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ROUNDUP: Staatsanwälte fordern im Mannesmann-Prozess bis zu drei Jahre HaftDPA-Datum: 2004-06-30 15:59:02

DÜSSELDORF (dpa-AFX) - Im Mannesmann-Prozess haben die Staatsanwälte bis zu drei Jahre Haft für die Angeklagten gefordert. Für Deutsche- Bank-Chef Josef Ackermann beantragten die Ankläger wegen schwerer Untreue in sieben Fällen zwei Jahre Haft auf Bewährung. Ex- Mannesmann-Chef Klaus Esser soll nach ihrem Willen für zweieinhalb Jahre ohne Bewährung hinter Gitter. Die härteste Strafe forderte die Anklage für den ehemaligen Aufsichtsratschef Joachim Funk mit drei Jahren Haft.

DÜSSELDORF (dpa-AFX) - Im Mannesmann-Prozess haben die Staatsanwälte bis zu drei Jahre Haft für die Angeklagten gefordert. Für Deutsche- Bank-Chef Josef Ackermann beantragten die Ankläger wegen schwerer Untreue in sieben Fällen zwei Jahre Haft auf Bewährung. Ex- Mannesmann-Chef Klaus Esser soll nach ihrem Willen für zweieinhalb Jahre ohne Bewährung hinter Gitter. Die härteste Strafe forderte die Anklage für den ehemaligen Aufsichtsratschef Joachim Funk mit drei Jahren Haft.

Ob die Angeklagten tatsächlich mit einer Strafe rechnen müssen, ist allerdings fraglich. Die Wirtschafts-Strafkammer des Düsseldorfer Landgerichts hatte bereits im März Freisprüche für alle Angeklagten in Aussicht gestellt und bislang nicht erkennen lassen, dass sie zwischenzeitlich von ihrer Auffassung abgerückt ist. Mit einem Urteil wird noch im Juli gerechnet.

SCHWERE UNTREUE

Die Staatsanwälte bewerteten die Ausschüttung von Prämien und Pensionsabfindungen in Höhe von mindestens 57 Millionen Euro im Zuge der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone < VOD.ISE > < VOD.FSE > als schwere Untreue. "Die Angeklagten griffen vorsätzlich in die Kassen der Mannesmann AG und warfen Millionen aus dem Fenster", sagte Staatsanwalt Dirk Negenborn. Sie hätten ihre Vertrauensstellung missbraucht, ihre Pflicht zu einem treuhänderischen Umgang mit dem Konzernvermögen verletzt und ihren Ermessensspielraum weit überschritten, sagte Ankläger Lothar Schroeter.

Für den einstigen IG-Metall-Chef Klaus Zwickel sehen die Ermittler eine Strafe von einem Jahr und zehn Monaten zur Bewährung vor. Der damalige Betriebsrats-Vorsitzende von Mannesmann, Jürgen Ladberg, und ein Mitarbeiter der Direktionsabteilung sollen zu jeweils einem Jahr Bewährungsstrafe verurteilt werden, letzterer nur wegen Beihilfe. Insgesamt blieben die Ankläger im unteren Bereich des Strafrahmens, der bis zu zehn Jahre Höchststrafe reicht.

VERTEIDIGUNG ÜBT KRITIK

Seitens der Verteidigung kam heftige Kritik. "Die Staatsanwälte haben erst die Wirklichkeit verdreht und dann das Recht", sagte der Verteidiger von Ackermann, Klaus Volk, zu den Strafforderungen. Die Ankläger hielten an ihren "alten Thesen von Komplott und Verschwörung fest". In der kommenden Woche beginnen die Plädoyers der Verteidigung. Danach haben die Angeklagten das letzte Wort.

Entgegen dem Eröffnungsbeschluss des Gerichts wollen die Staatsanwälte Esser nicht nur wegen Beihilfe, sondern auch wegen schwerer Untreue verurteilt sehen. Dies führte zu Empörung bei den Verteidigern, einem mahnenden Hinweis der Vorsitzenden Richterin Brigitte Koppenhöfer und einer Unterbrechung der Verhandlung.

Besondere Schuld hat aus Sicht der Staatsanwaltschaft der damalige Aufsichtsratschef Funk auf sich geladen. Funk habe als Vorsitzender des Kontrollorgans seine eigene Bereicherung betrieben. Nachdem ihm seine rechtswidrig angestrebte Anerkennungsprämie streitig gemacht wurde, habe er eine möglichst hohe Abfindung seiner variablen Pensionsansprüche betrieben - trotz einer garantierten Festpension von 980.000 DM (etwa 500.000 Euro) jährlich.

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