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Roundup 3: General Motors will Europageschäft ohne Kündigungen sanieren

Im Konflikt um den Erhalt von 10 000 Arbeitsplätzen bei Opel zeichnet sich eine Lösung ab: Der weltgrößte Autobauer General Motors Co. (GM) will sein verlustreiches Europageschäft mit Opel im Zentrum ohne betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen sanieren.

dpa-afx RÜSSELSHEIM. Im Konflikt um den Erhalt von 10 000 Arbeitsplätzen bei Opel zeichnet sich eine Lösung ab: Der weltgrößte Autobauer General Motors Co. (GM) will sein verlustreiches Europageschäft mit Opel im Zentrum ohne betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen sanieren. Auf diese Rahmenvereinbarung einigten sich das Management von GM Europe und Arbeitnehmervertreter, teilte der Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz am Mittwoch in Rüsselsheim mit.

Wie die konkrete Umsetzung für die deutschen Opel-Standorte in Rüsselsheim, Bochum, Kaiserslautern und Eisenach aussieht, will GM erst am Donnerstag bekannt geben. Dann wird die Belegschaft über das Sparprogramm informiert. Die GM-Zentrale in Zürich sowie Opel wollten am Mittwoch keinen Kommentar abgeben. Unternehmenskreise gehen aber davon aus, dass die Vereinbarung wegweisend ist und GM auch bei Opel auf Kündigungen verzichten wird. Der Betriebsratschef von Opel in Kaiserslautern, Alfred Klingel, sieht dagegen die Arbeitsplätze am Standort weiter gefährdet. "Das ist bislang nur eine Absichtserklärung."

Nach Informationen der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" werden bei Opel in den kommenden beiden Jahren 8 500 Arbeitsplätze gestrichen. Das angestrebte Einsparziel von 500 Mill. Euro werde ohne betriebsbedingte Kündigungen erreicht, berichtet die WAZ (Donnerstagausgabe) unter Berufung auf informierte Kreise. Teilnehmer der Verhandlungen gingen davon aus, dass GM rund eine Milliarde Euro bereitstellen wird, um den Personalabbau sozial abzufedern und Massenentlassungen zu verhindern. Diese bereits zuvor in den Medien erwähnte Summe wird auch von der "Berliner Zeitung" (Donnerstagausgabe) unter Berufung auf den Gesamtbetriebsrat genannt.

Die Konzernzentrale in Detroit muss dies noch akzeptieren. "Ich gehe davon aus, dass der GM-Verwaltungsrat dem ausgehandelten Paket zustimmt", sagte Franz. "Es ist die Basis für die Zukunft, die Basis für alles."

Der erreichte Kompromiss stellt allerdings nur eine Teillösung dar. "Jetzt stehen weitere Fragen an. Wir fordern eine Standortsicherung für die Opel-Werke und eine Bestandsgarantie für die Arbeitsplätze bis 2010", sagte Franz. Dazu seien die verbleibenden 20 000 Mitarbeiter zu Zugeständnissen bereit. Diskutiert werde über einen Verzicht auf einen Großteil der übertariflichen Leistungen.

Offen ist weiterhin, an welchem Standort die neue Mittelklasse (Opel Vectra und Saab 9-3) gebaut wird. Die Verhandlungen könnten sich deswegen trotz der ersten Einigung bis zum zweiten Quartal 2005 hinziehen, sagte der GM-Europa-Vize Carl-Peter Forster dem "Handelsblatt" (Mittwochausgabe). So lange werde es dauern, die Gespräche zu beenden und die Maßnahmen von den Gremien abgesegnet zu lassen, sagte Forster. GM halte daran fest, den Großteil der geplanten Maßnahmen noch im Jahr 2005 zu realisieren.

Im Bochumer Opelwerk wollen die Betriebsräte am Donnerstag während der Frühschicht die Vertrauensleute und die 9 600 Mitarbeiter informieren. Die Stimmung in Bochum ist gespannt. Ob es bei einer Weigerung von GM wieder zum Streik kommt, ist ungewiss. "Das wird aus dem Bauch heraus kommen", sagte ein Vertrauensmann. "Einige werden dann wohl spontan den Hammer fallen lassen." Mitte Oktober hatten die Mitarbeiter des Opel-Werkes in Bochum aus Protest gegen die GM - Sparpläne sieben Tage lang in einem wilden Streik die Arbeit niedergelegt.

Das Opel-Werk in Eisenach bleibt nach Betriebsratsangaben von den Einsparungen des Mutterkonzerns General Motors in Europa weitgehend verschont. "Eisenach ist im Moment nicht Teil des Sparpakets", sagte Betriebsratschef Harald Lieske der dpa. Geplant sei nur, durch Fluktuation oder Altersteilzeit frei werdende Stellen nicht wieder zu besetzen. Das Opel-Werk, das in diesem Jahr nicht ausgelastet ist, gehört mit rund 1 800 Beschäftigten zu den größten Industriearbeitgebern in Thüringen.

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