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ROUNDUP2: EU-Kommission billigt Rettungsplan für Alstom - Aktie steigtDPA-Datum: 2004-07-07 14:40:30

BRÜSSEL/PARIS (dpa-AFX) - Der angeschlagene französische Mischkonzern Alstom < PALS.PSE > < AOM.FSE > steht nach dem grünen Licht der EU-Kommission für den Milliarden schweren Rettungsplan vor weit reichenden Veränderungen und muss sich für Konkurrenten öffnen. An der Börse löste die Genehmigung des Finanzpakets unter Auflagen am Mittwoch einen Kurssprung der Alstom-Aktie aus.

BRÜSSEL/PARIS (dpa-AFX) - Der angeschlagene französische Mischkonzern Alstom < PALS.PSE > < AOM.FSE > steht nach dem grünen Licht der EU-Kommission für den Milliarden schweren Rettungsplan vor weit reichenden Veränderungen und muss sich für Konkurrenten öffnen. An der Börse löste die Genehmigung des Finanzpakets unter Auflagen am Mittwoch einen Kurssprung der Alstom-Aktie aus.

Da Alstom auch Geschäftsaktivitäten abstoßen und Partnerschaften suchen muss, könnte laut Händlern Mitbewerber Siemens < SIE.ETR > als Interessent für Vermögenswerte des Konzerns wieder ins Spiel kommen. Der Münchener Technologiekonzern wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern. "Das kommentieren wir im Moment nicht", sagte ein Siemens-Sprecher. "Wir werden das von der EU genehmigte Maßnahmenpaket nun sorgfältig prüfen." Die Alstom-Aktie stieg bis zum Nachmittag um 5,88 Prozent auf 1,08 Euro. Der Siemens-Titel verlor 0,39 Prozent auf 56,65 Euro und zeigte sich damit etwas schwächer als der deutsche Leitindex DAX < DAX.ETR > .

Der Alstom-Titel hatte bereits am Morgen zugelegt, nachdem Alstom Zahlen für das erste Geschäftsquartal (Ende Juni) veröffentlicht hatte. Der Auftragseingang schnellte um 41 Prozent hoch. Der Umsatz sank dagegen um 6 Prozent. "Die Aufträge des ersten Quartals 2004/05 bestätigen den positiven Trend, den wir in der zweiten Hälfte des vorigen Geschäftsjahres ausgemacht haben", sagte Konzern-Chef Patrick Kron. "Wir betrachten diese Entwicklung als ermutigend und sind zuversichtlich, unseren Turnaround zu erreichen." Die Entwicklung sei besonders den Bereichen Energie, Umwelt und Transport zu verdanken. Ein Händler sagte: "Neben den soliden Zahlen hatte auch die Erwartung einer Billigung des Rettungsplans schon für Unterstützung gesorgt."

REGIERUNG SPÄTESTENS IN 4 JAHREN RAUS BEI ALSTOM

Wie die Behörde in Brüssel mitteilte, verpflichtet sich die französische Regierung, den Industriegiganten innerhalb von vier Jahren für Konkurrenten zu öffnen. Der Siemens < SIE.ETR > -Konkurrent Alstom stellt den Hochgeschwindigkeitszug TGV, Turbinen und Schiffe her. Bei dem von der EU-Kommission Monate lang geprüften und nun genehmigten Finanzpaket geht es um verschiedene Formen von Subventionen. Die Berechnungsweisen unterscheiden sich nach Einschätzung Brüsseler Experten. Das Gesamtvolumen betrage etwa drei Milliarden Euro.

Die von der Kommission durchgesetzten industriellen Partnerschaften betreffen die Alstom-Sparten Energieerzeugung und Bahntechnik. Innerhalb von vier Jahren muss ein Partner gefunden werden. Die Partnerschaften müssten in wichtigen Geschäftsaktivitäten erfolgen und langfristig angelegt sein.

VERKAUF VON VERMÖGENSWERTEN

Alstom muss auch Randbereiche mit einem Umsatz von 1,6 Milliarden Euro abgeben. Laut dem EU-Entscheid muss Alstom weitere 10 Prozent seiner Vermögenswerte abstoßen. Im Zuge der laufenden Umstrukturierung verkauft das Unternehmen gegenwärtig bereits ein Fünftel seiner Vermögenswerte. Zusätzlich will die EU-Kommission demnächst nähere Angaben zu Veräußerungen im Wert von 800 Millionen Euro machen.

In den Randbereichen mit insgesamt 1,6 Milliarden Umsatz muss Alstom einen Teil der Kontrolle über seine Wasserenergie-Sparte an ein noch zu suchendes Partnerunternehmen abgeben. Zudem verlangt die EU-Kommission von dem Konzern, sein Geschäft mit Industriedampfkessels abzustoßen. Alstom muss überdies Transport-Aktivitäten in Australien sowie Neuseeland und sein Frachtzug-Geschäft in Spanien aufgeben.

Um Ängsten zu begegnen, dass die staatliche Finanzspritze Alstom Wettbewerbsvorteile verschafft, untersagte die EU-Kommission der Gesellschaft, in den nächsten vier Jahren Übernahmen im Transport-Bereich zu tätigen. Außerdem darf Alstom staatliche Hilfen nicht dazu verwenden, seine Preise zu senken und mit einer Dumpingpreis-Politik Mitbewerbern Marktanteile abspenstig zu machen.

REGIERUNGSBETEILIGUNG

Die EU-Kommission traf auch Entscheidungen zur Beteiligung der französischen Regierung an Alstom. Die Regierung muss sich in spätestens vier Jahren aus dem Unternehmen zurückziehen. Wenn eine Ratingagentur die Kreditwürdigkeit Alstoms mindestens mit "BBB" bewertet (Investment Grade), dann muss die französische Regierung binnen 12 Monaten bei dem Mischkonzern aussteigen.

Die Basis für den Kompromiss zwischen der französischen Regierung und der EU-Kommission zu dem Rettungsplan war bereits Ende Mai gelegt worden. Eine angebliche Zurückweisung eines Siemens-Einstiegs bei Alstom durch den französischen Wirtschafts- und Finanzminister Nicolas Sarkozy hatte zu Unruhe in den deutsch-französischen Wirtschaftsbeziehungen geführt.

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