Archiv
ROUNDUP: Royal Dutch Shell sucht einen Neuanfang mit 'weniger Arroganz'

London (dpa-AFX) - Nach dem Debakel um die Fehleinschätzung seiner Öl- undGasreserven bemüht sich der Ölmulti Royal Dutch Shell umein neues Image. Mit weniger Arroganz und größerer Genauigkeit soll es beimdrittgrößten Ölkonzern der Welt künftig zugehen. Großzügige Sonderprämien fürSpitzenmanager werden gestrichen. Aus dem Jahresbericht, den Shell am Freitag inLondon mit zweimonatiger Verspätung vorlegte, geht hervor, dass der Konzernseinen Nettogewinn im Geschäftsjahr 2003 gegenüber dem Vorjahr um 29 Prozentsteigern konnte. Sie erreichten 12,5 Milliarden US-Dollar (15,2 Mrd Euro).

London (dpa-AFX) - Nach dem Debakel um die Fehleinschätzung seiner Öl- undGasreserven bemüht sich der Ölmulti Royal Dutch Shell umein neues Image. Mit weniger Arroganz und größerer Genauigkeit soll es beimdrittgrößten Ölkonzern der Welt künftig zugehen. Großzügige Sonderprämien fürSpitzenmanager werden gestrichen. Aus dem Jahresbericht, den Shell am Freitag inLondon mit zweimonatiger Verspätung vorlegte, geht hervor, dass der Konzernseinen Nettogewinn im Geschäftsjahr 2003 gegenüber dem Vorjahr um 29 Prozentsteigern konnte. Sie erreichten 12,5 Milliarden US-Dollar (15,2 Mrd Euro).

Für das erste Quartal 2004 meldete Shell einen - um Sonderfaktoren-bereinigten Gewinn von 4,35 Milliarden Dollar. Das waren neun Prozent mehr alsim Vorjahreszeitraum. Der Nettogewinn fiel dagegen um 16 Prozent auf 4,43Milliarden Dollar. Dies erklärt Shell unter anderem mit einmaligen Erträgen ausdem Verkauf von Ruhrgas-Anteilen vor Jahresfrist. Die Shell-Aktie fiel an derLondoner Börse am Freitagvormittag um vier Pence auf 394 Pence.

RESERVEN-DEBAKEL

Nach dem Debakel um die fünfmalige Abwärts-Korrektur der vorhandenenÖlreserven - sie liegen jetzt mit 14,35 Milliarden Barrel um 23 Prozentniedriger als noch zu Jahresanfang angegeben - war bei Vorlage desJahresberichts erst einmal ein Versprechen angesagt. "Es ist absolutlebenswichtig, dass so etwas nicht noch einmal passiert", wurde KonzernchefJeroen van der Veer in dem Bericht zitiert. "Wir müssen viel tun, um dasVertrauen der Aktionäre wiederherzustellen."

Das will der Konzern mit 119 000 Beschäftigten nicht nur mit "guten undkonkurrenzfähigen Leistungen", sondern auch mit einer Verschärfung seiner"Reservenpolitik" und mit einer "Aufpolierung der Unternehmenskultur" erreichen.Zu diesem Zweck müssen derzeitige und frühere Vorstandsmitglieder,einschließlich van der Veer, für das vergangene Jahr auf Sonderprämienverzichten. Mit diesen Zusatzzahlungen hatte sich das Einkommen der Top-Managerin der Regel annähernd verdoppelt.

GEHALTSERHÖHUNG

Trotz der Einschränkung billigte Shell seinen Vorstandsmitgliedern aber auchdiesmal wieder eine Gehaltserhöhung und großzügige Aktienoptionen zu. Für den inZusammenhang mit dem Bewertungsskandal abgetretenen Ex-Chef Sir Philip Wattsbedeutet dies, dass ihm im Jahr vor seinem Rückzug eine jährlicheGehaltserhöhung von 13 Prozent auf 1,2 Millionen Euro zugebilligt wird. Van derVeer hat mit dem Bonus- Verzicht ein "Mindereinkommen" von 1,2 Millionen Euro.

"Wir wurden oftmals als arrogant empfunden", hatte van der Veer vor kurzemgegenüber der Shell-Belegschaft in Houston (Texas) eingeräumt. Mit einer"gründlichen Überholung" der Einkommensstrukturen solle dasPreis-Leistungsverhältnis wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. Außerdemwill Shell bei der Reserveneinschätzung künftig die Kontrollen verbessern undsich strikt an die vorgegebenen Regeln halten. Auch Sparmaßnahmen fehlen nicht.Im April hatte der Konzern die Streichung von weltweit 2800 Stellen imTechnologiebereich angekündigt.

Im Zusammenhang mit dem Reserven-Skandal hatte sich Shell vorwerfen lassenmüssen, die unangenehme Nachricht für seine Aktionäre zu lange vertuscht zuhaben. Noch laufende Untersuchungen der Finanzaufsichtsbehörden in den USA undin den Niederlanden könnten, so wird in der Branche spekuliert, auch peinlicheDetails über Insiderhandel zu Tage fördern./

-Von Anna Tomforde, dpa-

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%