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Roundup 3: US-Ölpreis erstmals über 48 $ - Auch Brent mit neuem Rekord

Die Angst vor Versorgungsengpässen hat den Ölpreis an den Märkten in New York und London am Donnerstag erneut in Rekordhöhen steigen lassen. Der Ölpreis erreichte in den USA den sechsten Tag in Folge ein neues Rekordniveau und kletterte erstmals über die Marke von 48 $.

dpa-afx LONDON/NEW YORK. Die Angst vor Versorgungsengpässen hat den Ölpreis an den Märkten in New York und London am Donnerstag erneut in Rekordhöhen steigen lassen. Der Ölpreis erreichte in den USA den sechsten Tag in Folge ein neues Rekordniveau und kletterte erstmals über die Marke von 48 $.

Am New Yorker Warenterminmarkt Nymex legte Rohöl zur Septemberauslieferung im elektronischen Handel bis auf 48,40 $ je Barrel (159 Liter) zu. Das war der höchste Preis seit Beginn des Nymex-Ölhandels im Jahr 1983. In London kostete ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im Oktober am Abend bis zu 44,23 $. Damit wurde das erst am Montag erreichte Allzeithoch von 44,11 $ gebrochen

Auch Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) kostete so viel wie noch nie und verteuerte sich erstmals auf mehr als 42 $ pro Barrel. Wie das Opec-Sekretariat am Donnerstag in Wien mitteilte, stieg der so genannte Korbpreis für die wichtigsten sieben Rohöl-Sorten des Kartells am Mittwoch um 32 Cent auf 42,07 $.

'Fundamental Nicht Gerechtfertigt'

Die Angst vor Versorgungsengpässen lasse die Preise klettern, sagte Ölanalyst Tim Evans von IFR Markets. Sorge bereite vor allem die Lage im Irak. Die irakische Regierung hat den radikalen Schiitenführer Muktada el Sadr am Donnerstag noch einmal ultimativ aufgefordert, seinen bewaffneten Widerstand in der Pilgerstadt Nadschaf aufzugeben. Eine angekündigte Offensive irakischer Sicherheitskräfte und amerikanischer Soldaten beschränkte sich nach Darstellung des US-Fernsehsenders CNN zunächst nur auf vereinzelte Gefechte.

"Die Märkte steigern sich allmählich in ein Negativszenario, das fundamental nicht gerechtfertigt ist", sagte Rohölexpertin Katja Blanke von der Landesbank Rheinland-Pfalz. Die Nachfrage nach Öl werde zwar auf absehbare Zeit hoch bleiben. Es gebe aber weiterhin genügend Öl, sagte Blanke. Von einer echten Knappheit könne keine Rede sein. Neben der Terrorgefahr hatte zuletzt auch die politische Unsicherheit in Venezuela, dem fünftgrößten Ölexporteur der Welt, sowie die juristischen Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit der russischen Ölgesellschaft Yukos für weiter kräftig steigende Rohölnotierungen gesorgt.

IWF UND EU-Kommission

Trotz der hohen Ölpreise wird der Internationale Währungsfonds (IWF) einem Zeitungsbericht zufolge seine Wachstumsprognose 2004 für die Weltwirtschaft auf 4,9 % anheben. Der hohe Ölpreis berge aber nach IWF-Einschätzung Risiken für die Zukunft, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (Freitagausgabe) unter Berufung auf IWF-Kreise. Bereits im Frühjahr hatte der IWF seine Prognose für das globale Wachstum von 4,0 auf 4,6 % angehoben.

Angesichts der Preisrekorde hat sich die EU-Kommission in Brüssel beunruhigt gezeigt. "Wir haben aber bisher keine Hinweise, dass Mitgliedstaaten besonders betroffenen Branchen unter die Arme greifen wollen", sagte Sprecher Gilles Gantelet am Donnerstag. Bei früheren Höhenflügen der Ölpreise hatten einzelne Mitgliedstaaten ohne Absprache mit den EU-Partnern ihren Transportbranchen mit Steuererleichterungen geholfen. Die hohen Ölpreise und mögliche schädliche Auswirkungen auf die Konjunktur dürften bei dem informellen Treffen der EU-Finanzminister am 10. und 11. September im niederländischen Scheveningen zur Sprache kommen.

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