Archiv
Roundup Münchener Rück ersetzt Jahresziel durch Spanne - Quartal über Prognose

Nach einer heftigen Hurrikan-Saison hat der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück den Gewinn im abgelaufenen Quartal überraschend deutlich gesteigert und ist von seinem Jahresgewinn-Ziel abgerückt.

dpa-afx MÜNCHEN. Nach einer heftigen Hurrikan-Saison hat der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück den Gewinn im abgelaufenen Quartal überraschend deutlich gesteigert und ist von seinem Jahresgewinn-Ziel abgerückt. Die Gruppe kündigte am Montag zudem eine Finanzspritze über 500 Mill. Euro für ihre angeschlagene Tochter Victoria Leben an. Die Aktie der Münchener Rückversicherungs AG-Gesellschaft stieg bis zum Mittag um rund zwei Prozent auf 80,99 Euro und war damit zweitbester Dax-Wert.

Für 2004 visieren die Münchener jetzt statt eines Gewinns von zwei Mrd. Euro eine Zielspanne von 1,8 bis 2,0 Mrd. Euro an. Das hatte ein Sprecher am Freitag der Finanz-Nachrichten dpa-AFX bereits angedeutet. Vorstandsmitglied Jörg Schneider sagte nun: "Bei normalem weiteren Geschäftsverlauf ohne zusätzliche außergewöhnliche Einflüsse sollten wir als Untergrenze ein Jahresergebnis von 1,8 Mrd. Euro vorlegen können." Dies wäre das beste Ergebnis in der 124-jährigen Unternehmensgeschichte. Im bisher erfolgreichsten Jahr 2000 hatten die Münchener unter dem Strich 1,75 Mrd. Euro erzielt.

Weniger Prämien - Wintersturm-Saison

2004 dürften die Prämien wegen der selektiven Geschäftspolitik und des schwachen US-Dollars auf rund 39 (40,4) Mrd. Euro sinken, sagte Schneider. Er warnte, dass der Branchenprimus seine angepeilte Schaden-Kosten-Quote von 97 Prozent im Gesamtjahr wohl nicht erreichen werde. Die Münchener könnten aber nahe an diese Vorgabe kommen. Liegt die so genannte Combined Ratio unter 100 Prozent, so erzielt ein Versicherer operativ Gewinne. Im Zeitraum Januar bis September verbuchten die Münchener eine Schaden-Kosten-Quote (Rückversicherung Nichtleben) von 98,8 Prozent (Vorjahr: 97,0%).

Schneider betonte, das Geschäftsjahr sei noch nicht zu Ende. Kosten wegen Winterstürmen könnten die Bilanz noch in den letzten Jahrestagen belasten. Im Gedächtnis der Branche ist noch Orkan "Lothar" präsent, der im Dezember 1999 über Nordfrankreich und Deutschland hinwegfegte. Der Sturm hatte der Münchener Rück Millionenschäden beschert. Die diesjährige ungewöhnlich heftige Hurrikan-Serie ab August kostete die Gruppe Rück 550 Mill. Euro. Dies liege bereits über dem Erfahrungswert für Naturkatastrophen-Schäden eines Jahres. Da Schäden aus extremen Wetterlagen weltweit stiegen, erwartet die Münchener Rück entsprechende Preissteigerungen für entsprechende Deckungen.

Sorgenkind Victoria Erhält Finanzielle Unterstützung

Aktiv wird die Münchener Rück bei ihrem Sorgenkind Victoria. Der Lebensversicherer erhält eine Kapitalspritze von 500 Mill. Euro. Dies seien "reine Sicherheitsmittel", um das Vertrauen in die Gesellschaft weiter zu stützen, betonte Schneider. "Die Victoria Leben steht dann bombenfest da." Zwar verzeichne Victoria im Neugeschäft einen etwas stärkeren Rückgang als der Durchschnitt der Konzerngesellschaften, aber sie habe schon "sehr viele Schritte in die richtige Richtung" hinter sich. "Victoria ist eine hervorragende Marke", sagte Schneider. Sie seid den Aufwand wert. Beispielsweise habe die Gesellschaft maßgeblich zum hervorragenden Ergebnis in der Schaden- und Unfallversicherung beigetragen.

Die Münchener Rück gewährt der Victoria Leben ein Nachrang-Darlehen über 400 Mill. Euro. Die restlichen 100 Mill. schießt der größte zur Münchener-Rück-Gruppe gehörende Erstversicherer Ergo zu. Victoria war stark in Aktien investiert und daher infolge der Börsenkrise ab 2001 ins Trudeln geraten. Zur Ergo gehören neben der Victoria unter anderem auch die DKV, D.A.S., Hamburg-Mannheimer und die Karstadt-Quelle-Versicherungen. Die Gruppe ist in Deutschland der größte Konkurrent der Allianz . Die Ergo Versicherungsgruppe erzielte von Januar bis September 176 Mill. Euro Gewinn und schwang sich damit auf Neunmonats-Sicht wieder in die schwarzen Zahlen auf (Vorjahr: minus 718 Mill. Euro). Zudem erwartet Ergo, die Kapitalkosten bereits 2004 und damit früher als ursprünglich angekündigt zu verdienen.

Bei einem anderen ehemaligen Sorgenkind, der American Re, schließt die Münchener Rück unterdessen weitere Rückstellungen nicht aus. Derzeit würden die Reserven turnusmäßig überprüft. "Ich kann nicht vorhersagen, aber auch nicht ausschließen, dass da noch was kommt", sagte Schneider. Im dritten Quartal hatte die Gruppe die Reserven der US-Tochter um 103 Mill. Dollar gestärkt. Seit der Schweizer Wettbewerber Converium im Juli meldete, die Rückstellungen für sein US-Geschäft aufstocken zu müssen, waren diese Polster auch bei anderen Rückversicherern in den Blickpunkt gerückt.

Konzern-Ergebnisse

Im dritten Quartal steigerte die Münchener Rück ihren Überschuss überraschend deutlich auf 365 Mill. Euro (Vorjahr: 42 Mill. Euro). Von dpa-AFX befragte Experten hatten lediglich 241,22 Mill. Euro erwartet. Im zweiten Quartal hatte die Gruppe noch 628 Mill. Euro erzielt. Die Bruttoprämien sanken dagegen auch wegen des schwachen Dollars um 6,5 Prozent auf 9,3 Mrd. Euro (Prognose: 9,43 Mrd Euro). Die Nettoprämien sanken wie erwartet um 1,6 Prozent auf 9,1 Mrd. Euro. Die Combined Ratio (Rückversicherung Nichtleben) verschlechterte sich im Jahresvergleich von 99,3 auf 105,8 Prozent (Prognose: 107,1%). Den darin enthaltenen Schadenaufwand aus Naturkatastrophen bezifferte die Münchener Rück mit 14,2 Prozentpunkte (Vorjahr: 1,8%).

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%