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Roundup 3: Kompromiss im Tarifkonflikt bei VW - Nullrunde und Jobgarantie

Der Tarifkonflikt bei Volkswagen ist beigelegt. Die Beschäftigten in den sechs westdeutschen VW-Werken verzichten in den nächsten 28 Monaten auf Lohnerhöhungen und erhalten im Gegenzug eine Garantie für ihre Jobs.

dpa-afx HANNOVER. Der Tarifkonflikt bei Volkswagen ist beigelegt. Die Beschäftigten in den sechs westdeutschen VW-Werken verzichten in den nächsten 28 Monaten auf Lohnerhöhungen und erhalten im Gegenzug eine Garantie für ihre Jobs. Beide Seiten einigten sich zudem auf eine Senkung der Arbeitskosten um eine Milliarde Euro. Nach sechs Wochen Verhandlungsmarathon ist mit diesem Kompromiss am Mittwoch in Hannover der Tarifstreit bei Europas größtem Autobauer beendet worden.

Eine drohende Eskalation des Konfliktes wurde damit in letzter Minute abgewendet. Beide Seiten machten Zugeständnisse. Die Große Tarifkommission, die die Gewerkschaftsbasis repräsentiert, hat das Ergebnis bisher noch nicht offiziell angenommen. Sie will am Freitag Stellung nehmen. Ihre Zustimmung wird aber erwartet. Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie Bernd Gottschalk sagte, das Ergebnis sei "ein Beleg für Verständnis, Weitsicht und gute Kultur." Auch Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement lobte die Einigung.

Betriebsbedingte Kündigungen bleiben nach den Vereinbarungen für die rund 103 000 Beschäftigten bis Ende 2011 ausgeschlossen. Im März 2005 erhalten sie ferner eine Einmalzahlung in Höhe von 1 000 Euro. Für Neueinstellungen und übernommene Auszubildende wird es geringere Löhne geben als nach dem bisherigen Haustarifvertrag. Die Höhe muss im Einzelnen noch ausgehandelt werden.

Beide Seiten lobten den Kompromiss und sprachen von sehr schwierigen Verhandlungen. IG-Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine sagte, es sei ein "fairer Ausgleich" gefunden worden. Auch für die Zukunft erhielten die Standorte und die Beschäftigten eine sichere Perspektive.

Die IG Metall setzte sich mit ihrer Forderung durch, die Beschäftigungsgarantie an konkrete Verabredungen über Investitionen und Produktionsplanung zu binden. Dazu gehöre auch die Zusage, dass der kleine Geländewagen in Wolfsburg gebaut werde, sagte Meine.

VW-Unterhändler Josef-Fidelis Senn hob insbesondere die von dem Unternehmen erreichte Einsparung von einer Milliarde Euro bei den Arbeitskosten hervor. Senn: "Der Abschluss vereint Beschäftigungssicherung mit der für uns absolut notwendigen Kostenentlastung." Die Nullrunde bei den Löhnen trage ab 2006 dazu mit rund 180 Mill. Euro bei.

Das neue Entgeltsystem für Neueinstellungen sei ein strategisch wichtiger Punkt, betonte Senn. Außerdem würden Bonuszahlungen ab 2006 abhängig vom Unternehmensergebnis. Zuschläge würden durch mehr Flexibilität bei den Arbeitszeitkonten eingespart. Nicht durchgesetzt hat sich das Unternehmen mit der Forderung, 30 Prozent der Löhne erfolgsabhängig zu zahlen. Senn sagte: "Ich habe selten eine so schwierige Runde gefahren, weil die Themen so komplex waren und das Problem so groß."

Meine betonte, die Mitbestimmungsrechte der Betriebsräte seien mit dem Kompromiss ausgeweitet worden. Die Bedingungen für Arbeiter und Angestellte würden angeglichen. Es sprach von einer "knallharten Tarifrunde". Aber: "Ich glaube, es ist ein ehrlicher Kompromiss." Die Gewerkschaft erwarte jedoch, dass Management und Vorstand des Unternehmens nun einen gleich großen Beitrag wie die Beschäftigten zur Zukunftssicherung erbringen müssten.

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