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Roundup3: Neues Justizchaos um Yukos: Behörde widerruft Freigabe der Konten

(dpa-AFX) Moskau - Zum dritten Mal innerhalb weniger Wochen hat die russische Justiz Anordnungen im Fall des Ölkonzerns Yukos < Yusa.MUN > widerrufen müssen und damit die Anleger weiter verunsichert. Die Behörden machten am Donnerstag eine am Vorabend erteilte teilweise Freigabe von Yukos-Konten rückgängig. Damit rückt eine künstlich herbeigeführte Insolvenz näher, da dem zu Steuernachzahlungen in Milliardenhöhe verurteilten Konzern die Barmittel für laufende Geschäfte fehlen.

(dpa-AFX) Moskau - Zum dritten Mal innerhalb weniger Wochen hat die russische Justiz Anordnungen im Fall des Ölkonzerns Yukos < Yusa.MUN > widerrufen müssen und damit die Anleger weiter verunsichert. Die Behörden machten am Donnerstag eine am Vorabend erteilte teilweise Freigabe von Yukos-Konten rückgängig. Damit rückt eine künstlich herbeigeführte Insolvenz näher, da dem zu Steuernachzahlungen in Milliardenhöhe verurteilten Konzern die Barmittel für laufende Geschäfte fehlen.

Die Justiz zog ihre Anordnung vom Vortag zurück. "Die von Yukos erhaltene Erläuterung einer Gerichtsvollzieherin entspricht nicht den Gesetzesnormen und wird deshalb für nichtig erklärt", zitierte die Agentur Interfax aus der Erklärung der Gerichtsvollzieher-Abteilung im Justizministerium. Die Gerichtsvollzieherin habe inkorrekte Anweisungen gegeben, hieß es.

Einzahlungen AUF Yukos-Konten Werden Weiter Beschlagnahmt

Die Behörden teilten außerdem mit, bis zum Donnerstag sei ein Fünftel der Steuernachforderungen in Höhe von 99 Milliarden Rubel (2,8 Mrd Euro) für das Jahr 2000 eingetrieben worden. Man werde weiterhin alle Einzahlungen auf Yukos-Konten zur Tilgung der Steuerschuld beschlagnahmen. Nach einem steilen Kursanstieg bis zum frühen Nachmittag fielen die Yukos-Werte als Reaktion auf die Justizmitteilung wieder unter den Vortages-Schlusskurs von 4,35 Dollar. Die Aktie kostete kurz vor Börsenschluss im Moskauer RTS-Interfax-Index 4,25 Dollar.

In dem Anfang Juli eingeleiteten Zwangsvollstreckungsverfahren hatte es bereits mehrfach Verwirrung um das Schicksal des wichtigsten Yukos-Förderbetriebs, Juganskneftegas, gegeben. Die Justizbehörden mussten Erklärungen dementieren, wonach der Betrieb bereits Ende Juli zu einem Bruchteil seines Werts verkauft werden solle. Ebenso musste die Anordnung zurückgezogen werden, Juganskneftegas dürfe ab sofort kein Öl mehr verkaufen. Auch der Yukos-Konzern hatte durch eigene Mitteilungen zusätzliche Verwirrung gestiftet.

Analysten: 'Gerichtsvollzieher MIT Verfahren Gegen Yukos Überfordert'

Die Ungewissheit um das Schicksal des nach Fördermenge 2003 größten russischen Ölkonzerns führte zuletzt auch zu Preisanstiegen auf dem internationalen Ölmarkt. Nach Einschätzung von Analysten sind die vom Justizministerium beauftragten Gerichtsvollzieher mit dem Verfahren gegen den Großkonzern Yukos mit 120.000 Mitarbeitern überfordert. Manche Marktbeobachter vermuten hinter dem Justizchaos auch die Interessen von Börsenspekulanten, die sich den stark volatilen Kurs der Yukos-Aktie zunutze machen.

Ungeachtet der jüngsten Entwicklungen werde weiter der Verkauf des mit Abstand wichtigsten Yukos-Förderbetriebs, Juganskneftegas, vorbereitet, betonten Analysten in Moskau. Es gilt als sicher, dass der Kreml die Kontrolle über den Erdölsektor verstärken will und deshalb den Verkauf von Yukos-Förderbetrieben an politisch bequemere Konkurrenten befürwortet.

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