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Roundup 3: Thyssen-Krupp erwartet nach Gewinnsprung stabile Ergebnisentwicklung

Der Industriekonzern Thyssen-Krupp TKA.ETR > rechnet nach einem Ergebnissprung für das laufende Geschäftsjahr mit einer stabilen Gewinnentwicklung.

dpa-afx DÜSSELDORF. Der Industriekonzern Thyssen-Krupp TKA.ETR > rechnet nach einem Ergebnissprung für das laufende Geschäftsjahr mit einer stabilen Gewinnentwicklung. "Beim Ergebnis vor Steuern, ohne Berücksichtigung von Effekten aus wesentlichen Unternehmensveräußerungen, streben wir 2004/2 005 trotz der sich abzeichnenden Abschwächung der Weltkonjunktur und unter der Annahme ausbleibender Verwerfungen an den Rohstoff- und Devisenmärkten an, das sehr gute Niveau von 2003/2 004 zu halten", sagte Vorstandschef Ekkehard Schulz am Mittwoch in Essen.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr (bis Ende September) hatte der größte Stahlkocher Deutschlands einen Vorsteuergewinn von 1,58 Mrd. Euro eingefahren und damit die Erwartungen der Analysten deutlich übertroffen. Gegenüber dem Vorjahrswert von 774 Mill. Euro stellt dies eine Verdoppelung dar, was vor allem auf die hohe Nachfrage nach Stahl zurückzuführen ist. Laut Schulz ist der Konzern gut in das neue Geschäftsjahr gestartet. Die Entwicklung im Oktober liege über den Erwartungen, sagte er. Für das erste Quartal rechnet der Stahlmanager nun mit einem besseren Abschneiden als geplant.

Nachfrage Soll 2005 Weiter Steigen

Für 2005 rechnet Thyssen-Krupp mit einem weiteren Anstieg der Nachfrage, wobei die Produktion in Deutschland wegen der hohen Auslastung der Stahlwerke mit 47 Mill. Tonnen stabil blieben soll. Die Stahlsparte soll wie Automotiv und Elevator ihren Umsatz verbessern. Der konzernweite Umsatz soll um knapp zwei Mrd. Euro auf 41 Mrd. Euro klettern. Mittelfristig sieht Schulz einen Umsatz von 45 bis 50 Mrd. Euro. Mit einem Abbruch des Stahlbooms rechnet Thyssen-Krupp nicht. "Die Stahlnachfrage wird in den nächsten Jahren von China und den USA getrieben", sagte Ulrich Middelmann, im Vorstand zuständig für das Stahlgeschäft.

Analysten zeigten sich von der Prognose enttäuscht. "Wir hatten aufgrund der noch anstehenden Preiserhöhungen bei langfristigen Lieferverträgen sowie der zumindest im ersten Halbjahr noch niedrigen Vorjahresbasis mit einem optimistischeren Ausblick gerechnet", meinte LRP-Analyst Thomas Hofmann. An der Frankfurter Börse verbuchte die Thyssen-Krupp-Aktie bis zum Nachmittag in einem behaupteten Gesamtmarkt einen Abschlag von 1,30 Prozent auf 15,99 Euro und war damit einer der schwächsten Titel im Dax .

Ergebnissprung

Der Umsatz kletterte im abgelaufenen Geschäftsjahr auf 39,3 (Vorjahr 36,14) Mrd. Euro und der Auftragseingang legte um 17 Prozent auf 41,0 Mrd. Euro zu. Der Überschuss stieg auf 904 (568) Mill. Euro. Die von dpa-AFX befragten Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Vorsteuergewinn von 1,44 Mrd. Euro und einem Umsatz von 39,82 Mrd. Euro gerechnet. Thyssen-Krupp übertraf damit die eigene Prognose.

Von der positiven Geschäftsentwicklung sollen auch die Aktionäre profitieren. Nach den Worten von Vorstandschef Schulz wird die Dividende von 0,50 auf 0,60 Euro je Aktie angehoben. Eine weitere Anhebung der Ausschüttung für das laufende Geschäftsjahr hält er für möglich. HVB-Analyst Christian Obst bezeichnete die geplante Dividende als "etwas enttäuschend". Insgesamt seien die Zahlen aber "sehr gut" gewesen.

Stahlsparte IST Wichtigste Ergebnisstütze

Die Ergebnisverbesserung ist vor allem auf die Geschäftsfelder Steel und Automotive zurückzuführen. Die weltweite Stahlbranche profitiert von der hohen Nachfrage vor allem aus China, die zu einer deutlichen Verteuerung von Stahl führte. Mit einem Vorsteuergewinn von 911 (Vorjahr: 439) war das Segment Steel im abgelaufenen Geschäftsjahr die wichtigste Ergebnisstütze. Der Spartenumsatz legte von 11,66 auf 13,7 Mrd. Euro zu. Beim Auftragseingang verzeichnete die Stahlsparte ein Plus von 24 Prozent auf 14,3 Mrd. Euro. Mit dem Bau eines neuen Stahlwerkes in Brasilien will Thyssen-Krupp seine jährliche Produktionskapazität bis zum Ende der Dekade auf rund 20 Mill. Tonnen steigern.

Ungeachtet der Zuwächse will Thyssen-Krupp das Sparprogramm für seine Stahltochter verschärfen. Statt der ursprünglich angepeilten 240 Mill. Euro, die im Zeitraum bis September 2007 eingespart werden sollen, erwartet Personalvorstand Ralph Labonte nun ein Volumen von 250 bis 270 Mill. Euro. Ein Drittel der Summe soll auf die Personalkosten entfallen. Durch die Einsparungen könnten nach früheren Angaben bis zu 1 350 Mitarbeiter bedroht sein.

Thyssen-Krupp reduzierte in den zwölf Monaten bis Ende September die Netto-Finanzverbindlichkeiten um rund ein Drittel. Die Verbindlichkeiten seien von 4,2 Mrd. auf 2,8 Mrd. Euro gesunken. Der Verschuldungsgrad (Gearing) sank von 55,2 auf 34 Prozent. Die Ratingagenturen goutierten die positive Entwicklung. Fitch und Standard & Poor's äußerten sich positiv über den Schuldenabbau.

Werftenfusion - Konzernumbau

Die Verschmelzung der Werften von Thyssen-Krupp mit der Kieler HDW soll im Januar abgeschlossen werden. Das Vorhaben ist laut Schulz bei der EU-Kommission zur Genehmigung angemeldet worden. Der Zusammenschluss gilt als Vorstufe für eine weitere Konsolidierung der europäischen Werftenlandschaft. Thyssen-Krupp könne sich eine Beteiligung an einem europäischen Werftenverbund vorstellen. Schulz strebt eine Mehrheitsbeteiligung an dem neuen Marinekonzern an.

Bei der laufenden Umstrukturierung sieht Schulz seinen Konzern im Plan. Von den zum Verkauf gestellten Aktivitäten seien 24 nicht mehr im Konzern. Voran gekommen ist Thyssen-Krupp auch bei der Veräußerung seines Immobilienbestands. "Wir befinden uns am Anfang des Prozesse, in der so genannten Due Diligence-Phase", sagte Schulz. Es liefen Gespräche mit potenziellen Investoren. Interesse hat unter anderem die britische Investmentgesellschaft Terra Firma angemeldet.

Auch den geplanten Verkauf der Beteiligung an der RAG AG treibt Thyssen-Krupp voran. "Wir haben mit allen Beteiligten Gespräche aufgenommen", sagte Schulz. Gemeint sind damit die anderen Miteigentümer und der Chemie- und Kohlekonzern selbst. Zuerst soll nun der Wert der 20-prozentigen Beteiligung ermittelt werden. Die Essener RAG ist der größte deutsche Produzent von Steinkohle. Schulz will nach eigenen Angaben den Anteil im kommenden Jahr veräußern.

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