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Roundup2: Handy- und Bahntechnik-Probleme belasten Siemens - Ausblick positiv

Bei der Siemens AG haben Probleme in der Handy-Sparte und dem defizitären Bahntechnik-Bereich die teils deutlichen Ergebniszuwächse im vergangenen Geschäftsjahr 2003/04 überschattet.

dpa-afx MÜNCHEN. Bei der Siemens AG haben Probleme in der Handy-Sparte und dem defizitären Bahntechnik-Bereich die teils deutlichen Ergebniszuwächse im vergangenen Geschäftsjahr 2003/04 überschattet. Für das Anfang Oktober begonnene Fiskaljahr 2004/05 gab sich der scheidende Chef des Technologiekonzerns, Heinrich von Pierer, am Donnerstag in München zuversichtlich. "Wir gehen davon aus, dass die Wachstumsraten beim Umsatz zwar prozentual einstellig bleiben, aber das sie höher ausfallen werden als im Vorjahr."

Die Zielmargen für die Bereiche blieben bestehen. Pierer, der Ende Januar den Chefsessel für seinen Nachfolger Klaus Kleinfeld räumt, kündigte an, dass Siemens weitere Zukäufe in der Pipeline habe. Zudem plane das Technologieunternehmen, seinen Aktionären mit 1,25 Euro je Aktie eine knapp 14 Prozent höhere Dividende auszuschütten als ein Jahr zuvor (1,10 Euro).

Eine konkretere Jahres-Prognose für Umsatz und Ergebnis werde Siemens erst bei Vorlage der Ergebnisse des Ende Dezember auslaufenden ersten Geschäftsquartals geben, sagte Pierer. Die Münchener begründeten dies mit Entwicklungen bei Währungen, Rohstoffpreisen sowie Ergebnisverbesserungen bei dem strauchelnden Dienstleistungsbereich SBS und der verlustträchtigen Bahntechnik-Sparte. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet der Konzern nach Aussage von Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger mit einem gegenüber dem Euro schwächeren Dollar.

Zahlen Teils Enttäuschend

Im abgelaufenen Geschäftsjahr steigerte Siemens seinen Umsatz um ein Prozent auf 75,17 Mrd. Euro. Rund 80 Prozent der Erlöse kämen aus dem Ausland, die Tendenz sei steigend. Asien und China bleiben Wachstumsmärkte für Siemens. Der Überschuss schnellte um 39 Prozent auf 3,41 Mrd. Euro hoch. Ohne Gewinne aus dem Verkauf von Aktien des Halbleiter-Herstellers Infineon und Abschreibungseffekte wäre er um 23 Prozent auf 3,0 Mrd. Euro gestiegen. Das Ergebnis der Bereiche wuchs um 16 Prozent auf knapp fünf Mrd. Euro, laut Siemens ein operativer Rekordgewinn. Der Auftragseingang legte um acht Prozent auf 80,83 Mrd. Euro zu.

Im Berichtsjahr haben laut Pierer sieben der 13 Bereiche ihre jeweiligen Zielmargen erreicht oder überschritten, unter anderem die Medizintechnik (Medical Solutions), der Kraftwerksbereich Power Generation (PG) und das Lichtgeschäft Osram. Die Automobiltechnik-Sparte (VDO Automotive; SV) nannte der Siemens-Chef den "Shooting Star" des Jahres. Im Schlussquartal 2003/04 enttäuschte Siemens unterdessen Analysten mit einem überraschend gesunkenen Überschuss, aber legte gleichzeitig beim Ergebnis der Bereiche und dem Umsatz unerwartet stark zu. Die Siemens-Aktie dümpelte bis zum frühen Nachmittag auf den untersten Dax-Rängen . Sie verlor zuletzt 0,71 Prozent auf 60,12 Euro.

Bahntechnik Einziger Verlust-Bereich - Sorgenkind Handy-Sparte

In der Bahntechnik-Sparte kämpfte Siemens mit Problemen wegen seiner fehlerhaft konstruierten Straßenbahn Combino. Im Gesamtjahr stellten die Münchener deswegen 400 Mill. Euro zurück (Q4: 91 Mill. Euro). Insgesamt belasteten Rückstellungen von 500 Mill. Euro für alle Risiken den Bereich Transportation Systems (TS). TS sackte mit einem Minus von 434 Mill. Euro in die roten Zahlen ab (Vorjahr: plus 284 Mill. Euro). Im aktuellen Geschäftsjahr 2004/05 soll sich die Bahntechnik aber wieder in die Gewinnzone aufschwingen. Weitere Rückstellungen wegen Combino schloss Finanzchef Neubürger zwar nicht aus. Er zeigte sich aber zuversichtlich, bald einen Schlussstrich unter das Thema ziehen zu können.

Die zum Mobilfunk-Bereich gehörende Handysparte verharrte entgegen früherer Ankündigungen im vierten Fiskalquartal in der Verlustzone. Dies hatte sich allerdings abgezeichnet, nachdem Siemens seine neuen 65er-Modelle wegen Softwarefehlern zurückrufen musste. Auch im Gesamtgeschäftsjahr schrieb Siemens hier bei höheren Umsätzen rote Zahlen (minus 152 Mill. Euro nach plus 27 Mill. Euro/Vorjahr).

Wann die Mobiltelefone wieder zum Konzerngewinn beitragen soll, sagte Pierer nicht. Es sei nicht einfach, hier schnell überzeugende schwarze Zahlen zu erreichen. Die Sparte bleibt also ein Sorgenkind der Münchener. Wenn Gebiete auf Dauer die Kapitalkosten nicht verdienten, dann gebe es nur die Möglichkeiten Sanieren, Schließen, Verkaufen oder Kooperationen, sagte der Pierer. Siemens hatte den Mobilfunk-Bereich Anfang Oktober mit dem Festnetz-Bereich ICN zur Siemens Communications verschmolzen. Dies ist nun der mit Abstand größte Konzernbereich.

Preisverfall BEI Handys

Pierer wollte die Kosten für die 65er-Panne nicht genau beziffern. Die Softwarefehler hätten leider unverhältnismäßig viel Geld gekostet, obwohl das Problem binnen weniger Tage behoben worden sei. "Das Thema ist erledigt und die 65er-Serie wird im Markt gut aufgenommen", sagte Pierer. Der weltweit viertgrößte Handyhersteller steigerte zwar im Jahresvergleich seinen Absatz mit Mobiltelefonen, aber litt unter einem starken Preisdruck unter anderem im Konkurrenzkampf mit dem Branchenprimus Nokia . Im vierten Fiskalquartal sank der Durchschnittspreis um sechs Prozent auf knapp 99 Euro je Handy. Im Gesamtjahr 2003/04 verfielen die Preise um 16 Prozent.

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