Archiv
Roundup2: Ölkonzern OMV kauft Mehrheit an rumänischer Petrom - Rekorddeal

(dpa-AFX) Wien - Im größten Auslandseinkauf der österreichischen Wirtschaftsgeschichte übernimmt der Mineralölkonzern OMV AG < OMV.EAV > die Mehrheit am staatlichen rumänischen Ölkonzern Petrom. Für 1,39 bis 1,52 Milliarden Euro erhält die OMV 51 Prozent an Petrom, teilte OMV am Freitag in Wien mit. Den Kaufpreis will OMV aus Barmitteln und bereits zugesicherten Krediten aufbringen.

(dpa-AFX) Wien - Im größten Auslandseinkauf der österreichischen Wirtschaftsgeschichte übernimmt der Mineralölkonzern OMV AG < OMV.EAV > die Mehrheit am staatlichen rumänischen Ölkonzern Petrom. Für 1,39 bis 1,52 Milliarden Euro erhält die OMV 51 Prozent an Petrom, teilte OMV am Freitag in Wien mit. Den Kaufpreis will OMV aus Barmitteln und bereits zugesicherten Krediten aufbringen.

Von den Analysten wurde der Deal durchwegs positiv bewertet. Die OMV mache einen Sprung vorwärts. Der Kaufpreis liege innerhalb der Erwartungen, heißt es. Die OMV-Aktie legte am Freitag um 2,52 Prozent auf 170,75 Euro zu. Seit Jahresbeginn hat die OMV, mit 4,6 Milliarden Euro Marktkapitalisierung einer der größten Werte des Leitindex ATX, mehr als 44 Prozent zugelegt.

Die OMV kauft dem rumänischen Staat 33,34 Prozent Petrom-Anteile für 669 Millionen Euro ab. Gleichzeitig wird die Beteiligung durch eine Kapitalaufstockung auf 51 Prozent angehoben. Dafür rechnet die OMV mit 723 bis 855 Millionen Euro. Der endgültige Preis hängt laut OMV unter anderem davon ab, ob die Osteuropabank Ebrd mit einsteigt. Das Geld aus der Kapitalerhöhung soll größtenteils in der Petrom verbleiben.

Tankstellen-Netz Stark Erweitert

Außerdem übernimmt die OMV von Petrom laut rumänischer Regierung Schulden in Höhe von 292 Millionen Euro. Der Abschluss der Transaktion, für die die kartellrechtliche Genehmigung noch aussteht, wird für das vierte Quartal erwartet.

Mit den Petrom-Tankstellen erweitert OMV mit einem Schlag ihr Netz von rund 1.782 auf 2.382 und den Marktanteil in Rumänien von 6 auf 30 Prozent. Außerdem gewinnt der österreichische Konzern dadurch den Zugang zu riesigen Ölvorräten nicht nur in Rumänien, sondern auch Kasachstan. Laut OMV-Generaldirektor Wolfgang Ruttensdorfer erhält die OMV damit "die führende Position im Konsolidierungspozess in Mittel- und Osteuropa und entwickelt sich zur klaren Nummer Eins in der Region".

Außerdem gewinnt der österreichische Konzern durch die Petrom-Mehrheit den Zugang zu riesigen Ölvorräten nicht nur in Rumänien, sondern auch in Kasachstan und im Schwarzen Meer. Die gesicherten Öl- und Gasreserven der Petrom betragen 1 Milliarde Fass Öläquivalent, jene der OMV liegen bei nur 410 Millionen Fass. Die Öl- und Gasproduktion des OMV-Konzerns verdreifacht sich durch die neue Beteiligung von 120.000 Fass auf 340.000 Fass Öläquivalent pro Tag.

Investitionen Notwendig

Um die Reserven zu heben, wird die OMV allerdings nach Meinung von Analysten noch kräftig in neue Technologien investieren müssen. In den vergangenen Jahren ist die Ölproduktion bei Petrom trotz der hohen Reserven leicht zurückgegangen, die Gasproduktion stagnierte.

Außerdem steht bei der Petrom wohl ein kräftiger Personalabbau an. Während bei der OMV 6.100 Mitarbeiter beschäftigt sind, sind es bei Petrom rund 57.000. Die Personalzahl im OMV-Konzern wird damit verzehnfacht. Kolportiert wird ein Personalüberhang bei Petrom von rund 30.000 Mitarbeitern. Die rumänische Regierung will sich dabei laut Wirtschaftsminister Dan Popescu heraushalten. Die OMV müsse mit der Gewerkschaft verhandeln, die kolportierten Zahlen hält Popescu aber für zu hoch gegriffen.

Als neuer Hauptaktionär wird die OMV in Zukunft vier Petrom-Vorstände stellen. Auch im Aufsichtsrat soll die OMV mit vier Managern vertreten sein. Petrom-Generaldirektor Gheorghe Constantinescu soll aber Chef des Konzerns bleiben.

Kapitalerhöhung Denkbar

Eine Kapitalerhöhung für die OMV schließt Generaldirektor Ruttenstorfer nicht aus. Die Staatsholding Öiag, mit 35 Prozent größter OMV-Aktionär, teilte am Freitag mit, dass sie sich an einer Kapitalerhöhung bei Österreichs größtem Mineralölkonzern durchaus beteiligen könnte. Die OMV-Hauptversammlung hatte im Mai eine Ermächtigung zu einer Erweiterung des Kapitalrahmens um bis zu 8 Millionen neuer Aktien (inklusive laufender Wandelanleihen) bis Mitte 2009 ausgedehnt.

Eine vollständige Fremdfinanzierung würde laut OMV-Finanzchef David Davies "den konsolidierten Verschuldungsgrad der OMV um weniger als 10 Prozentpunkte erhöhen". Ende Juni lag die Verschuldungsrate des Konzern bei 30 Prozent.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%