gefahr von Überkapazitäten berge. Für das zu Ende gegangene Geschäftsjahr 2003/2 004 (30. September) kündigte Middelmann ein Rekordergebnis für Thyssen-Krupp Steel "nahe dem Ziel von 800 Mill. Euro" an.

Salzgitter

In Europa werde der Kauf oder eine Beteiligung an einem Stahlunternehmen geprüft. Der Konzern wolle aktiv an der Konsolidierung der Branche mitwirken. Denkbar seien ein Kauf oder eine Beteiligung. Eine Größenordnung oder mögliche Kandidaten nannte der Stahlmanager nicht. Zusätzlich seien für den Thyssen-Krupp-Standort Duisburg Investitionen in den Neubau eines Hochofens und in die Überholung bestehender Anlagen in der Größenordnung von rund 350 Mill. Euro geplant, sagte Middelmann.

Als möglicher Kaufkandidat gilt bei Analysten die Salzgitter AG, deren Aktie zwischenzeitlich um 4,5 Prozent zulegte. Salzgitter dementierte eine mögliche Übernahme. "Das ist reine Spekulation und entbehrt jeglicher Grundlage", sagte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage. Großaktionär Nordlb will sich von ihrer Beteiligung an dem Stahlkonzern zurückziehen. Das Finanzinstitut hat seinen Anteil zuletzt auf 9,6 Prozent deutlich abgebaut. Nach Angaben einer Sprecherin wurde die Aktien in kleinen Paketen über einen längeren Zeitraum verkauft.

Thyssen-Krupp Will Unter DIE TOP Acht Beim Flachstahl

Das geplante Stahlwerk werde eine Kapazität von vier bis fünf Mill. Tonnen haben, sagte Middelmann. Standort werde ein "Niedrigkostenland mit lokalen Rohstoffvorkommen" sein. Dies sei Voraussetzung dafür, dass Thyssen-Krupp auch künftig in der "Oberliga der Stahlkonzerne" weiter mitspielen könne. Beim Flachstahl strebe das Unternehmen weltweit eine Position unter den "Top Acht" an. Nach der Fusion mit Krupp ist das Unternehmen in der Randfolge der führenden Stahlschmelzer zurückgefallen.

Mit dem in Aussicht gestellten Ergebnis "nahe dem Ziel" von rund 800 Mill. Euro vor Steuern konnte Deutschlands führendes Stahlunternehmen sein Ergebnis im zweiten Jahr in Folge verdoppeln. Bereits im Vorjahr hatte das Unternehmen sein Ergebnis von 167 Mill. Euro auf 384 Mill. Euro im Geschäftsjahr 2002/2 003 gesteigert.

Kein Interesse AN Kokerei-Neubau IM Ruhrgebiet

Vor dem Hintergrund explodierender Rohstoffpreise beklagte der Thyssen-Krupp Steel-Chef jedoch die Bindung an langfristige Verträge mit Kunden, die eine Weitergabe der gestiegenen Kosten in vielen Fällen unmöglich machten. In den zurückliegenden Monaten habe Thyssen-Krupp daher nicht mehr wie bisher von dem guten Markt beim Stahl profitieren können. "Wir haben daran gearbeitet auch langfristige Verträge zu haben. Das ist im Moment ein leichter Nachteil", sagte Middelmann.

Einer möglichen Beteiligung am Neubau einer Kokskohlenzeche im Ruhrgebiet oder an der Erweiterung der Kokerei des RAG-Konzerns Prosper in Bottrop erteilte der Thyssen-Krupp Steel-Chef eine klare Absage. "Es werden hinreichend Kokereien gebaut in der Welt", sagte Middelmann. Auch eine neue Kokskohlen-Zeche in Deutschland, wie von RAG-Chef Werner Müller ins Gespräch gebracht, läge mit ihren Förderkosten im Vergleich "eher auf der teuren Seite".

Middelmann schlug der RAG stattdessen eine Beteiligung an der Kokerei der Hüttenwerke Krupp-Mannesmann (HKM) in Duisburg-Huckingen vor. Ein solcher Ausbau der HKM-Kokerei sei für "unter 300 Mill. Euro" möglich und böte den Vorteil eines Verbunds mit dem benachbarten Stahlwerk. "Prosper auszubauen, darauf würden wir als Stahlexperten nicht kommen", sagte er.

Die Aktie von Thyssen-Krupp gewann bis 15.45 Uhr 0,8 Prozent auf 16,39 Euro. Zwischenzeitlich hatte die Aktie knapp zwei Prozent verloren.

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