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Roundup2: 50 000 Menschen protestieren gegen Stellenabbau bei General Motors

Mehr als 50 000 Menschen haben am Dienstag an den Standorten von Opel und anderen Töchtern von General Motors (GM) in Europa gegen den geplanten drastischen Stellenabbau bei dem Autobauer protestiert.

dpa-afx RÜSSELSHEIM/BOCHUM. Mehr als 50 000 Menschen haben am Dienstag an den Standorten von Opel und anderen Töchtern von General Motors (GM) in Europa gegen den geplanten drastischen Stellenabbau bei dem Autobauer protestiert. Der seit Donnerstag anhaltende "wilde Streik" in Bochum legte inzwischen auch die Produktion in Rüsselsheim und im belgischen Antwerpen lahm. In Rüsselsheim griff Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz das Management des Mutterkonzerns scharf an, zeigte sich aber bereit zu weiteren Verhandlungen.

Die Entscheidung über eine Wiederaufnahme der Produktion im Bochumer Opelwerk soll am Mittwoch fallen. Daran müssten auch die Kollegen der Nacht- und Frühschicht beteiligt werden, beschloss die Belegschaft der Spätschicht am Dienstagabend.

Regierung Rechnet MIT 'Einvernehmlicher Lösung'

Die Bundesregierung rechnete mit einer "einvernehmlichen Lösung". Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sagte in Berlin, er begrüße, dass die Verhandlungen bei Opel begonnen hätten. Zudem kündigte er im ZDF "heute journal" an, die Zukunft des Bochumer Opel-Werks zur Chefsache machen zu wollen. IG Metall-Chef Jürgen Peters sagte unterdessen, er sehe Chancen. Der Wille zu einer Lösung sei "eine gute Voraussetzung, jetzt zu einem Erfolg zu kommen".

In einer gemeinsamen Erklärung von Gesamtbetriebsrat und Opel-Management bekannten sich beide Seiten zu dem Ziel, die Opel-Werke Bochum, Rüsselsheim und Kaiserslautern langfristig zu erhalten. Die Standorte sollten soweit wettbewerbsfähig gemacht werden, dass sie auch über 2010 hinaus bestehen könnten. Dies ist das erste Ergebnis der am Montag begonnenen Verhandlungen über die Sanierung, der nach Angaben von General Motors bis zu 12 000 Arbeitsplätze in Europa zum Opfer fallen könnten. Die Gespräche sollen am Donnerstag fortgesetzt werden. Die Arbeitnehmerseite fordert Garantien für die Werke und den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen.

Arbeitsniederlegungen - Einfluss AUF Andere Opel-Werke

Die Arbeitsniederlegungen im besonders gefährdeten Werk in Bochum wurden am Dienstag fortgesetzt. Die Erklärung aus den Verhandlungen vom Vortag wurden in Bochum unterschiedlich bewertet. Der dortige Belegschaftssprecher Paul Fröhlich sagte: "In der Tendenz sind die bisherigen Ergebnisse aber nicht ausreichend." Betriebsratschef Dietmar Hahn nannte die ersten Verhandlungen mit dem Opel-Management dagegen eine "gute Basis".

Da General Motors europaweit in einem Fertigungsverbund arbeitet, können die Bochumer Opel-Arbeiter auch die Produktion in anderen Werken lahm legen. Am Opel-Hauptsitz in Rüsselsheim wurde die Vectra-Fertigung wegen fehlender Zulieferungen gestoppt. Zuvor hatte bereits das Werk Antwerpen mitgeteilt, die Bänder wegen Teilemangels abzuschalten. In Rüsselsheim werden täglich 700, in Antwerpen 1 100 Autos gebaut. In Bochum haben die wilden Streiks die Produktion von rund 2000 Fahrzeugen verhindert. Der Umsatzausfall beträgt Schätzungen zufolge einen zweistelligen Millionenbetrag.

'Welt': Opel Erwägt Fristlose Kündigungen ALS Reaktion

Nach einem Bericht der Tageszeitung "Die Welt" erwägt Opel als Reaktion auf die wilden Streiks fristlose Kündigungen in Bochum. Die Kündigung "mutmaßlicher Rädelsführer" des wilden Streiks solle mit Verstößen gegen das Betriebsverfassungsgesetz begründet werden, schrieb die Zeitung am Dienstag unter Berufung auf informierte Kreise. Opel wollte den Bericht nicht kommentieren.

Am Opel-Stammsitz in Rüsselsheim nahmen etwa 20 000 Beschäftigte an dem von Gesamtbetriebsrat und Gewerkschaften ausgerufenen europäischen Aktionstag teil. "Kein Manager hat es sich je erlaubt, so über die eigenen Marken herzuziehen wie die Bosse von GM in Detroit und Zürich", sagte Gesamtbetriebsratschef Franz. Er sei dennoch bereit zum Dialog mit dem Management. "Bei den Verhandlungen am Montag sind wir einen kleinen Schritt in die richtige Richtung nach vorn gekommen", sagte Franz. Entlassungen dürfe es nicht geben, allerdings sei ein Stellenabbau aber unausweichlich, sagte Franz. "Ich warne davor zu glauben, dass dieser Kelch an uns vorübergehen wird."

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