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ROUNDUP: Widerstand gegen Arbeitsplatz-Abbau bei Siemens wächst - Aktionstag

NÜRNBERG (dpa-AFX) - Im Streit um die geplante Verlagerung von rund 5.000Siemens-Arbeitsplätzen ins Ausland hat die IG Metall am Freitag ihreGangart verschärft. Bei einem bundesweiten Aktionstag der Gewerkschaft fordertenmehrere tausend Mitarbeiter den Erhalt der bedrohten deutschen Siemens-Jobs.

NÜRNBERG (dpa-AFX) - Im Streit um die geplante Verlagerung von rund 5.000Siemens-Arbeitsplätzen ins Ausland hat die IG Metall am Freitag ihreGangart verschärft. Bei einem bundesweiten Aktionstag der Gewerkschaft fordertenmehrere tausend Mitarbeiter den Erhalt der bedrohten deutschen Siemens-Jobs.

"Das Gebaren des Konzerns erinnert an Raubrittertum", kritisierte derbaden-württembergische IG-Metall Bezirksleiter Jörg Hoffmann in Karlsruhe vorrund 1.000 Beschäftigten. "Die Zeiten der geruhsamen Siemens-Familie sindvorbei", betonte der Nürnberger IG-Metall-Chef Gerd Lobodda.

Insgesamt rief die IG Metall nach Angaben einer Sprecherin an mehr als 50Standorten zu Aktionen auf. Wegen des teilweise nur geringen Organisationsgradesder IG Metall bei Siemens fielen die Aktionen allerdings unterschiedlichkämpferisch aus: Während sich die gewerkschaftlich organisierten Beschäftigtenin einigen Siemens - Standorten darauf beschränkten, Flugblätter zu verteilen,kam es in anderen Städten zu Großkundgebungen mit mehreren tausend Teilnehmern.

IG METALL: SIEMENS IST KEIN KRÄNKELNDER KONZERN

Der IG Metall-Vertreter im Siemens-Aufsichtsrat und Leiter des bundesweitenSiemens-Teams der IG Metall, Wolfgang Müller, forderte bei einer Kundgebung inErlangen das Konzern-Management zu klaren und verlässlichen Zahlen auf. Erbetonte, Siemens sei kein kränkelnder Konzern. "Auch mit den Arbeitsplätzen inDeutschland hat Siemens in den vergangenen Jahren einen Rekordgewinn nach demanderen eingefahren". Sich jetzt mit den Gewinnen ins Ausland zu verabschieden,sei unmoralisch, sagte Müller.

Ein Schwerpunkt des Aktionstages lag in Berlin, wo allein 16.000 derbundesweit rund 74.000 Siemens-Mitarbeiter beschäftigt sind. Bei Kundgebungenund Sternmärschen in Berlin-Spandau und Siemensstadt nahmen rund 2.500 Männerund Frauen teil. In Anspielung auf die geplante Verlagerung vonSiemens-Arbeitsplätzen nach China und Ungarn trugen viele DemonstrantenReispfannen; an einigen Stellen wurde ungarisches Gulasch ausgeschenkt.

KUNDGEBUNGEN

Am westfälischen Siemens-Standort Kamp-Lintfort und Bocholt, wo dieVerlagerung von Teilen der Handy-Produktion nach Ungarn befürchtet wird,erinnerten Beschäftigte mit der Aktion "Jeder Arbeitsplatz hat ein Gesicht" dieFirmenmanager an ihre Verantwortung für die Betroffenen. Der Protestmarsch imKamp-Lintfort endete vor dem örtlichen Arbeitsamt.

An den Siemens-Standorten Erlangen und Nürnberg verließen mehr als 1.000Beschäftigte zeitweise die Werkshallen und Büros und beteiligten sich anKundgebungen vor den Werkstoren. Vor der Zentrale des GeschäftsbereichMedizintechnik demonstrierten rund 400, vor einem Gerätewerk derAutomatisierungstechnik rund 200 Mitarbeiter.

Bei einer Kundgebung in Nürnberg mit rund 300 Teilnehmern kündigten Rednerweiteren Widerstand gegen die Abbau-Pläne des Siemens-Vorstands an. Bereits amMorgen hatte es in Hamburg, Rostock und Bremen Aktionen gegeben.

VERHANDLUNGEN

Die Siemens-Führung hatte in den vergangenen Wochen wiederholt damitgedroht, 5.000 Arbeitsplätze zu streichen oder ins Ausland zu verlagern. InVerhandlungen mit Arbeitnehmervertretern werden derzeit Lösungen zurKostensenkung in deutschen Werken gesucht. Bei Gesprächen Anfang Juni nähertensich die Parteien an. Siemens will längere Arbeitszeiten bei gleicherEntlohnung. Betroffen seien hauptsächlich die Handy-Sparte, dieTrafo-Herstellung und die Automatisierungstechnik.

Service- und Vertriebs-Mitarbeiter protestierten zugleich gegen diegeplanten Verschlechterungen ihrer Arbeitsbedingungen im Zuge der angestrebtenZusammenfassung dieser Bereiche unter einer einheitlichen deutschlandweitenFührung.

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