RTL winkt unverändert ab, wenn die Beachvolleyballer um Übertragungszeiten bitten
Baggern beim Fernsehen führt nicht zum Erfolg

Schon lange verhandelt der Ex-Nationalspieler und Tour-Promoter Frank Mackerodt mit RTL über Beachvolleyball-Übertragungen. Doch beim Kölner Sender winkt Rechtekäufer Jörg Ullmann ab: "Wir sind im Sommer mit Formel 1 bestens ausgesorgt. Beachvolleyball passt noch nicht in unsere Strategie."

MÜNSTER. Es hört sich recht unpassend an, sich in einem Endspiel nach gewonnenem ersten Satz eine Pause zu gönnen, wo es doch immerhin um 22 000 US-Dollar geht. Markus Dieckmann und Jonas Reckermann, Beachvolleyball-Nationalspieler aus Köln, wussten sich nicht anders zu helfen, als sie sich am Sonntag im schweizerischen Gstaad im Endspiel der World Tour gegen die Weltranglistenersten Benjamin/ Marcio-Araujo (Brasilien) im zweiten Satz einfach mal so hängen ließen. Markus Dieckmann sagte: "Wir wollten uns lieber auf den Entscheidungssatz konzentrieren." Der Plan ging dann zwar in die Hose und für die Europameister Dieckmann/Reckermann blieb nur Platz zwei, aber immerhin die Preisgeldsumme von 15 000 Dollar übrig.

Doch für professionell denkende Beachvolleyballer kann es sinnvoll sein, zwischendurch mal die Power aus den Angriffsschlägen zu nehmen, oder sich ein wenig gedrosselter auf dem sandigen Untergrund zu bewegen. Denn, Gelegenheit drauf loszuschlagen und den Sand nach Herzenslust umzuwühlen, haben sie im vorolympischen Jahr noch reichlich. Schon seit gestern bietet sich die nächste Chance, denn die World Tour macht mit einem Grand Slam auf dem Berliner Schlossplatz Station. Vier Grand-Slam-Turniere hat der Weltverband (FIVB) in seinem Tourkalender eingetragen, bei denen es um insgesamt 600 000 Dollar sowie Ranglistenpunkte geht.

Berlin entwickelt sich mit den Grand-Slam-Turnieren, die bis 2006 vertraglich genauso zugesichert sind wie die Weltmeisterschaft 2007, immer mehr zu Anlaufstelle Nummer eins der weltbesten Beach-Boys und-Girls. FIVB-Generalsekretär Jean-Pierre Seppey sagte bei der Vertragsunterzeichnung: "Ich denke, dass Berlin in den kommenden Jahren die Beachvolleyball- Hauptstadt weltweit wird."

Doch trotz aller Grand-Slam-Turniere will den Machern hier zu Lande der große Druchbruch nicht auf allen Ebenen gelingen. Größtes und im Grunde einziges Manko: Zu selten flimmern die durchaus attraktiven Spielszenen mit braungebrannten und muskelgestählten Athleten über die Bildschirme. Dem Weltverband ist es immerhin gelungen, den Spartensender Eurosport für die Übertragung der meisten World-Tour-Endspiele zu gewinnen. Der Europäische Verband (CEV) hat die Schweizer Agentur Global Sports Marketing (GSM) mit der Ausrichtung und Vermarktung der European Championship Tour beauftragt.

Die wird nach den Plänen der Züricher auch in Deutschland ihren Platz finden. Beispielsweise wird mit Timmendorfer Strand, wo seit 1993 die Deutschen Meistertitel vergeben werden, als Austragungsort für die Europameisterschaft 2004 verhandelt. Christian Scholbrock, Managing Direktor bei GSM, will "tollen Sport mit einem einzigartigen Ambiente und Rahmenprogramm mit europaweiten TV-Übertragungen anbieten".

An Interessenten in Wirtschaft und Werbung mangelt es nicht. Deutschlands Tour-Promoter Frank Mackerodt (Hamburg) konnte zu Saisonbeginn der Vodafone-Masters-Tour vermelden: "Wir haben trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten alle Sponsorenpakete verkauft."

Mit Top-Teams wie den Deutschen Meisterinnen Okka Rau und Stephanie Pohl werden Werbespots für die richtige Hautpflege (Nivea) unter heißer Sonne ausgestrahlt. Aber Mackerodt und all die anderen Macher wollen mehr. Schon lange verhandelt der Ex-Nationalspieler mit RTL über Beachvolleyball-Übertragungen. Doch beim Kölner Sender winkt Rechtekäufer Jörg Ullmann ab: "Wir sind im Sommer mit Formel 1 bestens ausgesorgt. Beachvolleyball passt noch nicht in unsere Strategie." Ullmann hätte sich eine kombinierte Berichterstattung mit VOX, NTV und RTL vorstellen können, doch davon träumen auch andere: "Bei uns stehen Sportarten Schlange, die alle nur das eine wollen: übertragen zu werden."

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