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ROUNDUP: OPEC kündigt Signal für sinkende Ölpreise an - Märkte unbeeindruckt

BEIRUT/WIEN (dpa-AFX) - Angesichts der Ölpreise auf Rekordniveau undwachsender Sorgen um die Weltkonjunktur wollen die OPEC-Länder ein starkesSignal für sinkende Preise geben. Auf ihrer Sitzung in Beirut an diesemDonnerstag wolle die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) "durch dieErhöhung der Obergrenze für die Ölförderung ein Signal für die Märkte setzen,die Preise für Rohöl zu senken", kündigte der iranische OPEC-Gouverneur HosseinKasempur Ardebili am Mittwoch einen Tag vor dem mit Spannung erwarteten Treffenin der libanesischen Hauptstadt an.

BEIRUT/WIEN (dpa-AFX) - Angesichts der Ölpreise auf Rekordniveau undwachsender Sorgen um die Weltkonjunktur wollen die OPEC-Länder ein starkesSignal für sinkende Preise geben. Auf ihrer Sitzung in Beirut an diesemDonnerstag wolle die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) "durch dieErhöhung der Obergrenze für die Ölförderung ein Signal für die Märkte setzen,die Preise für Rohöl zu senken", kündigte der iranische OPEC-Gouverneur HosseinKasempur Ardebili am Mittwoch einen Tag vor dem mit Spannung erwarteten Treffenin der libanesischen Hauptstadt an.

Die internationalen Ölmärkte zeigten sich von der OPEC-Linie indesunbeeindruckt. Die Notierungen für Rohöl verharrten nahezu auf ihremSpitzenniveau: An der New Yorker Warenterminbörse Nymex gab es am Mittwochlediglich einen leichten Rückgang auf 41,86 Dollar pro Barrel (159 Liter),nachdem der Preis am Vortag um 6 Prozent auf 42,33 Dollar geschossen war - derhöchste Stand seit Einführung des Nymex-Ölhandels 1983. In London wurdeBrent-Nordseeöl an der International Petroleum Exchange (IPE) mit 38,84 Dollargehandelt, nachdem dort am Dienstag mit 39,08 Dollar der höchste Stand seitOktober 1990 verbucht worden war. Nach Einschätzung von Experten spiegelt derÖlpreis derzeit eine "Terrorprämie" von bis zu 10 Dollar je Barrel wider.

SORGE VOR KONJUNKTURDELLE

Unterdessen wächst in Europa, aber auch bei den OPEC-Produzenten selbst dieSorge vor einer Konjunkturdelle in Folge der hohen Ölpreise. DieEU-Finanzminister forderten die OPEC indirekt zur Erhöhung der Fördermengen auf.Es sollte ein "angemessenes Angebot" bereitgestellt werden, sagte der amtierendeVorsitzende der EU- Finanzministerrunde, die irische Ressortchef CharlieMcCreevy, in Luxemburg. Damit könnten die Ölpreise mit einem stabilen Wachstumder Weltwirtschaft vereinbar bleiben. Sein deutscher Kollege Hans Eichel warnteallerdings vor übertriebenen Reaktionen: "Zur Panikmache besteht kein Anlass."

Daher wollen die EU-Staaten auch nicht mit nationalen Alleingängen auf dieKrise reagieren. "Die Erfahrung des Jahres 2000 hat schlechte Erinnerungenhinterlassen", sagte der französische Wirtschafts- und Finanzminister NicolasSarkozy. Vor vier Jahren hatten mehrere Länder, darunter Frankreich, derheimischen Lkw-Transportbranche ohne vorherige EU-Absprache mitSteuererleichterungen unter die Arme gegriffen.

AUFSTOCKUNG DER FÖRDERQUOTEN

Der saudi-arabische Ölminister Ali al-Naimi, der eine deutliche Aufstockungder OPEC-Förderquote verlangt, erinnerte am Mittwoch an 1997/98, als eineweltweite Konjunkturkrise den Ölpreis zeitweise unter 10 Dollar gedrückt habe.Nach Einschätzung des Ölministers von Katar, Abdullah ibn Hamad al-Attiya, sinddie Möglichkeiten der OPEC, den Weltmarktpreis zu drücken, allerdings begrenzt.Eine Erhöhung der Fördermenge werde den Trend auf den Weltölmärkten nichtumkehren können. "Ich bin mir sicher, dass die Panik auf Grund der Anschläge inder Ölstadt Chobar hinter dem starken Anstieg der Ölpreise steht", sagte derMinister dem arabischen Fernsehsender el Dschasira. "Wir wollen ein Signalgeben, aber gegen Panik und Spekulation kann man nichts ausrichten."

Nach Angaben Ardebilis sollen bei den Entscheidungen der Konferenz auch dieAuswirkungen auf das Weltwirtschaftswachstum berücksichtigt werden. Ardebilibetonte, dass die Ölpreise auf den Weltmärkten in den vergangenen Wochen wegender Raffinerie-Engpässe in den USA und Marktspekulation gestiegen seien.Gegenwärtig liege die OPEC - Produktion mit rund 25,5 Millionen Barrel (159Liter) pro Tag um zwei Millionen Barrel über der Ende März festgelegtenObergrenze. Experten gehen davon aus, dass die Förderkapazität der OPECgegenwärtig bei maximal 29 Millionen Barrel täglich liegt. Da die meistenOPEC-Länder aber ohnehin schon weit mehr fördern als ihre offiziellen Quoten,sind kaum noch weitere Kapazitäten vorhanden. Saudi-Arabien ist mit einemSpielraum von rund 1,5 Millionen Barrel pro Tag das Schlüsselland.

'NOCH KEINE GEFAHR FÜR KONJUNKTUR'

Die Ölpreise bedeuten nach Einschätzung von WestLB-Chefvolkswirt UlrichHombrecher noch keine Gefahr für die Konjunktur. Selbst wenn der Ölpreis überMonate auf dem aktuellen Niveau bleibe, "bekommen wir einen Dämpfer von 0,1 bis0,2 Prozentpunkten des Bruttoinlandsprodukts", sagte er dem "Handelsblatt".Steigt der Preis allerdings weiter und nachhaltig über das aktuelle Niveauhinaus, "haben wir ein riesiges Problem".

Auch der Chef der "Wirtschaftsweisen", Wolfgang Wiegard, warnte vorHysterie. Der "Berliner Zeitung" sagte er, als Faustregel gelte, dass einAnstieg des Ölpreises um zehn Dollar pro Barrel über vier Quartale dasPreisniveau in den beiden folgenden Jahren um etwa einen halben Prozentpunktanhebt. Der Konsum würde in zwei aufeinander folgenden Jahren jeweils um etwa0,3 Prozentpunkte und die Ausrüstungsinvestitionen um jeweils etwa 0,4Prozentpunkte sinken. Im Hinblick auf das Bruttoinlandsprodukt würde das proJahr etwa einen Viertelprozentpunkt ausmachen.

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