Rssische Regierung setzt Putin-Vertrauten als Vorstandsvorsitzenden ein
Wjachirew als Gasprom-Chef entlassen

Der umstrittene Chef des russischen Gasmonopolisten Gasprom, Rem Wjachirew, ist am Mittwoch als Vorstandsvorsitzender entlassen worden. Die Entscheidung des Aufsichtsrates löste einen Höhenflug der Gasprom-Aktie an der Moskauer Börse und auf den Auslandsmärkten aus. Zum neuen Vorstandsvorsitzenden wählte der Aufsichtsrat einstimmig den stellvertretenden russischen Energieminister Alexej Miller, meldete die Agentur Interfax. Mit diesem Wachwechsel hat der Kreml seine Kontrolle über den weltgrößten Gaskonzern verstärkt. Miller gilt als enger Vertruter von Russlands Präsident Wladimir Putin.

dpa MOSKAU. Wjachirew leitete den größten Gaskonzern der Welt seit 1992. Ihm waren zuletzt verstärkt Geschäfte zu Gunsten von Verwandten und Vertrauten vorgeworfen worden. Gasprom gehört zu 38,37 Prozent dem russischen Staat, 50,13 Prozent sind in russischem Streubesitz. 11,5 Prozent der Aktien sind in ausländischer Hand. Die deutsche Ruhrgas AG hält eine Beteiligung von etwa 5 Prozent.

An den Börsen trieb die Nachricht vom Führungswechsel den Kurs der Gasprom-Aktien hoch. In Moskau legten die Papiere binnen Minuten um 5,4 Prozent auf 12,39 Rubel (0,99 DM) zu. Die im Ausland gehandelten Gasprom-ADR stiegen nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg den ganzen Tag lang kontinuierlich und legten 11 Prozent auf 9 US-Dollar zu. Das neue Management solle "die Rolle des Staates stärken und gleichzeitig die Interessen aller Aktionäre wahren", sagte Putin bei einem Treffen mit Wjachirew und Miller im Kreml.

Gasprom ist wichtige Devisenquelle für Russland

Nach Angaben von Kritikern hatte Wjachirew, der Gasprom seit 1992 führte, lukrative Teile des Geschäfts an Verwandte oder Vertraute vergeben. Der russische Staat bezieht zwar etwa zehn Prozent seiner Deviseneinnahmen von Gasprom, doch Mehreinnahmen entgingen ihm. Im vergangenen Jahr betrug der Gasprom-Exporterlös mehr als 12 Milliarden Dollar. Der russische Staat hält 38,37 Prozent der Gasprom-Anteile. Größter ausländischer Aktionär mit fünf Prozent ist die deutsche Ruhrgas AG, die mit Burckhard Bergmann auch ein Mitglied im Aufsichtsrat stellt.

Unter anderem Wjachirew hatte seinen Sohn Juri an die Spitze der Gesellschaft Gasexport gesetzt, die Erdgas ins Ausland pumpt. "Analysten schätzen, dass bei Gasprom jedes Jahr 2 bis 3 Milliarden Dollar durch Korruption, Vetternwirtschaft und schlichten Diebstahl verschwinden", sagte der ehemalige Finanzminister Boris Fjodorow, der im Aufsichtsrat die russischen Minderheitsaktionäre vertritt.

Der Aufsichtsratsvorsitzende und stellvertretende Leiter der Kreml-Administration, Dmitri Medwedjew, schlug am Mittwoch vor, den auslaufenden Vertrag mit Wjachirew nicht zu verlängern. Für die kommende Hauptversammlung am 29. Juni schlug er vor, Wjachirew zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden zu machen.

Gasprom geizte nie mit billigen Krediten

Im vergangenen Jahr habe Gasprom die Förderung um fast 20 Milliarden Kubikmeter Gas auf 523 Milliarden Kubikmeter reduzieren müssen, berichtete die Moskauer Tageszeitung "Komsomolskaja Prawda". Die Konzernleitung erklärte die Senkung mit dem Mangel von Mitteln für die Erschließung neuer Lagerstätten.

Andererseits geizte Gasprom nie mit billigen Krediten an Freunde und Partner - häufig auf politische Vorgabe des Kremls. 2000 vergab der Konzern knapp 24 Milliarden Rubel an Firmen, die mit dem Erdgasgeschäft nichts zu tun haben. Über hohe Kredite an den Medienkonzern Media Most des Unternehmers Wladimir Gussinski erlangte der Kreml die Kontrolle über die kritisch eingestellten Medien.

Von Miller erwarten Analysten einen strikter an Staatsinteressen ausgerichteten Kurs. Der neue Chef bei Gasprom solle Manager und kein Monarch sein, schrieb die Wirtschaftszeitung "Wedomosti" am Mittwoch: "Gasprom (...) wird zwangsläufig anders. Das heißt, dass auch Russland anders wird."

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