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ROUNDUP: Reformen der Landesbanken tragen Früchte - Ratings verbessertDPA-Datum: 2004-07-01 16:41:12

FRANKFURT (dpa-AFX) - Bei der mit Spannung erwarteten Benotung ihrer Kreditwürdigkeit durch internationale Rating-Agenturen haben Deutschlands öffentliche Landesbanken besser abgeschnitten als erwartet. Die Rating-Agentur Standard & Poor's (S & P) veröffentlichte am Donnerstag erstmals die voraussichtlichen Einzelnoten, die darüber entscheiden, zu welchen Kosten sich ein Unternehmen Fremdkapital beschaffen kann. Bis Mitte 2005 sind die Landesbanken noch durch die so genannte Staatshaftung besonders geschützt - beim Ausfall von Verbindlichkeiten springen die öffentlichen Träger ein.

FRANKFURT (dpa-AFX) - Bei der mit Spannung erwarteten Benotung ihrer Kreditwürdigkeit durch internationale Rating-Agenturen haben Deutschlands öffentliche Landesbanken besser abgeschnitten als erwartet. Die Rating-Agentur Standard & Poor's (S & P) veröffentlichte am Donnerstag erstmals die voraussichtlichen Einzelnoten, die darüber entscheiden, zu welchen Kosten sich ein Unternehmen Fremdkapital beschaffen kann. Bis Mitte 2005 sind die Landesbanken noch durch die so genannte Staatshaftung besonders geschützt - beim Ausfall von Verbindlichkeiten springen die öffentlichen Träger ein.

Klassenbester bei den so genannten "Schattenratings" ist mit der Note A+ die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Schlusslichter sind die WestLB und die Landesbank Sachsen mit BBB+. S & P benotet im Gegensatz zu anderen Rating-Agenturen allerdings nur sieben der insgesamt elf Landesbanken. Das höchste Rating bei S & P ist ein "Triple A" (AAA), danach geht es schrittweise abwärts bis zur Kategorie C-. Alle Landesbanken liegen deutlich über einer Benotung, die für spekulative Werte gilt und bei BB+ beginnt.

REFINANZIERUNG WÜRDE SCHRITTWEISE TEURER

Derzeit liegen die Ratings der Landesbanken noch im AAA- und AA- Bereich. Die neue Einstufung bedeutet, dass die Refinanzierung an den Kapitalmärkten für die Landesbanken von Mitte 2005 an schrittweise teurer werden würde. Die nun veröffentlichten Ratings haben keine unmittelbare Bedeutung, gelten aber als Indikator für die Wettbewerbsfähigkeit der Landesbanken. Entscheidend sind die tatsächlichen neuen Ratings in einem Jahr.

S & P hatte den Banken vorgehalten, auf den Wegfall der staatlichen Garantien noch nicht ausreichend vorbereitet zu sein. Die Veröffentlichung individueller Bewertungen war nach lautstarker Kritik der Banken und Verbände an "fiktiven" Noten im November 2003 um ein halbes Jahr verschoben worden.

BEWEGUNG IN DER BANKENLANDSCHAFT

Seither kam Bewegung in die öffentlich-rechtliche Bankenlandschaft: Die WestLB setzte unter ihrem neuen Vorstandschef Thomas Fischer eine neue Eigentümerstruktur und eine Kapitalerhöhung durch. "Wir hätten gerne bereits ein Schattenrating im A-Bereich gehabt, müssen aber anerkennen, dass S & P von unseren Eigentümern weitere Anstrengungen mit Blick auf Sicherungsmaßnahmen erwartet", sagte Fischer am Donnerstag in Düsseldorf. Im November sei die WestLB aber noch mit BBB statt BBB+ eingestuft worden, habe sich also schon etwas verbessert.

Die Landesbank Rheinland-Pfalz (A-) könnte angesichts der geplanten Übernahme durch die LBBW ein Rating im BBB-Bereich verhindert haben, heißt es in Finanzkreisen. Deren Eigentümer hatten erst am Mittwoch grünes Licht für den Deal mit den Stuttgartern gegeben. Die LBBW selbst und die Deka-Bank hatten sich nach Einschätzungen von Experten sogar Hoffnungen auf Noten im sehr guten AA-Bereich gemacht, in dem zum Beispiel auch die Deutsche Bank liegt.

ÄNDERUNGEN NOCH MÖGLICH

Dafür ist es noch nicht zu spät: "Bis zum 19. Juli 2005 können individuelle Bewertungen sich immer noch ändern, falls es zu neuen Entwicklungen kommt", sagte S & P-Analyst Stefan Best. Der Transformationsprozess der Landesbanken sei noch nicht abgeschlossen.

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte auf dem Deutschen Sparkassentag im Mai die Landesbanken zu weiteren Fusionen aufgefordert. Am Ende könnten sogar nur drei Institute übrig bleiben, meinte der Kanzler.

ZÄHER PROZESS

Zusammenschlüsse oder Übernahmen gelten jedoch als zäher Prozess, da alle Eigentümer mitziehen müssen und die Banken zum Teil völlig unterschiedliche Schwerpunkte haben.

Von Mitte 2005 an entfällt bei allen öffentlichen Kreditinstituten - neben den Landesbanken sind dies auch die Sparkassen - die so genannte Gewährsträgerhaftung als bisherige Garantie für die Rückzahlung von Schulden und Verbindlichkeiten. Die Rahmenbedingungen für Landesbanken und Sparkassen gleichen sich damit denen privater Geschäftsbanken an.

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