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ROUNDUP: EZB stellt anhaltend unveränderte Leitzinsen in AussichtDPA-Datum: 2004-07-01 18:11:21

FRANKFURT (dpa-AFX) - Trotz eines höheren Inflationsdrucks hat die Europäische Zentralbank (EZB) weiter unveränderte Leitzinsen in Aussicht gestellt. Der EZB-Rat ließ auf seiner Sitzung am Donnerstag den Leitzins auf dem historisch niedrigen Niveau von 2,00 Prozent. Ungeachtet der Zinswende in den USA deutete EZB-Präsident Jean-Claude Trichet für die kommenden Monate keine Zinserhöhung an. Experten erwarten frühestens Ende 2004 eine Anhebung.

FRANKFURT (dpa-AFX) - Trotz eines höheren Inflationsdrucks hat die Europäische Zentralbank (EZB) weiter unveränderte Leitzinsen in Aussicht gestellt. Der EZB-Rat ließ auf seiner Sitzung am Donnerstag den Leitzins auf dem historisch niedrigen Niveau von 2,00 Prozent. Ungeachtet der Zinswende in den USA deutete EZB-Präsident Jean-Claude Trichet für die kommenden Monate keine Zinserhöhung an. Experten erwarten frühestens Ende 2004 eine Anhebung.

Die Inflationsrate in der Eurozone wird nach Einschätzung von Trichet länger als erwartet über der Marke von 2 Prozent bleiben. Die Jahresinflationsrate könne bis in das Jahr 2005 über dieser Marke bleiben. Der Inflationsdruck halte kurzfristig an, sagte Trichet auf der Pressekonferenz im Anschluss an die Zinsentscheidung. Mittelfristig blieben die Aussichten auf Preisstabilität aber gegeben. Nach EZB-Definition herrscht bei einer Inflationsrate bis oder nahe 2 Prozent Preisstabilität, die ein wichtiges Kriterium bei den Zinsentscheidungen ist.

Volkswirte und Märkte hatten damit gerechnet, dass die EZB ihren Leitzins bei 2,00 Prozent belässt. Der Kurs des Euro < EURUS.FX1 > reagierte nur mit geringen Ausschlägen auf die Zinsentscheidung und deren Begründung, ebenso die Aktienmärkte und der Bund-Future.

ZINSERHÖHUNG ERST 2005

Die Bank of America erwartet erst im Jahr 2005 eine Zinserhöhung der EZB. Möglicherweise werde die EZB erst im dritten Quartal 2005 die Zinsen erhöhen, sollten sich die Prognosen der Notenbank erfüllen, sagte Volkswirt Holger Schmieding. Die EZB habe jedoch offensichtlich trotz der gegenteiligen Beteuerung Trichets eine geldpolitische Ausrichtung (Bias) hin zu einer Zinserhöhung. Trichet habe zwar betont, dass die Bedingungen für mittelfristige Preisstabilität immer noch günstig seien. Gleichzeitig habe er jedoch nur Aufwärtsrisiken für das Inflationsszenario betont.

Nach Einschätzung der Fondsgesellschaft Invesco wird die EZB frühestens ab Ende 2004 die Leitzinsen erhöhen. Die abwartende Haltung der EZB - trotz des gestiegenen Inflationsdrucks - begründe sich in der immer noch schwachen Binnennachfrage in der Eurozone, schreibt Chefvolkswirt Jörg Krämer.

FED-ENTSCHEID OHNE EINFLUSS

Die Entscheidung der amerikanischen Notenbank (Fed) vom Mittwochabend, ihren Leitzins erstmals seit vier Jahren wieder anzuheben, hat den Worten Trichets zufolge die EZB-Zinsentscheidung nicht beeinflusst. Die Fed hatte am Mittwochabend ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent angehoben und zugleich angekündigt, auch bei möglichen weiteren Zinserhöhungen "maßvoll" vorzugehen.

Die jüngsten Konjunkturdaten deuten nach Einschätzung Trichets weiter auf eine Konjunkturerholung im zweiten Halbjahr hin. Der Ölpreis werde aber hoch bleiben und könne das Wirtschaftswachstum dämpfen. Der Notenbankchef forderte die Regierungen der Eurozone auf, den erwarteten Aufschwung für die Konsolidierung der Haushalte zu nutzen. Außerdem rief der Notenbankchef zur Zurückhaltung bei anstehenden Lohnverhandlungen auf.

Der EZB-Präsident rief die Gewerkschaften zur Mäßigung in den Tarifverhandlungen auf. "Die Sozialpartner können einen wichtigen Beitrag zur Preisstabilität leisten, indem sie sich nicht an der augenblicklichen Inflation, sondern an den mittelfristigen Aussichten orientieren." Insbesondere die Ölpreise könnten zu höheren Lohnabschlüssen führen und damit eine Preisspirale in Gang setzen, die so genannten Zweitrundeneffekte. Insgesamt sehe sich die EZB aber in ihrer Bewertung bestätigt. "Der Aufschwung wird anhalten. Die Zinsen unterstützen die wirtschaftliche Tätigkeit."

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