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Roundup 3: Merck verliert Viertel des Börsenwerts - Pfizer beruhigt Patienten

Der US-Pharmakonzern Merck & Co. hat mit dem Arthrosemittel Vioxx eines seiner fünf umsatzstärksten Medikamente vom Markt genommen. Im vergangenen Jahr machte das Unternehmen mit dem so genannten COX-2-Hemmer 2,5 Mrd. Dollar Umsatz. Bis zum Abend verlor Merck & Co ein Viertel seines Börsenwerts.

dpa-afx NEW YORK. Der US-Pharmakonzern Merck & Co. hat mit dem Arthrosemittel Vioxx eines seiner fünf umsatzstärksten Medikamente vom Markt genommen. Im vergangenen Jahr machte das Unternehmen mit dem so genannten COX-2-Hemmer 2,5 Mrd. Dollar Umsatz. Bis zum Abend verlor Merck & Co ein Viertel seines Börsenwerts.

Der weltgrößte Pharmakonzern Pfizer Inc. hält sein Arthrosemedikament Celebrex dagegen für sicher. Wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte, wurde bei einer von der US-Gesundheitsbehörde FDA in Auftrag gegebenen aktuellen Studie kein erhöhtes Risiko von Herzerzkrankungen festgestellt. Merck & Co hatte den Rückzug mit Studien begründet, wonach sich durch das Medikament das relative Risiko von Herzkrankheiten erhöhe.

FDA Will Vergleichbare Produkte 'Genau Kontrollieren'

Die US-Gesundheitsbehörde FDA will nun vergleichbare Produkte anderer Hersteller unter die Lupe nehmen. "Merck hat das Richtige getan", sagte der FDA-Leiter Lester Crawford. Die FDA werde "genau kontrollieren", ob bei anderen Präparaten dieser Gattung ähnliche Nebenwirkungen auftreten. Merck hat bei den so genannten COX-2-Inhibitoren zwei Konkurrenten: Pfizer mit Celebrex und Novartis mit Prexige.

Merck & Co geht davon aus, dass der Vioxx-Rückzug das Ergebnis pro Aktie im laufenden Geschäftsjahr um 50 bis 60 Cent drücken wird. Das Unternehmen hatte zuvor mit einem Gewinn von 3,11 bis 3,17 Dollar je Aktie gerechnet. Die Umsätze im vierten Quartal sänken voraussichtlich um 700 Mill. bis 750 Mill. Dollar. Es sei noch nicht sicher wie viele der Kosten im dritten oder im vierten Quartal verbucht würden. Merck & Co. hat deshalb seine Gewinnprognose für das dritte Quartal zurückgezogen. Die Dividende sei jedoch nicht in Gefahr. Merck & Co-Chef Raymond Gilmartin teilte zugleich mit, er hege keine Rücktrittsgedanken.

Merck-Aktie Bricht Dramatisch EIN

Die Merck & Co-Aktie verlor zuletzt um 26,65 Prozent auf 33,06 Dollar. Händler sahen die Konkurrenten Pfizer und Novartis als Gewinner. Pfizer stiegen um 1,03 Prozent auf 30,43 Dollar. Novartis schlossen mit minus 1,69 Prozent auf 58,20 Schweizer Franken.

Analyst James Kelly von Goldman Sachs hält den Vioxx-Rückzug für einen "deutlichen Rückschlag". Dadurch würden zudem Fragen zum Präparat Arcoxia aufgeworfen, dessen Zulassung Mitte November erwartet wird, sagte Kelly am Donnerstag. Analyst Alexander Groschke von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) sprach gar von einem "Desaster" für die ganze Branche. "Es ist noch offen, ob es sich um ein spezifisches Problem von Vioxx handelt, oder ob die ganze Wirkstoffklasse davon betroffen ist."

'ICH Sehe Keine Gewinner' - LRP

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis hat die Begründung des Merck-Rückzugs bereits fest im Blick. "Wir haben die Merck-Meldung zur Kenntnis genommen", sagte ein Unternehmenssprecher. "Wir überprüfen die Aussagen." Im August hatte die Fachzeitschrift "The Lancet" die Ergebnisse einer großangelegten Studie veröffentlicht, nach der sich das Risiko von Herzerkrankungen durch Prexige nicht erhöht.

COX-2-Hemmer blockieren ein im Körper gebildetes Enzym, so dass bestimmte entzündungsauslösende Prostaglandine nicht entstehen. Diese Gewebshormone sind die Schmerz-, Entzündungs- und Fieber-Botenstoffe des Körpers. Werden sie nicht mehr gebildet, lassen Schmerzen und Entzündungen nach. COX-2-Hemmer sind magenfreundlicher als die herkömmlichen nicht-steroidalen Antirheumatika (Nsar) wie Ibuprofen, Acetylsalicylsäure oder Diclofenac. Allerdings kostet die Behandlung mit COX-2-Hemmern nach Angaben der Deutschen Rheuma-Liga das drei- bis siebenfache: Statt weniger als 50 Euro-Cent fallen 1,50 bis 3,50 Euro pro Tag an.

LRP-Analyst Groschke rechnet damit, dass bei Verschreibungen künftig die Skepsis der behandelnden Ärzte überwiegen wird. Davon würden lediglich "Uraltmedikamente" profitieren, bei denen der Patentschutz längst abgelaufen sei. "Ich sehe eigentlich keine Gewinner", sagte Groschke.

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