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Roundup3: VW will Nullrunde und lehnt Garantien ab - Gewerkschaft: Unfair

Europas größter Autokonzern Volkswagen will ab 2005 Arbeitzeit und Bezahlung seiner rund 177 000 Beschäftigten in Deutschland grundlegend reformieren und damit bis 2011 seine jährlichen Arbeitskosten von 6,8 auf 4,8 Mrd. € reduzieren. Zunächst sollen die 103 000 Mitarbeiter der sechs westdeutschen Werke in den nächsten zwei Jahren auf Einkommenserhöhungen verzichten.

dpa-afx WOLFSBURG. Europas größter Autokonzern Volkswagen will ab 2005 Arbeitzeit und Bezahlung seiner rund 177 000 Beschäftigten in Deutschland grundlegend reformieren und damit bis 2011 seine jährlichen Arbeitskosten von 6,8 auf 4,8 Mrd. ? reduzieren. Zunächst sollen die 103 000 Mitarbeiter der sechs westdeutschen Werke in den nächsten zwei Jahren auf Einkommenserhöhungen verzichten.

"Es besteht kein Spielraum für Entgelterhöhungen", sagte Personalvorstand Peter Hartz am Montag in Wolfsburg. Dort stellte er ein Sieben-Punkte-Konzept vor, mit dem VW in die Tarifverhandlungen mit der IG Metall in drei Wochen geht. Die von der IG Metall geforderten mehrjährigen Job- und Standortgarantien lehnt das Unternehmen ab. VW sei lediglich zu einer Selbstverpflichtung bereit, sagte Hartz.

Die Gewerkschaft, die vier Prozent mehr Lohn und mehrjährige Standortgarantien verlangt, wies das Sparpaket des VW-Konzerns als unausgewogen und unfair zurück. "In dem 7-Punkte-Konzept von Herrn Hartz fehlt ein 8. Punkt, nämlich die Arbeitsplatzgarantien", sagte der niedersächsische IG Metall-Chef und Verhandlungsführer der VW-Arbeitnehmer, Hartmut Meine, der Nachrichtenagentur dpa-AFX.

IG Metall: NUR Sprechblasen VON Hartz

Hartz habe sehr konkrete Vorschläge zu Sparmöglichkeiten des Konzerns genannt, bei möglichen Garantien für die 177 000 Arbeitsplätze in Deutschland habe der Personalvorstand "nur allgemeine Sprechblasen" von sich gegeben, kritisierte Meine. Er werde in der ersten Verhandlungsrunde am 15. September den Vorstand beim Wort nehmen.

Meine verteidigte die Forderung nach vier Prozent mehr Lohn. Eine Nullrunde über 24 Monate sei indiskutabel. Den von VW angestrengten Wettbewerb unter den Standorten lehnt Meine ab. Es sei in der aktuellen Branchenlage unrealistisch, dass Mitarbeiter ohne Bezahlung länger arbeiten könnten, um damit Produktionskosten zu sparen. "Wir sind doch überhaupt froh, dass wir im Moment die Vier-Tage-Woche halten können. Von längerer Arbeit kann da keine Rede sein."

Hartz dagegen meinte, die Beschäftigten und die Tarifpartner müssten bei den Garantien dem Wort eines Weltkonzerns vertrauen. "Nun gilt es, parallel die Wettbewerbsfähigkeit der 176 544 Arbeitsplätze des Konzerns in Deutschland durch nachhaltige Tarifstrukturen zu sichern." VW rechne mit einem stärkeren Widerstand der Gewerkschaft als in vergangenen Tarifrunden. IG Metall-Verhandlungsführer Meine hatte Arbeitskampf-Aktionen der Belegschaft nicht ausgeschlossen.

Konzern Will Wettbewerb Unter Werken

Hartz betonte, VW müsse sich dem weltweiten Konkurrenzkampf stellen. "Vor allem der europäische Automarkt enttäuscht. Insbesondere in Deutschland zeichnet sich nach drei Jahren Stagnation noch immer keine Belebung ab", sagte er zu den Aussichten der Branche in diesem Jahr. VW mache zudem der starke Euro zu schaffen. Die Wolfsburger, die im ersten Halbjahr einen Gewinneinbruch erlitten und ihre Jahresprognose nach unten geschraubt hatten, würden durch Wechselkursschwankungen, die das Unternehmen gegenüber den im Dollar-Raum produzierenden Wettbewerbern habe, stark benachteiligt.

Hartz, durch die gleichnamigen Arbeitsmarktreformen der rot-grünen Bundesregierung bekannt geworden, kritisierte die zu große Differenz zwischen den Lohnkosten in den deutschen und ausländischen VW VW-Werken. produziere 11 % teurer als die deutschen Wettbewerber. Deshalb will er einen stärkeren Wettbewerb unter den Standorten.

Durch ein "Co-Investment" könnten einzelne Werke Sparmaßnahmen erbringen, um beispielsweise im konzerninternen Rennen um neue Produkte vorne zu liegen. Als Beispiel nannte er den geplanten neuen Golf-Geländewagen, über dessen Produktionsstandort voraussichtlich im Herbst entschieden werde.

VW: NUR Noch 70 Prozent Festes Einkommen

Ab dem kommenden Jahr will VW sein Vergütungssystem radikal vereinfachen.Das Einkommen soll künftig aus 70 % festen und 30 % variablen Anteilen bestehen. Das Volumen der Arbeitszeitkonten soll von jährlich 200 auf 400 Stunden ausgeweitet werden. Die Bezahlung von Überstunden und Pausen soll neu geregelt werden. Auszubildende sollen rund 20 % weniger verdienen, dafür will der Konzern die Zahl der Azubi-Plätze um 20 % erhöhen.

Von aktuell 22 Entgeltstufen und mehr als 4 000 Tätigkeitsbeschreibungen sollen lediglich zwölf Einkommensgruppen übrig bleiben, sagte Hartz. Hierarchien sollten abgebaut und so genannte "Job Families" an Stelle des Entgeltrahmentarifvertrags (ERA) für neue Beschäftigte eingeführt werden. Damit ist gemeint, dass eine Gruppe mit vergleichbaren Kenntnissen und Erfahrungen zusammenarbeitet und die Entgelte von Arbeitern und Angestellten angeglichen werden. Durchschnittlich würden Mitarbeiter dann bei VW zwischen 28,8 und 30 Stunden pro Woche arbeiten. Derzeit werden 60 % der VW-Beschäftigten nach Haustarif, der Rest nach anderen Arbeitszeitmodellen bezahlt.

Neue Wege wolle der Konzern in der Gesundheitsversorgung gehen. Die Mitarbeiter sollen "Gesundheitsbausteine" erhalten, mit denen medizinische Angebote und Versicherungsleistungen bezahlt werden können. "Im Gegenzug gleicht die Belegschaft die Krankheitskosten pauschal durch zusätzliche Arbeitszeit oder Verrechnung von Tarifleistungen aus", sagte Hartz.

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