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ROUNDUP: Aktionäre machen Dampf bei Shell - 'Verdacht der Unaufrichtigkeit'DPA-Datum: 2004-06-28 14:43:17

LONDON/DEN HAAG (dpa-AFX) - Der schwer bedrängte Ölkonzern Royal Dutch/Shell < SHEL.ISE > < SHE1.FSE > < RDA.ASX > < ROY.FSE > /Shell ist am Montag bei seinen Hauptversammlungen in London und Den Haag von den Aktionären zu tief greifenden Reformen aufgefordert worden. So versagte Union Investment, die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken in Frankfurt, die Entlastung des Vorstands, da der "Verdacht der Unaufrichtigkeit" bestehe. Andere Großaktionäre kritisierten, nur wenn die niederländisch-britische Doppelspitze aufgelöst werde, könne der Konzern neues Vertrauen gewinnen.

LONDON/DEN HAAG (dpa-AFX) - Der schwer bedrängte Ölkonzern Royal Dutch/Shell < SHEL.ISE > < SHE1.FSE > < RDA.ASX > < ROY.FSE > /Shell ist am Montag bei seinen Hauptversammlungen in London und Den Haag von den Aktionären zu tief greifenden Reformen aufgefordert worden. So versagte Union Investment, die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken in Frankfurt, die Entlastung des Vorstands, da der "Verdacht der Unaufrichtigkeit" bestehe. Andere Großaktionäre kritisierten, nur wenn die niederländisch-britische Doppelspitze aufgelöst werde, könne der Konzern neues Vertrauen gewinnen.

Nicht einmal bei der Hauptversammlung nach dem PR-Desaster mit der geplanten Versenkung der Ölplattform "Brent Spar" vor neun Jahren sah sich die Shell-Spitze solchen Vorwürfen ausgesetzt. Der schwerste von allen: Der Vorstand soll den Aktionären lange verschwiegen haben, dass er die Öl- und Gasreserven um ein Viertel zu hoch eingeschätzt hatte. Dies wird bestritten, aber sonst ging Vorstandschef Jeroen van der Veer am Montag tief in die Knie: "So eine Krise hätte es nie geben dürfen."

GOLDENER HÄNDEDRUCK

Besonders wütend zeigten sich die Aktionäre darüber, dass Van der Veers zurückgetretener Vorgänger Sir Philip Watts noch einen goldenen Händedruck von 1,58 Millionen Euro bekam: "Damit wird Missmanagement belohnt", wetterte Peter Paul de Vries, Direktor des Niederländischen Aktionärsvereins. Watts gelte schließlich als einer der Hauptverantwortlichen für die fatale Fehleinschätzung der Reserven.

Die Reserven sind für einen Ölkonzern wohl das Wichtigste überhaupt: Versiegen sie, sitzt er auf dem Trocknen und geht Pleite. Die große Frage ist jetzt: Wie konnte man sich so verschätzen - wer ist schuld daran? Die einen sagen: Das kommt, weil Shell ein so vorsintflutlich strukturierter Konzern ist, der sich hochmütig über Aktionärswünsche hinwegsetzt. Die anderen sagen: Das kommt im Gegenteil gerade daher, dass hier ein grundsolides europäisches Unternehmen in schnellem Tempo veramerikanisiert ist.

DIE WURZEL ALLEN ÜBELS

Die Wurzel allen Übels sind nach Meinung dieser Kritiker die amerikanischen Manager, die bei Shell Bonus-Regelungen und kurzfristige Gewinnvorgaben eingeführt haben. Fest steht: Frisch gescheitelte Absolventen von der Business School, die noch nie Öl unter den Nägeln gehabt haben, sollten den "Tanker Shell" seit Mitte der 90er Jahre flexibler machen.

Der damalige Shell-Chef Cor Herkströter entschied: Ölquellen werden nur noch angebohrt, wenn mindestens 12 Prozent Gewinn zu erwarten sind. "Wenn man an der Spitze einen solchen Erbsenzähler wie Herkströter hat, dann filtert man die Bonanzas letztlich raus", kritisiert Ex-Manager Roel Murris in der Zeitung "NRC Handelsblad". Er meint damit: Ölquellen, die sich erst im Laufe der Erschließung unvermutet als "Goldadern" herausstellen, entgehen einem dann.

So hätten die Shell-Geologen immer weniger Öl gefunden, während die Shell-Manager dem Unternehmen immer höhere, letztlich unerreichbare Ziele gesetzt hätten. Bonus-Regelungen und angedrohte Zwangsversetzungen und Entlassungen - früher undenkbar beim sozialen "Vadertje Shell" (Väterchen Shell) - hätten ein übriges getan, damit viele Abteilungsleiter ihre Bilanzen etwas schöner machten, als sie wirklich waren. Das Ergebnis war die größte Krise in der über 100- jährigen Unternehmensgeschichte.

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