RTL greift auf fremde Technik zurück
30 Kilometer Kabel für Schumacher und Ebel

Formel-1-Rennen sind Festtage für RTL, mit durchschnittlich zehn Millionen Menschen allein in Deutschland an den Bildschirmen. Der Große Preis von Deutschland am Sonntag dürfte ähnliche Quoten bringen, auch wenn Michael Schumacher versehentlich schon vergangenes Wochenende den WM-Titel einheimste. Eigentlich wollte er sich ja erst in Hockenheim zum fünften Mal als bester Fahrer küren lassen.

thy DÜSSELDORF. Die Bilder, die auf den Bildschirmen daheim auflaufen, produziert der Kölner Sender jedoch schon lange nicht mehr selbst. Seit über zehn Jahren übernimmt dies die Wige AG. "Die privaten TV-Sender haben die Übertragungskapazitäten outgesourct", sagt Jörg Ullmann, bei RTL für die Sportrechte und Sportmarketing zuständig. Kameras und Kameramänner für die Champions League, Skispringen oder eben Motorsport einzukaufen ist eben billiger, als sie das ganze Jahr zu unterhalten. Günstig ist der Spaß dennoch nicht: Der Sender überweist einen Millionenbetrag an die Frechener Firma für das Rennwochenende.

"RTL hat die höchsten Ansprüche und ist auch bereit, dafür zu bezahlen", so Wige-Sprecherin Andrea Schleppinhoff. Die Kosten steigen parallel zur Anzahl der geforderten Kameras. Der Aufwand ist dementsprechend groß: Bereits am Montag reisten die ersten der 50 Mitarbeiter an. Rund 30 Kilometer Kabel müssen verlegt und fast 40 Kameras rund um die Strecke aufgebaut werden. Der komplette Aufbau wurde am Donnerstag abgeschlossen, am Nachmittag stand auf dem Hockenheimring schließlich die technische Probe an.

Die Technik, so ein Wige-Sprecher, teilt sich in zwei Bereiche, den nationalen und den internationalen. Im ersten werden nur Bild und Ton für das RTL-eigene Programm produziert, etwa die Auftritte von Boxenreporter Kai Ebel oder den Kommentatoren. Der internationale Bereich hingegen liefert die eigentlichen Rennbilder - und bietet sie allen angeschlossenen Sendern weltweit an. Im letzten Jahr, so der Veranstalter, haben insgesamt rund 133 Millionen Menschen den Großen Preis von Deutschland gesehen, live und zeitverzögert. Der Abbau beginnt bereits kurz nach dem Rennen am Sonntag und ist am Montag beendet.

Für eine solch aufwändige Übertragung gibt es in Deutschland nach Branchenmeinung maximal eine Handvoll Anbieter. Neben der im Smax gelisteten Wige AG etwa noch die Münchener Topvision und TV Niedersachsen.

Die Signale der einzelnen Kameras laufen im Ü5, dem nach Unternehmensangaben modernsten Übertragungswagen Europas, zusammen. Neun Millionen Euro kostete dieses mobile Sendezentrum. Die Wige-Manager hoffen, ihr Prunkstück 120 Tage im Jahr einsetzen zu können. Über 80 sollen bereits gebucht sein.

Die Zusammenarbeit scheint zu klappen. Schon zehnmal hintereinander gewann der Kölner Sender den Formel-1-internen Preis für die beste Übertragung - auch dank Wige. "Wir sind am besten, wenn uns keiner bemerkt", sagt Vorstandsmitglied Josef Nehl. Der Diplomkaufmann kennt die Sportbranche genau, schließlich spielte er in der Fußball-Bundesliga, unter anderem für Bayer Leverkusen.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%