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Roundup 3: Telekom will sich T-Online für drei Milliarden Euro einverleiben

Die Deutsche Telekom will ihre Internettochter T-Online für rund drei Mrd. Euro vollständig übernehmen. Wie der Konzern am Samstag in Bonn mitteilte, sollen die T-Online-Aktionäre für ihre Anteilscheine Aktien der Deutschen Telekom AG erhalten.

dpa-afx BONN. Die Deutsche Telekom will ihre Internettochter T-Online für rund drei Mrd. Euro vollständig übernehmen. Wie der Konzern am Samstag in Bonn mitteilte, sollen die T-Online-Aktionäre für ihre Anteilscheine Aktien der Deutschen Telekom AG erhalten. Parallel dazu unterbreitet der Mutterkonzern ein Übernahmeangebot für den größten deutschen Internetanbieter. Bei Aktionärsvertretern stieß die geplante Verschmelzung auf massive Kritik.

Vorstandschef Kai-Uwe Ricke will mit der Verschmelzung der beiden Gesellschaften die Synergien zwischen Festnetz und Breitband besser nutzen. In der Vergangenheit hatten sich T-Online und die Festnetzsparte T-Com wiederholt Konkurrenz gemacht. "Wir haben das neue Geschäftsfeld 'Breitband/Festnetz' in der Absicht geschaffen, das Breitbandmodell für die Zukunft zu etablieren", sagte Ricke. Ziel der Übernahme sei nicht, Arbeitsplätze zu streichen. Allerdings sollten Doppelfunktionen abgebaut werden. Nach Einschätzung von Analysten könnten die Einspareffekten bei rund 100 Mill. Euro jährlich liegen.

Aktien-Rückkauf

Die Gesamtkosten für die Transaktion bezifferte Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick auf rund drei Mrd. Euro. Die genauen Kosten stünden aber erst fest, wenn die Konditionen der Transaktion festgelegt seien, sagte er auf einer Pressekonferenz in Bonn. Die Übernahme der noch ausstehenden 26 Prozent will die Telekom aus dem laufenden Geschäft stemmen.

Um den Gewinn je Aktie durch den Tausch von T-Online-Papieren in T-Aktien nicht zu verwässern, will der Konzern eigene Aktien über die Börse erwerben. Die Kosten dafür sind bereits in den rund drei Mrd. Euro enthalten. Ricke bekräftigt trotz der Mrd.-Übernahme seine Dividendenpläne: Der Konzern wolle weiterhin eine "attraktive Dividende" für das Geschäftsjahr 2004 zahlen. Nach seinen Worten wird die Eingliederung den Gewinn des Branchenführers positiv beeinflussen. T-Online hielt sich zu den Avancen der Konzernmutter vorerst bedeckt. Vorstand und Aufsichtsrat wollen am Sonntag über die geplante Wiedereingliederung beratschlagen.

Abschlag

Die Altaktionäre von T-Online müssen sich auf einen deutlichen Abschlag einstellen. Die Telekom will je T-Online-Aktie 8,99 Euro bieten - also ein Drittel des Ausgabepreises von 27 Euro. Dieses Angebot richte sich an die Aktionäre, die ihre Aktien lieber verkaufen wollen als den Abschluss des Verschmelzungsprozesses abzuwarten, sagte Finanzchef Eick. Aktionärsschützer bezeichneten das Angebot als unzureichend. "Diese Offerte ist absolut inakzeptabel", teilte die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) mit. Die T-Online-Aktionäre sollten abwarten, bis die Telekom bei der geplanten Verschmelzung ein weiteres Angebot vorlege. Die Chancen auf einen höheren Preis stünden dann wesentlich besser. Europas größter Telekomkonzern hatte T-Online im Frühjahr 2000 an die Börse gebracht.

Vorstand und Aufsichtsrats der Telekom haben der Transaktion bereits zugestimmt. Die Verschmelzung muss noch von den Hauptversammlungen der beiden Gesellschaften gebilligt werden, was bis Mitte 2005 geschehen soll.

Umtauschverhältnis

Das Umtauschverhältnis von T-Online-Aktien in Telekom-Aktien soll nun durch Gutachten bestimmt werden. Mit dem Abschluss der Fusion rechnet Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke in der zweiten Hälfte kommenden Jahres. Die Telekom hält 74 Prozent von T-Online und der französische Mischkonzern Lagardere 5,7 Prozent. Der Rest befindet sich in Streubesitz. Bislang habe es noch keine Gespräche mit den anderen Aktionären der Darmstädter Tochter gegeben, sagte Ricke. Bei Lagardere war vorerst niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

Die Telekom folgt mit der Wiedereingliederung der Darmstädter T-Online International AG dem Branchentrend. France Telecom SA und Telefonica SA hatten ebenfalls Übernahmeangebote für ihre Internettöchter vorgelegt.

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