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ROUNDUP: Conti erwirbt über 75% an Phoenix - Wettbewerbsbedenken aus BrüsselDPA-Datum: 2004-06-29 19:32:15

HANNOVER/HAMBURG (dpa-AFX) - Die Übernahme des Autozulieferers Phoenix < PHO.ETR > durch den Konkurrenten Continental < CON.ETR > ist nur wenige Stunden nach ihrem Gelingen von der EU-Kommission in Frage gestellt worden. Wegen schwerer Wettbewerbsbedenken leitete die Brüsseler Behörde am Dienstag eine vertiefte Prüfung ein, die bis zu vier Monate dauern kann. Conti hatte nach einer tagelangen Zitterpartie erst in letzter Minute am Montagabend die angestrebte Zustimmung von mehr als 75 Prozent der Phoenix-Aktionäre für die Übernahme erhalten.

HANNOVER/HAMBURG (dpa-AFX) - Die Übernahme des Autozulieferers Phoenix < PHO.ETR > durch den Konkurrenten Continental < CON.ETR > ist nur wenige Stunden nach ihrem Gelingen von der EU-Kommission in Frage gestellt worden. Wegen schwerer Wettbewerbsbedenken leitete die Brüsseler Behörde am Dienstag eine vertiefte Prüfung ein, die bis zu vier Monate dauern kann. Conti hatte nach einer tagelangen Zitterpartie erst in letzter Minute am Montagabend die angestrebte Zustimmung von mehr als 75 Prozent der Phoenix-Aktionäre für die Übernahme erhalten.

Die Brüsseler Kommission beschloss nach einer sechswöchigen Standard-Prüfung, dass der neue Verbund bei Luftfedern und schweren Fördergurten zum Transport von Kohle oder Sand möglicherweise zu mächtig werden könnte. Die Behörde hat nun bis Ende Oktober Zeit, den Fall endgültig zu entscheiden.

CONTI RECHNET MIT GENEHMIGUNG

Die Continental zeigte sich indes zuversichtlich, noch vor Oktober grünes Licht aus Brüssel zu erhalten. "Wir gehen angesichts des intensiven internationalen Wettbewerbs auf den Geschäftsfeldern von ContiTech und Phoenix nach wie vor davon aus, dass es kartellrechtlich keine grundsätzlichen Probleme geben wird", sagte Conti-Chef Manfred Wennemer am Dienstag.

Die Kommission argumentierte, die Übernahme würde zwei der führenden Hersteller technischer Gummiprodukte in Europa zusammenführen. Sie prüft bei Übernahmen, ob die Unternehmen marktbeherrschend werden und damit die freie Konkurrenz behindern. Die Hannoversche Continental AG bot in der ersten Prüfungsphase bereits nicht genauer beschriebene Zugeständnisse an, die der Kommission jedoch nicht ausreichten.

FÜHRENDER ANBIETER

Bei Luftfedern werde Continental/Phoenix zum führenden europäischen Anbieter zur Ausrüstung für Personenwagen, Lastwagen und Schienenfahrzeuge. Luftfedern bestehen aus einem Gummibalg und Metallteilen. Eine marktbeherrschende Stellung könne in diesem Bereich nicht ausgeschlossen werden. Bei schweren Fördergurten, die zum Transport von Kohle, Kies oder Sand dienen, befürchtet die Kommission bei bestimmten Typen ebenfalls eine Marktdominanz.

Continental hatte einen Erfolg des Übernahmeversuchs davon abhängig gemacht, dass sie mindestens eine Dreiviertelmehrheit an Phoenix erhält und hätte die Übernahme nach eigenen Angaben andernfalls platzen lassen. Conti zahlt den Phoenix-Aktionären 15 Euro je Aktie. Die Continental-Aktie ging praktisch unverändert mit einem Minus von 0,03 Prozent auf 39,74 Euro aus dem Handel.

30 MIO EURO EINSPARUNGEN

"Wir freuen uns sehr, dass unser faires Angebot angenommen worden ist", sagte Wennemer. Continental erwartet durch die Zusammenführung des Bereichs ContiTech mit Phoenix jährliche Einsparungen von 30 Millionen Euro. Continental schließt auch einen Börsengang der dann deutlich größeren ContiTech in einigen Jahren nicht aus.

Der Phoenix-Vorstand forderte, dass bei der Zusammenführung auch Conti-Standorte auf den Prüfstand kommen. "Andernfalls würden Potenziale unnötig verschenkt werden", sagte Vorstandschef Meinhard Liebing. Die Phoenix-Führung werde nun ihre Anstrengungen auf eine reibungslose Integration konzentrieren und sich auch im Sinne der Mitarbeiter für die bestmöglichen Lösungen einsetzen.

BETRIEBSRAT BEFÜRCHTET JOBVERLUST

Die Phoenix-Betriebsrat befürchtet durch die Übernahme den Abbau von 750 Arbeitsplätzen, was vom Phoenix-Vorstand bisher als rein rechnerische Zahl bewertet wurde. Sollte Conti die Bereiche Schalldämmung und Dachdichtungen verkaufen, was für rund 2.200 der 9.700 Phoenix-Mitarbeiter einen neuen Arbeitgeber bedeuten würde, sah das Management darin auch eine Chance. "Ein neuer Eigner würde die Geschäfte vermutlich ausbauen", hatte Liebing gesagt.

Die Hamburger Phoenix bringt eine gute Auftragslage ein. Im 1. Quartal legte der Umsatz um 5,8 Prozent auf 249,3 Millionen Euro zu. Der Gewinn erhöhte sich von 0,8 Millionen Euro auf 7,6 Millionen Euro. Nach zwei Verlustjahren hatte das Unternehmen 2003 die Trendwende geschafft und bei einem Umsatz von 1,15 Milliarden Euro einen Jahresüberschuss von 5,5 Millionen Euro erzielt.

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