Archiv
Roundup EZB signalisiert keine Devisenmarktinterventionen - Zinsen unverändert

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag keine Signale für Devisenmarktinterventionen gegeben. "Verbale Disziplin" sei bezüglich der Wechselkurse das "Wort der Stunde", sagte der Präsident der EZB, Jean-Claude Trichet am Donnerstag in Frankfurt.

dpa-afx FRANKFURT. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag keine Signale für Devisenmarktinterventionen gegeben. "Verbale Disziplin" sei bezüglich der Wechselkurse das "Wort der Stunde", sagte der Präsident der EZB, Jean-Claude Trichet am Donnerstag in Frankfurt. Allerdings seien die jüngsten Wechselkursschwankungen "nicht zu begrüßen". Er hatte zuvor die Wechselkursbewegungen bereits mehrfach als nicht willkommen bezeichnet.

Grundsätzlich seien Interventionen allerdings "eine Waffe", die die Notenbanken nutzen können. Der Eurokurs hatte am Donnerstag mit 1,3 383 Dollar den höchsten Stand seit Einführung an den Finanzmärkten Anfang 1999 erreicht. Die EZB geht bei ihren am Donnerstag veröffentlichten Projektionen für die kommenden zwei Jahre von einem Wechselkurs von 1,29 Prozent aus.

"Halten Pulver Trocken"

"Die Währungshüter halten ihr Pulver auch für verbale Interventionen weiter trocken", sagte EZB-Beobachter Karsten Junius von der Dekabank der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Die Währungshüter dürften erst mit verbalen Interventionen am Markt eingreifen, wenn der Kurs des Euro über die Marke von 1,35 Dollar steige. Schließlich nutze sich das Instrument verbaler Interventionen mit wachsender Häufigkeit des Einsatzes zusehends ab. In jüngster Zeit habe die Aufwertungs-Dynamik des Euro ohnehin deutlich abgenommen.

Auch die Commerzbank sah in den Trichet-Aussagen keine Anzeichen für eine Devisenmarkt-Intervention. EZB-Beobachter Michael Schubert von der Commerzbank hält ein Eingreifen der Währungshüter zwar bereits für überfällig. "EZB-Chef Trichet hat die zweite Stufe aber nicht gezündet", sagte Schubert.

Zuvor hatte die EZB den Leitzins wie von Volkswirten erwartet unverändert bei 2,0 Prozent belassen. Der EZB-Rat sprach sich laut Trichet "sehr einvernehmlich" für unveränderte Leitzinsen aus. Über eine mögliche Zinssenkung sei gar nicht gesprochen worden, sagte er. Über andere Optionen habe das Gremium zwar diskutiert, es habe aber ein großer Konsens bestanden, dass das derzeitige Zinsniveau angemessen sei.

Vorsicht Hinsichtlich Inflation

Der Inflationsausblick bleibt allerdings laut EZB kurzfristig Besorgnis erregend. Daher sei weiterhin "Wachsamkeit geboten". EZB-Präsident Trichet sieht jedoch keine Anzeichen für eine ansteigende Kerninflationsrate. Im Jahr 2005 dürfte die Inflationsrate wieder unter 2,00 Prozent fallen. Bei ihren Projektionen für das laufende Jahr erwartet die EZB wie zuvor 2,2 Prozent. Für 2005 wurde sie von 1,8 Prozent auf 2,0 Prozent erhöht. Für 2006 rechnet die EZB mit einer Abschwächung des Preisauftriebs auf 1,6 Prozent.

Das Wirtschaftswachstum dürfte sich schrittweise erholen. Jedoch sei in den kommenden zwei Jahren nicht mit einem so hohen Wachstum zu rechnen, wie die EZB zuvor angenommen habe, sagte Trichet. Gedämpft werde das Wachstum durch den deutlich gestiegenen Rohölpreis. Der Rohölpreis sei nicht mehr durch Angebot und Nachfrage gerechtfertigt. In ihrer Projektion gehe die EZB von einem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 1,6 bis 2,0 Prozent 2004 und von 1,4 bis 2,4 Prozent im kommenden Jahr aus. Bisher war ein Wachstum von 1,9 Prozent im laufenden und von 2,3 Prozent im kommenden Jahr prognostiziert worden. Für 2006 rechnet die EZB nun mit einem Wachstum zwischen 1,7 und 2,7 Prozent.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%