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Roundup3: Proteste bei Opel setzen GM unter Druck - Verhandlungen begonnen

Der wilde Streik der Bochumer Opel-Arbeiter gegen den geplanten drastischen Stellenabbau setzt den Mutterkonzern General Motors (GM) immer stärker unter Druck.

dpa-afx BOCHUM/RÜSSELSHEIM. Der wilde Streik der Bochumer Opel-Arbeiter gegen den geplanten drastischen Stellenabbau setzt den Mutterkonzern General Motors (GM) immer stärker unter Druck. Da die Lieferungen aus Bochum ausbleiben, würden im belgischen Werk Antwerpen für die Nachtschicht die Teile knapp, sagte ein Werksprecher am Montag. Die Bochumer Arbeiter setzen ihre Proteste am Montag entgegen allen Appellen fort. In Rüsselsheim begannen die Verhandlungen zwischen Management und Betriebsrat.

Am Dienstag soll ein europaweiter Aktionstag dem Protest gegen die geplante Streichung von 12 000 der insgesamt 63 000 Stellen bei Opel, Vauxhall und Saab Ausdruck verleihen. Auch am Opel-Stammsitz Rüsselsheim soll die Produktion zeitweise ruhen. In Kaiserslautern wollen 2 500 Arbeiter vorübergehend die Arbeit niederlegen. In Bochum werden 10 000 Menschen zu einer Protestkundgebung erwartet. Im polnischen Gliwice soll die Arbeit fortgesetzt werden, aber die Belegschaft über die Entwicklung in Deutschland informiert werden.

Produktionsausfall Wegen Protesten

Aus Bochum kommen Teile für fast alle anderen Opel-Werke in Europa. Die Fabrik in Antwerpen, die den Astra baut, bekommt aus Bochum unter anderem Fahrwerksteile zugeliefert. Die Früh- und die Spätschicht könnten noch normal arbeiten, sagte ein Werksprecher. Für die Nachtschicht würden der Nachschub jedoch knapp. In Antwerpen sollen 300 Jobs wegfallen. In Großbritannien sagte ein Vauxhall-Sprecher: "Wir bauen heute Autos." Zur weiteren Entwicklung wollte er keine Einschätzung abgeben. Opel bezifferte den Produktionsausfall durch die Proteste auf 1 500 Autos bis Montag.

Bei den Verhandlungen am Opel-Hauptsitz in Rüsselsheim will die Arbeitnehmerseite vor allem Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen verhindern. Am Montag ging es zunächst darum, einen Fahrplan für die schwierigen Gespräche aufzustellen. General Motors hatte vergangene Woche angekündigt, in Deutschland binnen zwei Jahren 10 000 Stellen streichen zu wollen, davon jeweils 4 000 in Bochum und Rüsselsheim. Die Arbeitnehmerseite bekräftigte am Montag ihre Bereitschaft, einen Beitrag zu der von GM geplanten Kostenreduzierung von 500 Mill. Euro zu leisten. An der ersten Verhandlungsrunde nahmen keine prominenten IG-Metall-Funktionäre teil, ein Spitzengespräch zwischen Opel und der Gewerkschaft für die kommenden Tage wurde aber nicht ausgeschlossen.

Clement: Erwarte Vorstands-Signal

"Ich gehe davon aus, dass sich die Personaleinsparziele erhebliche relativieren lassen", sagte der Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter Klaus Mehrens der dpa. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) erklärte, er erwarte nun ein Signal des Vorstands. Arbeitsniederlegung halte er allerdings für falsch, betonte Clement. Die Werksleitung in Bochum zeigte sich auch am Montag nicht zu einem Gespräch mit der Belegschaft bereit, rief sie jedoch auf, die Produktion wieder anzufahren. "Die Wiederaufnahme der Arbeit wird dem Standort Bochum nutzen!", hieß es in einem Flugblatt, das vom Werksschutz verteilt wurde. Arbeitswillige sollten sich bei ihren Vorgesetzten melden und bei Konflikten den Werksschutz informieren.

In Bochum hatte die Belegschaft am Morgen einstimmig entschieden, dass die seit Donnerstag ruhende Fertigung nicht wieder aufgenommen wird. Sprecher der Belegschaft forderten erneut als Bedingung für eine Wiederaufnahme der Produktion ein Gespräch mit der Werksleitung und den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen. Nach Angaben von Augenzeugen wurde am Montag im Presswerk und bei der Teilefertigung in geringem Umfang gearbeitet. Die Komponenten für europäische Werke konnten jedoch nicht ausgeliefert werden, weil die Werkstore von Streikposten blockiert wurden.

Uneinigkeit gab es darüber, wie die Arbeitsniederlegung in Bochum zu werten ist. Aus Sicht der IG Metall handele es sich nicht um wilde Streiks, sondern um eine "Kette von Informationsveranstaltungen", sagte ein Sprecher. "Die Beschäftigten machen nur von ihrem im Betriebsverfassungsgesetz verankerten Informationsrecht Gebrauch", Nach Ansicht einiger Arbeitsrechtler handelt es sich bei der sei Donnerstag andauernden Arbeitsniederlegung um einen wilden Streik, das heißt einen Ausstand ohne Urabstimmung.

Köhler Nimmt Anteil

Bundespräsident Horst Köhler sprach den Beschäftigten seine Anteilnahme aus. "Ich will die Gelegenheit nutzen und meine Sympathie und mein Mitgefühl für alle betroffenen Mitarbeiter an den Standorten Bochum und Rüsselsheim zum Ausdruck zu bringen", sagte er bei einem Besuch in München.

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