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Roundup 3: Positionen bei Karstadt-Quelle-Verhandlungen liegen weit auseinander

Bei den Verhandlungen über das Sanierungspaket beim angeschlagenen Handelskonzern Karstadt-Quelle liegen die Positionen nach Einschätzung der Gewerkschaft noch weit auseinander. Das Unternehmen will beim Personal in den nächsten drei Jahren 500 Mill. Euro einsparen.

dpa-afx ESSEN. Bei den Verhandlungen über das Sanierungspaket beim angeschlagenen Handelskonzern Karstadt-Quelle liegen die Positionen nach Einschätzung der Gewerkschaft noch weit auseinander. Das Unternehmen will beim Personal in den nächsten drei Jahren 500 Mill. Euro einsparen. Damit drohen den Beschäftigten neben immer noch möglichen betriebsbedingten Kündigungen Einkommenseinbußen in der Größenordnung von bis zu zehn Prozent. Diese Zahlen nannte Konzernsprecher Jörg Howe am Dienstag in Essen nach Verhandlungen zwischen Vorstand, Betriebsrat und der Gewerkschaft ver.di. Deren Vorstandsmitglied Franziska Wiethold sagte: "Das wichtigste Anliegen von ver.di - die Beschäftigungs- und Standortsicherung - ist noch nicht erfüllt."

Bisher lägen lediglich Absichtserklärungen des Vorstands, aber keine verbindlichen Zusagen vor. "Der Druck auf uns ist ausgesprochen groß, er ist kaum zu ertragen", sagte sie, "wir werden alles Mögliche tun, aber nicht um jeden Preis." Die Arbeitnehmerseite hatte bislang zwar den Verzicht auf übertarifliche Leistungen in Aussicht gestellt, weiter gehende Forderungen aber zurückgewiesen. Die Gespräche sollen noch bis zum Donnerstag laufen und müssen aus Sicht des Vorstands spätestens dann mit einer Einigung enden. Am Donnerstag soll auf einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung der Fahrplan für die geplante Kapitalerhöhung um 500 Mill. Euro festgezurrt werden.

Nach Howes Worten sind Gehaltskürzungen von fünf bis zu zehn Prozent im Gespräch. "Es ist noch nichts entschieden, aber fünf Prozent müssen es mindestens sein." Dies hänge aber in erster Linie davon ab, welche Zugeständnisse es darüber hinaus gebe. Zu den strittigen Themen gehören Urlaubsverzicht, Streichung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Gehaltsverzicht im tariflichen Bereich, Arbeitszeitverlängerung auf mindestens 40 Stunden und die Möglichkeit betriebsbedingter Kündigungen. Ein Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen ist nach Howes Worten zwar denkbar, aber nur, wenn die Arbeitnehmer auf anderen Gebieten Abstriche machen. "Wenn wir auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten, müssen wir im Gegenzug bis 2007 rund 500 Mill. Euro einsparen." Wiethold bezeichnete diese Summe als "nicht zumutbar".

Nach Wiedholds Ansicht könnte der Aufsichtsrat allerdings auch ohne Einigung über den Sanierungsplan eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen, auf der im November über die Kapitalerhöhung abgestimmt werden soll. Karstadt-Quelle-Chef Christoph Achenbach besteht jedoch auf seiner Vorgabe: Ohne eine Einigung "steht sowohl die Kapitalerhöhung auf dem Spiel als auch die Kreditvergabe der Banken. Und damit wäre die Zukunft des Konzerns in Gefahr", bekräftigte er im Bayerischen Rundfunk. Howe gab sich weiterhin optimistisch: "Ich rechne fest damit, dass wir bis zum kommenden Donnerstag eine Einigung erzielen werden. Es gibt keine Alternative zu dem von uns vorgelegten Sanierungsplan."

Unterdessen lässt der Karstadt-Quelle-Großaktionär Riedel eine Beteiligung an der geplanten Kapitalerhöhung weiterhin offen. "Dazu wollen wir uns nicht äußern", sagte der Geschäftsführer der Riedel Holding Gmbh & Co. KG (Fürth), Karl Heinz Hörmann, in Nürnberg. Die zu den Erben des Quelle-Gründers Gustav Schickedanz gehörende Familie Riedel hält neun Prozent an Karstadt-Quelle. Riedel unterstütze jedoch das Sanierungskonzept, sagte Hörmann. "Wir sind vom Erfolg des Kurses überzeugt", und Achenbach sei "der richtige Mann an der richtigen Position."

Die Karstadt-Quelle-Großaktionäre Allianz (10,5 Prozent) und die Schickedanz-Gruppe (42 Prozent) haben dagegen bereits ihre Teilnahme zugesichert. Nach Informationen aus Bankenkreisen wollen diese beiden Aktionäre die Kapitalerhöhung zur Not auch allein schultern. Die im MDax notierte Aktie gab am Dienstag in einem schwachen Marktumfeld mehr als zwei Prozent nach.

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