RTL Group-Chef Didier Bellens setzt bei seinem Vorzeige-Projekt hauptsächlich auf Imagegewinn
RTL schraubt Erwartungen zurück

Das angekündigte Synergie-Projekt "Deutschland sucht den Superstar" gilt bei der RTL-Group nicht mehr als Umsatzlokomotive, sondern soll dem Medienkonzern den amerikanischen Fernseh-Markt öffnen. Die Quoten der neuen Pop-Show in den USA setzen bei Fox Rekordmarken. RTL Deutschland gerät dadurch unter Druck.

DÜSSELDORF. Es sollte das große Synergie-Projekt der RTL Group werden. Mit der Talent-Show "Deutschland sucht den Superstar" sollte RTL Marktanteile und Werbekunden gewinnen, die Bertelsmann-Tochter BMG Musik vermarkten und die Produktionstochter Fremantle Media bekannt werden. Doch der erwartete Umsatzschub für die Sendergruppe scheint auszubleiben. Drei Monate vor dem Start der neuen RTL-Show hängt der Chef der RTL Group, Didier Bellens, die Erwartungen überraschend niedriger. "Wir werden mit der Show Geld verdienen", sagte Bellens, "viel wichtiger ist aber der Imagegewinn für Fremantle Media in den USA." Fremantle Media, Produktionstochter der RTL Group, solle mit Hilfe der Talent-Show zum "größten nicht-amerikanischen Produzenten auf dem US-Markt" ausgebaut werden, so Bellens. Das werde auch auf den europäischen Markt zurückstrahlen. Der US-TV-Markt ist der größte der Welt und für europäische Medienkonzerne bislang nahezu unzugänglich gewesen.

"American Idol" läuft in den USA gut

Vergangene Woche erreichte die in den USA unter anderem Namen ausgestrahlte Pop-Show "American Idol" auf dem US-Sender Fox mit dem Finale der ersten Staffel 22 Mill. Zuschauer. Nach Angaben von RTL Group seien das seit langer Zeit die höchsten Einschaltquoten für Fox, einen Ableger des Medienkonzerns Newscorp von Rupert Murdoch. Auch in Großbritannien hatte die Abschluss-Sendung der Sänger-Wettbewerbs auf dem Kanal ITV einen Zuschauer-Marktanteil von 57 %.

Obwohl Mitarbeiter bestätigen, dass wegen der guten Quoten in USA und England der Erfolgsdruck auf RTL laste, erwarte die Holding in Luxemburg auf dem deutschen Markt keine außergewöhnliche Gewinnsteigerung durch die neue Show. Von Synergie-Wirkungen gehen Insider jedoch aus: In der Vermarktung des Pop-Wettbewerbs sollen auch die Radiosender, an denen RTL Anteile hält, einbezogen werden. Bei RTL wird "Deutschland sucht den Superstar" inzwischen als eine Event-Show neben anderen wichtigen wie "Domino Day" oder "Dinotopia" gesehen, berichtet ein Mitarbeiter. Ab November soll die Talentprobe, moderiert von Michelle Hunziker und Carsten Spengemann, zur besten Sendezeit am Samstag Abend 15 mal hintereinander ausgestrahlt werden. Alle 10 000 Bewerber seien auch zu Castings eingeladen worden, heißt es bei der deutschen Produktionsfirma Grundy Light Entertainment, einer Fremantle-Tochter. Anfangs war noch von 60 000 Interessenten für die Popstar-Kür die Rede gewesen.

RTLsteht unter Ergebnis-Druck

RTL hätte einen Show-Erfolg bitter nötig. Die Senderfamilie steht unter Ergebnis-Druck: Die ersten sechs Monate im weiterhin schwachen Werbejahr haben für Einbrüche bei den Sender-Umsätzen gesorgt. Der Umsatz ist im ersten Halbjahr um 7,3 % auf 829 Mill. Euro zurückgegangen. Das Ergebnis (Ebita) für die deutsche Senderfamilie, den größten Gewinnbringer der RTL Group, sank um über 36 % auf 103 Mill. Euro. In Deutschland ist der gesamte Werbemarkt von Januar bis Juli um 7,2 % eingebrochen.

Auch bei den Marktanteilen der für die Werbekunden besonders wichtigen Zuschauer zwischen 14 und 49 Jahren musste der Kölner Privatsender Einbußen hinnehmen: Der Anteil sank im Vorjahresvergleich um 0,8 Punkte auf 29,6 %. Das sei in erster Linie auf die Übertragungen der Fußball-Weltmeisterschaft und der Winterolympiade zurückzuführen, die nicht bei RTL zu sehen waren. "In den ersten sechs Monaten haben wir in Deutschland Marktanteile verloren", räumt Bellens ein, "aber das soll sich im zweiten Halbjahr wieder ausgleichen".

Eine Erholung auf dem deutschen Werbemarkt, dem drittwichtigsten Markt der Welt, erwartet Bellens frühestens ein halbes Jahr nach einem sichtbaren Werbeaufschwung in den anderen EU-Ländern. Allerdings schätzt der RTL-Group-Chef, dass die Werbemärkte in den Niederlanden und den USA bereits den Boden erreicht haben. Trotz der Umsatzrückgänge im TV-Bereich sieht Bellens das frei empfangbare Fernsehen als langfristigen Wachstumsmarkt für RTL Group.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%