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ROUNDUP: Nach Terrorattacken Ölpreis auf Höhenflug - Streit um 'Benzin-Gipfel'

NEW YORK/BERLIN (dpa-AFX) - Nach den Terroranschlägen in Saudi-Arabien sinddie Ölpreise massiv in die Höhe geschossen. In New York trieb die Furcht vorneuen Attacken auf das weltgrößte Ölförderland den US- Rohölpreis auf mehr als41 Dollar je Barrel und damit fast auf den Rekordstand von Mitte Mai. Vor demTreffen am Donnerstag in Beirut wuchs der Druck auf die Organisation Erdölexportierender Länder (OPEC), die Ölförderung deutlich zu steigern, um denPreisauftrieb zu stoppen. Trotz stark gestiegener Benzinpreise hat dieBundesregierung Forderungen der Opposition nach einem nationalen "Benzingipfel"strikt abgelehnt und will auch keine Abstriche an der Ökosteuer machen.

NEW YORK/BERLIN (dpa-AFX) - Nach den Terroranschlägen in Saudi-Arabien sinddie Ölpreise massiv in die Höhe geschossen. In New York trieb die Furcht vorneuen Attacken auf das weltgrößte Ölförderland den US- Rohölpreis auf mehr als41 Dollar je Barrel und damit fast auf den Rekordstand von Mitte Mai. Vor demTreffen am Donnerstag in Beirut wuchs der Druck auf die Organisation Erdölexportierender Länder (OPEC), die Ölförderung deutlich zu steigern, um denPreisauftrieb zu stoppen. Trotz stark gestiegener Benzinpreise hat dieBundesregierung Forderungen der Opposition nach einem nationalen "Benzingipfel"strikt abgelehnt und will auch keine Abstriche an der Ökosteuer machen.

Die Anschlagserie in Saudi-Arabien überschattete auch das Treffen derFinanzminister der Euro-Zone am Dienstagabend in Luxemburg. Die Minister kamenzusammen, um über die Folgen der hohen Ölpreise auf die sich langsam erholendeKonjunktur in Europa zu beraten. Auch auf dem G8-Gipfel der sieben führendenIndustriestaaten und Russlands auf Sea Island in den USA (8. bis 10. Juni) werdedie Situation auf den Ölmärkten "sicher eine Rolle spielen", verlautete ausBerlin. Furcht vor Öl-Lieferunterbrechungen aus dem Nahen Osten belasteten auchdie internationalen Aktienmärkte.

BRENT 40 PROZENT ÜBER VORJAHR

In London kletterte der Preis für Rohöl der Sorte Brent um bis 5,6 Prozentauf 38,64 Dollar je Barrel und liegt damit um über 40 Prozent über demVorjahresstand. Der Terroranschlag in Saudi-Arabien habe wie ein "Wecker"gewirkt, der alle wachgerüttelt habe, sagte Analyst Richard Slape vom LondonerBörsenmakler Seymour Pierce. Jetzt werde Öl in der Erwartung gehandelt, dass esin Saudi-Arabien weitere Anschläge geben werde. Er erwarte nach dem Anschlageinen Anstieg des Ölpreises um zwei Dollar. "Ölpreise werden viel eher vonGefühlen getrieben als von den Gesetzen von Angebot und Nachfrage."

Rohöl zur Juli-Auslieferung zog am Warenterminmarkt Nymex (New YorkMercantile Exchange) um 5,3 Prozent auf 41,95 Dollar je Barrel an und erreichtedamit ein neues Rekorhoch.

SAUDI-ARABIEN WILL MEHR FÖRDERN

Die OPEC sei besorgt über die Attacken, da erwartet werde, dassSaudi-Arabien eine Produktionserhöhung anführe, erklärte OPEC - Präsident PurnomoYusgiantoro nach "Bloomberg"-Angaben. Ohne Irak hat die OPEC ein Förderziel von23,5 Millionen Barrel pro Tag. Saudi- Arabien hatte die OPEC aufgefordert, dieObergrenze um mindesten zwei Millionen Barrel pro Tag aufzustocken. Zugleichwill das Land seine Förderung im Juni auf mehr als neun Millionen Barrel pro Tagerhöhen.

Der saudische Ölminister Ali Naimi versichert vor seiner Abreise nachBeirut, dass die Anschläge keinerlei Einfluss auf die ölförderung des Landeshaben werden. Saudi-Arabien habe im Mai 8,6 Millionen Barrel pro Tag gefördertgegenüber 8,3 Millionen Barrel im April. Die OPEC stellt etwa ein Drittel desweltweiten Ölangebots.

LAGE AN DEN ÖLMÄRKTEN NICHT GRUNDSÄTZLICH GEÄNDERT

Die Lage an den internationalen Ölmärkten hat sich trotz des Anschlags inSaudi-Arabien nach Einschätzung der führenden Industrieländer nicht grundlegendverändert, hieß es am Dienstag aus Kreisen der Bundesregierung. Der Anstieg derÖl- und Rohstoffpreise sei vornehmlich Folge der Entwicklung auf den Weltmärktenwie das hohe Wachstum der Weltkonjunktur.

Ein nationaler "Benzin-Gipfel" mache angesichts der Ursachen für denÖlpreisanstieg keinen Sinn und die Forderung sei populistisch, bekräftigteRegierungssprecher Bela Anda am Dienstag in Berlin. Maßgebliche Ursachen für denhohen Ölpreis sei das Anziehen der Weltwirtschaft, das Auffüllen derRaffineriekapazitäten, das hohe Wachstum in Asien und insbesondere China. Ausden Reihen der Opposition wurde von "Abzockerei an deutschen Tankstellen"gesprochen, die einen "Benzingipfel" erfordere.

DRINGENDE WENDE

Die jüngste Ölpreiskrise zeigt nach Ansicht des ForschungsinstitutsWorldwatch die Dringlichkeit der Wende hin zu erneuerbaren Energien. "DiePreissteigerungen sind ein ökonomisches Problem, das auch die reicheren Länderbetrifft", sagte Worldwatch- Präsident Christopher Flavin am Dienstag in Bonnbei der Weltkonferenz für erneuerbare Energien.

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